Sonntag, 8. September 2013

Von den Tiefen des Alls bis nach Eberswalde

Heute vor 47 Jahren flog der zweite Pilotfilm der Enterprise erstmalig über die Bildschirme und ist für mich ein perfekter Zeitpunkt mich Star Trek nochmals zu widmen. Als Trekkie aus tiefsten Herzen lief mir vor einiger Zeit die Hörspielreihe Raumschiff Eberswalde in den Unweiten des Netzes übern Weg. Fanprojekten stehe ich grundsätzlich immer etwas skeptisch gegenüber, denn es schwirrt doch sehr viel Mist rum, wo sich mir oftmals einfach nur der Magen umdreht. Bei Raumschiff Eberswalde ist dies aber ganz anders, denn hier hat sich jemand vom Fach wirklich ein Konzept ausgedacht und sehr viel Liebe und auch Arbeit reingesteckt.

Die erste Staffel entstand 2009 im Rahmen der Star Trek Ausstellung „Faszinierend“ in Eberswalde, welche anlässlich des Internationalen Jahres der Astronomie stattfand. Der Podcast initiiert von Benjamin Stöwe startet mit dem Film Star Trek 2009 und endete mit Into Darkness 2013. Es wurden jeden Tag kurze Audioschnipsel veröffentlicht, welche oft gerade mal 30 Sekunden lang waren. Dies machte tägliches Hören sehr unzufrieden stellend. Die meisten Hörer beschränkten sich auf wöchentliches Hören. Als die Ausstellung zu Ende ging, war inzwischen eine Fangemeinde geboren und auch die Macher des Podcasts hatten den Drang nach mehr. Bereits Anfang 2010 folgte die zweite Staffel mit einem spektakulären Auftakt. Sigmund Jähn, der erste deutsche Astronaut hatte einen Gastauftritt, doch er ist nicht die einzige bekannte Stimme am Mikrofon von Raumschiff Eberswalde. Die gesamten 7 Staffeln sind gespickt von bekannten Stimmen. Sei es Spock oder Captain Sisko, sei es Neelix oder Janeway, sei es Chakotay oder B`Elana Torres, sei es Troi oder Tasha Yar, selbst die Synchronsprecher von Data und Worf geben den Podcast ihre Stimme und werten ihn entsprechend auf, machen ihn von Fanprojekt zu einem wirklichen Beitrag zum Franchise. Ihre Stimmen setzen dem Ganzen ein offizielles Siegel drauf und lassen Herzen höher schlagen. Die späteren Staffeln waren von längeren Episoden geprägt und die Monologe sowie Dialoge machten süchtig auf mehr. Teils schlüpften die Sprecher in ihre bekannten Rollen, aber nahmen auch neue Figuren ein. So wurde jeder Cast zu einem Ü-Ei.

Erzählt wird die Geschichte des jungen Offiziers Robert Thomas, der viele Abenteuer mit dem Raumschiff U.S.S. Eberswalde erlebt. Historische Ereignisse wie die Zerstörung Vulkans, der temporale Kalte Krieg aus der letzten Star Trek Serie um Captain Archer oder auch das Spiegeluniversum bildeten den Hintergrund für die Stories der Eberswalde. Immer wieder wurde das Trekkieherz mit kleinen Funfacts gestreichelt und offenbarte, dass die Macher ihr Herz schon lange an Star Trek verloren hatten. Sie machten es aus Liebe. Nicht ohne Grund setzten sie den Podcast immer wieder fort. Nun ist das Projekt beendet und auch wieder nicht, denn für Dezember 2013 ist eine Fortsetzung unter dem Namen Raumschiff Enterprise angekündigt. Ich bin gespannt.

Als ich Anfang des Jahres mich intensiver mit diesem Projekt beschäftigte und eigentlich im Vorfeld zum Kinostart von Into Darkness einen Artikel vorbereiten wollte stieß ich auf einen mir bekannten Namen: Steffan Drotleff. Mit ihm spielte ich in unserer gemeinsamen Heimatstadt Brandenburg an der Havel etwas Theater, was von meiner Seite als reines Hobby betrieben wurde, war für Steffan Berufung. Wie klein die Welt doch ist. Heute ist Steffan Drotleff professioneller Schauspieler und Synchronsprecher, doch was rede ich. Lass ich ihn doch einfach selbst zu Wort kommen.

Steffan Drotleff
Ich kenne dich noch von gemeinsamen Jugendtheaterprojekten. Du hast den mutigen Schritt in die professionelle Schauspielerei vollzogen. Was reizt dich daran?
Mich reizen die Gegensätze. Manchmal macht es irre Spaß, manchmal hat man Stress. Zum einen kann ich als Freischaffender selbstbestimmt sein – zum anderen bin ich auch oft von anderen abhängig. Na und bei den Verdienstmöglichkeiten ist ja bekanntlich alles möglich: von Hartz 4 bis Multimillionär.

