Samstag, 1. Juni 2013

Filmreview: Star Trek Into Darkness

... oder warum es der Comicleser besser hat!


Nun sind wieder ein paar Wochen seit dem Kinostart ins Land gezogen und es häufen sich die Fragen an mich, wie ich denn den Film fand. Dies hatte zur Folge, dass ich jegliche Unterhaltungen über den Film erst konsequent abwürgen, dann mit Einzeilern beenden musste. Zu unklar war meine Meinung zum Film. Jetzt fühle ich mich bereit. Jetzt kann man mit mir diskutieren.

Eine Spoilerwarnung vorweg. Dieser Artikel enthält Spoiler zum Film, zum Prequelcomic Countdown to Darkness und zum ersten Sequelcomicheft After Darkness aus der aktuellen Ongoing von IDW.

Bevor ich zum aktuellen Kinofilm kommen kann muss ich ein paar Jahre zurückspringen. Ich bin ein großer Fan (wohl auch einer der wenigen) der letzten Star Trek Serie Enterprise. Die Serie spielte vor Kirk und erzählte die Anfänge der Sternenflotte. Das Raumschiff hatte den gewissen U-Boot-Look und die Uniformen sahen aus wie Overals von Mechanikern. Alles war etwas urig. Für mich war es gleichgültig, dass die Technik teils moderner aussah, als in der Serie aus den 60er Jahren, aber hey, wir haben diese Technologien bereits in unseren Alltag. Das war damals kaum vorstellbar. Zeig einem Menschen aus den 60er oder 70er Jahren ein iPad und der denkt du stammst aus dem 23. Jahrhundert. Der Look der Serie Enterprise musste dementsprechend angepasst werden. Darum geht’s mir eigentlich auch nicht, sondern eher um Roddenberrys Grundthema vom Erkunden neuer, unbekannter Welten, dem Abenteuer neue Kulturen kennenzulernen, den Forschungen an den Wundern des Weltalls. Alle TV-Serien waren nach diesem Konzept gestrickt, doch Enterprise hatte das gewisse Etwas. Die Menschen waren extrem unerfahren und hatten die Vulkanier als ihre Lehrer. Sie waren streng und unterkühlt, aber gewissenhaft. Teils wirkten ihre Warnungen wie ängstliches Handeln, doch handelten sie meist lediglich sehr bedacht. Ich könnte an dieser Stelle noch stundenlang/seitenlang weiter schwärmen, aber der Punkt ist, dass hier tatsächlich etwas komplett Neues gezeigt wurde. Für Zuschauer und Protagonisten waren alles neue Welten verbunden mit Nuancen von bekannten Szenarien, Planeten etc.

Selbiges erwartete ich mir mit der Neuauflage von J.J. Abrams ersten Star Trek Kinofilm, doch bereits nach wenigen Minuten, noch bevor Kirk das erste Mal zu sehen war, saß ich schockiert im Kino. Meine Madame klappte mit einem Finger meine Kinnlade wieder hoch, umarmte mich und fragte ob alles in Ordnung sei. Nein war es nicht. Romulaner mit Tattowierungen, pah. Wer hat sich denn den Scheiss ausgedacht? Oh nein, jetzt haben sie auch noch Kirks Vater umgebracht. DAS IST ABER NICHT STAR TREK KANON!

Nun saß ich da, eingeschnappt, konnte mich kaum noch konzentrieren und dann kam die Schlägerei in der Bar. Witzige Dialoge, schöne Schnitte, eine bezaubernde Uhura und ein Kirk, wie ich ihn mir vorstellen konnte. Ab diesem Zeitpunkt ging es steil bergauf. Selbst die weiterlaufende Beastie Boys Mucke vom bereits explodierten Autoradio war vergessen. Chekov, Sulu, McCoy und Scotty bekommen eine treffende Einführung, nur Spock blieb für mich nicht wirklich greifbar. Als dann noch die Szene mit Leonard Nimoy kam war ich hin und weg, aber als Scotty vom Beamunfall mit Captain Archers Hund sprach, hatten die Macher bei mir ein Stein im Brett. Hey, die haben sich beschäftigt, die haben doch was drauf die Jungs. Der Plot war und verursachte durch die Zerstörung der Zeitlinie und durch die Vernichtung von Vulkan genügend Freiräume für neue Geschichten ohne auf den Kanon achten zu müssen, hatte aber einen unzureichenden Gegner. Unzureichend, weil seine Motivation zu knapp dahingeschludert wurde. Wer Nero wirklich verstehen wollte, der musste damals das Prequelcomic Countdown gelesen haben. Hier wird er erklärt, hier konnte man sehen, welch Drama er miterleben musste und auch hier wurde erklärt, warum eine ganze klingonische Armada zerstört wurde.

Ich ging bespielt aus dem Kino, aber ein Lächeln wollte trotzdem nicht aufkommen. Ich stellte mir die Frage: „Ist das noch Star Trek?“ Die Uniformen stimmten, das Raumschiff und alle Trekkibegriffe waren da, Vulkanier, Klingonen, Romulaner, alle hatten ihren Platz in diesem Film gefunden und ich saß da und grübelte. Meine Madame wollte von mir wissen, wie ich denn nun den Film fand und ich sagte: „Ich weiß es nicht.“ Erst Monate später nach der DVD-Auswertung war ich mit dem ersten Star Trek Film im Reinen.

Mit dem aktuellen Film geht es mir ganz ähnlich. Wieder stellte ich mir nach der Vorstellung die Frage, ob dies noch Star Trek ist und just drei Wochen danach kam ich nun zu dem Schluss und zitiere mal einen Arbeitskollegen von mir, der mit Star Trek wenig am Hut hat: „Es ist ein toller Science-Ficton-Film, aber kein Star Trek.“ Wie komme ich zu diesem Ergebnis? Hierfür werde ich wohl noch länger brauchen, als für die nun endende Einleitung, aber es geht auch mit einem einzigen Satz: Es kam kein Star Trek Feeling bei mir auf.

Die ersten Szenen flimmerten über die Leinwand und überzeugten mit fantasievollen Bildern. Kirk und Pille rennen durch die malerische Landschaft eines fremden Planeten verfolgt von einer indigenen Spezies während Spock in einer waghalsigen Mission in einen brodelnden Vulkan springt um diesen vor einem verheerenden Ausbruch zu stoppen. Dieser Einsatz läuft schief und der emotionslose Vulkanier bleibt im Vulkan stecken. (Erst jetzt beim Schreiben fällt mir diese Albernheit auf.) Kirk steckt nun in der Misere. Rettet er seinen Kameraden oder beachtet er die erste Direktive. Jeglicher Einfluss auf eine noch nicht warpfähige Spezies ist verboten. Der noch junge Captain entscheidet sich für eine Rettungsaktion, gegen die Vorschriften der Sternenflotte, zeigt dem noch rückständigen Volk ein Ufo namens Enterprise und holt Spock gerade noch rechtzeitig aus der Feuersbrunst. Das ist Star Trek. Das ist Kirk. Alle Grundthemen sind vorhanden und ich sitze gebannt mit einem Lächeln in meinem Kinosessel und frage mich wie es nach dieser grandiosen Einleitung nun weitergeht. Die indigene Spezies hat ein neues Symbol zum Anbeten und es erfolgt eine Überblendung zur Enterprise, die mit einem gelungenen neuen Warpeffekt davonfliegt.

Schnitt und mein Wecker klingelt. Mist ich wusste es. Das konnte nur ein Traum gewesen sein.

Denkste. Der Wecker auf der Leinwand hat verdammt nochmal den gleichen Klingelton wie meiner. Dann kam eine der wohl für Star Trek untypischsten Szenen überhaupt, aber sie war so toll, so beeindruckend und so nah an der heutigen Realität und doch so amerikanisch. Ein junger Vater kümmert sich mit voller Hingabe um seine schwerkranke Tochter und bekommt von Herrn Cumberbatch ein Angebot, welches er nicht ablehnen kann. Heilung seiner Tochter, doch die Gegenleistung erfahren wir erst später. Warum die Szenen in London spielen ist mir erst schleierhaft, doch im Laufe des Films geht mir hierzu ein Licht auf. Hätte ich den Film im Originalton gesehen, dann wäre das sicher noch klarer gewesen, denn Cumberbatch sowie Noel Clarke sind Briten und haben sicher mit deutlichen Akzent gesprochen, welcher bei der Synchronisation verloren geht, wobei die beiden jeweils nur einen Satz gesprochen haben. Die Szene ist extrem ruhig, mit einer traurigen Klaviermelodie und ein paar Geigenanstrichen unterlegt. Noel Clarke dürfte den Nerds unter euch als Mickey Smith aus Dr. Who bekannt vorkommen, der hier eine solide schauspielerische Leistung darbietet. Man kann der traurig gucken.