Wie bist du zur Synchronisation gekommen?
Mit mehr Glück als Verstand. Ein Geschäftsführer einer Synchronfirma hat mich im Theater spielen sehen und mich daraufhin eingeladen mir die Studios mal anzuschauen und ins Business zu schnuppern. Erst hatte ich totalen Bammel und wollte gar nicht. Immerhin ist es Arbeit und alle Leute sind unglaublich professionell. Ich dachte das ist eine Klasse zu hoch für mich. Dann hat es aber doch funktioniert und es macht auch irre viel Spaß.

Welche Synchronisation hat dich bisher am meisten gefordert und warum?
Kann ich so nicht sagen. Die Arbeit ist an sich sehr fordernd. Man kommt ins Atelier und kennt den Text gar nicht. Das heißt: Textpassage lesen und lernen, Originalton anschauen, nochmal Text checken und sprechen und dann muss alles passen: Sprechtempo, Spieltemperatur, Rhythmus, die Lippenbewegungen. Da ist es egal ob Realfilm oder Zeichentrick. Es muss auf dem Bild gut aussehen und man muss den Text auch richtig spielen. Wenn man viel laut sein muss, kann das für die Stimme fordernd sein, aber da gibt es je dann auch das Handwerk: Stütze, Kraftstimme, etc.

Im Synchronstudio trifft man sicherlich auch Sprecher von den großen US-Stars. Wie ist es zum Beispiel plötzlich Bruce Willis auf dem Flur über die zu spät kommende S-Bahn fluchen zu hören?
Also im Studio trifft man selten Sprecher, da meist Rollen alleine aufgenommen werden. Es kann aber durchaus vorkommen, dass große Stimmen auch Synchronregie machen und dann spricht auf einmal Samuel L. Jackson oder Angelica Huston mit einem. Das ist irgendwie cool und über kleine Alltagsproblemchen schimpfen wir doch alle mal, auch große Sprecher, da sind sie einem dann wieder ganz nah.

Wie kam es zur Beteiligung an dem Projekt Raumschiff Eberswalde und wen hast du gespielt?
Benjamin Stöwe, der im Raumschiff Eberswalde den Robert Thomas spricht, kenne ich von Synchron und wir haben mal über das Thema Star Trek schwadroniert. danach hat er mich gefragt, ob ich mitmachen will. Die Aufnahmen waren lustig. Ich hatte damals relativ wenig Zeit, also haben wir das sozusagen zwischen Tür und Angel gemacht, in einem Nebenraum im Konzerthaus am Gendarmenmarkt. Ich spreche in der dritten Staffel den Mad.

Bist du selbst Star Trek Fan? Wenn ja, welche Star Trek Serie(n)/Filme/Darsteller sind deine Favoriten?
Hm... ich bin nicht so eine Art von Fan. Ich mag das ganze Star Trek Universum. Die Technik, die Verstrickungen, dann aber auch wieder kleine Problemchen. Ich kann da gar keinen Superlativ nennen. Ich würde sagen ich bin Fan – aber kein Trekkie.

Wir konnten dich im letzten Jahr in einer Rolle in dem asiatischen Kriegsdrama „My Way“ bewundern, der vor kurzem auf DVD erschienen ist. Was ist dein nächstes Projekt im Bereich Film?
Na ja, es war eine Nebenrolle. Roman, ein russischer Soldat und meine nächsten Projekte... gute Frage. Über ungelegte Eier spricht man nicht. Aber ich drehe grad verschiede kleine Sketche und Episoden mit meiner Bühnenpartnerin Frau Schmidt. Wir haben ein eigenes StattKabarett- Programm, bei denen die zum Tragen kommen. Was sonst noch wird... man darf gespannt sein.

Die Schauspielerei sowie die Synchronarbeit scheint dich noch nicht vollends auszulasten, denn eine Kinderoper hast du auch inszeniert. Wie war die Arbeit mit den Kindern und Jugendlichen?
Die Arbeit war einfach großartig! Die Kinder und Jugendlichen der Singakademie Potsdam waren klasse. Ich musste zwar manchmal etwas streng sein, aber wir haben uns richtig gut verstanden. Wir haben auch im Chorlager viel gearbeitet. Im Endeffekt kam eine sehr schöne Inszenierung der Oper „Brundibar“ zustande.

Ist eine weitere Inszenierung geplant, denn offensichtlich hattet ihr sogar internationalen Erfolg?
Neben Aufführungen in der Landeshauptstadt Potsdam oder Brandenburg, gab es auch ein Gastspiel in Tschechien. „Brundibar“ ist ja untrennbar mit Theresienstadt verbunden und bei der Aufführung in Tschechien war auch eine Zeitzeugin dabei, die als kleines Mädchen in der Oper mitgesungen hat. Das war für uns alle eine ganz besondere Erfahrung. Eine weitere Inszenierung mit Kindern ist erst mal nicht geplant. Es folgen nun drei Inszenierungen für Erwachsene.

Vielen Dank an Steffan für das Interview, das bereits so einige Zeit auf meinem Rechner schlummert. Inzwischen hat Steffan noch so einige Projekte inszeniert und gespielt und der eine oder andere hat ihn unbewusst bereits im TV oder Kino gehört. Ich denke wir werden von ihm noch viel mehr sehen und hören!

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