Schnitt. Beastie Boys Sound, also muss Kirk nicht weit weg sein. Wieso eigentlich Kirk und Beastie Boys! Ich liebe die Jungs, aber irgendwie will mir diese Verbindung nicht passen. Soll somit der Rebell in Kirk untermauert werden? Egal. Kirk schreckt aus seinem Bett hoch. Hinter ihm ein beeindruckendes Stadtpanorama und ein Mädel und dann noch ein Mädel kriechen aus seinem Bett und katzenartige Schwänze haben die auch noch. Kitschig, aber irgendwie nach meinem Geschmack.   
Doch jetzt kam etwas Verstörendes und ich zweifelte daran im richtigen Film zu sitzen. Die Uniformen! Was sollte denn das bitte? Diesen Gedanken konnte ich während des gesamten Films nicht abwimmeln, denn er wurde immer wieder bestätigt und gipfelte dann am Ende in einer Parade von Starship Trooper Uniformen, die eigentlich denen der Waffen-SS entliehen sind. Spock und Kirk gehen zu Admiral Pike um sich eine Standpauke sowie Degradierung abzuholen, weil sie in die Entwicklung eines Planeten und der darauf lebenden indigenen eingegriffen haben und dazu noch von Kirk ein nicht wahrheitsgetreuer Bericht im Gegensatz zu Spock abgeliefert wurde. Kirk verliert sein Kommando über die Enterprise und wird suspendiert.

Wieder zurück in London. Der Archivmitarbeiter gibt seiner Tochter eine Infusion geht zu seinem Arbeitsplatz und zündet eine Bombe. Ein Archiv in London wird dem Erdboden gleichgemacht. Boa, war ich hin und weg. Was für ein Umbruch. Ein Attentat auf der Erde, ein Selbstmordattentat in Star Trek! Schon schließt sich der Kreis, denn in der Star Trek Enterprise Serie gab es ähnliche Szene, wenn nicht sogar identisch mit demselben Grund. Dazu später mehr, nur behaltet es im Hinterkopf!

Ab diesem Zeitpunkt nimmt der Film so richtig Fahrt auf und beginnt sich zu verzetteln. Pike erhält das Kommando über die Enterprise und holt (mal wieder) Kirk aus einer Bar ab. Er soll sein erster Offizier werden. Die Führung der Sternenflotte wird zu einer Sondersitzung einberufen um die Lage nach dem Attentat in London zu besprechen. Kirk erkennt in letzter Sekunde die Falle, doch Cumberbatch alias John Harrison kann einen Teil der Spitze, darunter auch Admiral Pike in einem hinterhältigen Angriff töten. Eine wirklich actiongeladene Szene, bei der ich trotzdem eher Star Wars als Star Trek vor mir sehe. Harrison beamt sich mittels eines mobilen Transporters nach Qo`noS, dem klingonischen Heimatplaneten und Kirk erfährt von Admiral „Robocop“ Marcus, dass dieser ein Agent von Section 31 ist.

Bäm. Man bin ich gut. Man freue ich mich Zeugen zu haben. Seit dem ersten Trailer prophezeite ich die Beteiligung von Section 31. Allen Trekkis war sicher ein verschmitztes Lächeln übers Gesicht gehuscht. Eine kleine Erläuterung für den Rest. Section 31 wurde bei Star Trek Deep Space Nine erstmalig eingeführt. Es ist eine geheime Organisation, welche seit Gründung der Sternenflotte bestehen soll. Sie agiert unabhängig von der Sternenflotte und führt Aktionen vermeintlich zu Gunsten dieser aus. Dabei handelt sie meist unmoralisch mittels Spionage, Attentate etc. Bei der Serie Enterprise wurde diese Thematik gegen Ende nochmals kurz aufgegriffen und hätte sicherlich noch eine bedeutendere Rolle in den nie entstandenen Staffeln bekommen. Ich persönlich fand die Folgen mit dem Geheimdienst immer sehr gelungen, denn es brachte die dreckige Seite hinter dem Sauberimage von Star Trek zum Vorschein. Hier hatten die Autoren von Deep Space Nine eine grandiose Idee.

Der Admiral hat noch ein geheimes Waffenprogramm mit Langstreckentorpedos in der Hinterhand, mit denen man die unbewohnte Region, in welcher sich Harrison auf der klingonischen Heimatwelt versteckt flächendeckend bombardieren und somit hinrichten will. Nur findet es Scotty nicht in Ordnung zu wissen wie diese aufgebaut sind, will sie nicht an Bord lassen und als ihm dies von Kirk befohlen wird quittiert er den Dienst. Scotty hat wieder witzige Szenen auf den Leib geschrieben bekommen. Ich muss hier am Rande erwähnen, dass mir Simon Pegg von allen Darsteller immer wieder als beste Besetzung auffällt, während Zachary Quinto mir immer mehr wie eine Fehlbesetzung vorkommt. Hier hat es meine Freundin auf den Punkt gebracht: „Er bewegt seine Augenbrauen nicht so schön wie Leonard Nimoy!“ und genau das ist es. Mimiklos bleibt belanglos, bleibt unnahbar, bleibt nicht im Gedächtnis.

Die Enterprise strandet durch ein mysteriösen Fehler und macht sich mit dem Schiff von Mudd auf dem Weg nach Qo`noS, denn Kirk ist nach der Ansprache von Spock in Bezug auf Moral und Ethik einer Hinrichtung ohne Gerichtsverfahren zur Besinnung gekommen und will nun den Attentäter einfangen. Das ist wieder Star Trek. Zurzeit wird die Thematik um Drohnenangriffe zur Hinrichtung potenzieller oder auch bewiesener Maßen bekannter Terroristen heiß diskutiert. Der Film trifft also wieder den Zahn der Zeit. Das ist Star Trek wie ich es mag, wie ich es kenne, wie es sein muss. Kritik zum richtigen Zeitpunkt. Themen wie Klonen oder mechanische Körpererweiterungen oder auch Veränderung des genetischen Materials zur Verbesserung der Fähigkeiten sind bereits elementare Bestandteile von Star Trek gewesen, bevor dies überhaupt technisch möglich war, zu einem Zeitpunkt als Wissenschaftler darüber nur philosophierten. Gleich dazu mehr.

Für den Star Trek Fan war die Erwähnung von Mudds Schiff sicherlich ein schöner Gimmick, für den Leser des Prequelcomics die scheinbar einzige Verknüpfung des Comics zum Film und die Verknüpfung zu einem Anblick der einen Trekki verstört zurückgelassen hat. Mudd ist im Comic Countdown to Darkness eine attraktive, blonde Frau und nicht ein fetter, schnauzertragender Schwätzer. Fail hoch 3. Alternative Zeitlinie hin oder her, aber das soll mir einer mal erklären, denn Mudd ist deutlich älter als Kirk und somit vor der temporalen Anomalie geboren. Nun ja, das mag jetzt absolut nerdig klingen, aber es ist mir extrem aufgestoßen. Zum Comic komme ich später aber noch.


Kirk, Spock und Uhura fliegen gemeinsam in dem waffenlosen Schiff als Schmuggler getarnt in Richtung Harrisons Versteck, werden von den (warum auch immer) maskentragenden Klingonen abgefangen, es kommt zum Gefecht und Harrison macht die erfahrende Kriegerrasse mit übermenschenlichen Kräften platt und ergibt sich Kirk.

Nerdfakt/-frage am Rande: Soll dieser zerbröckelte Mond Praxis aus Teil 6 „Das unentdeckte Land“ sein? Wenn ja, dann habe ich wieder ein Verständisproblem, denn als der Mond explodierte war Kirk kurz vor der Pensionierung!

So dann komme ich nun zu dem Spoiler der keiner ist. Benedict Cumberbatch alias John Harrison ist Khan. Mit den ersten Castinggerüchten um Benicio del Toro war jedem Star Trek Fan klar wer der Bösewicht im zweiten Star Trek Film aus J.J. Abrams Hand sein soll. Der zweite Film von 1982 nahm bereits die Figur aus der originalen TV Serie als Gegner und „Der Zorn des Khan“ gilt in der Fangemeinde als einer der besten Kinofilme der Star Trek Reihe. Ricardo Montalban nahm damals seine Rolle aus der Folge „Der schlafende Tiger“ wieder auf und auch damals hatten die Produzenten mit einem Gerücht zu kämpfen, dass sie mit jeglichen Dementierungen nicht ausmerzen konnten: dem Tod von Spock. Heute im Zeitalter des Internets nahmen die Diskussionen weltweit ihren Lauf und waren eigentlich nicht zu stoppen, bis plötzlich Cumberbatch als Gegner bekanntgegeben wurde. Seine Rolle wurde mit John Harrison betitelt und die Fangemeinde, mich eingeschlossen stagnierte vor sich hin. Erst wurden alle Figuren namens Harrison durchforstet, doch so richtig wollte bei keinem Gerücht der Funke überspringen. Auch Cumberbatch als Khan wollte nicht überzeugen, denn seien wir ehrlich, viel Ähnlichkeit besteht zwischen dem Scherlock und dem Mexikaner nicht. Über Cumberbatch will ich an dieser Stelle jedoch nicht meckern, denn seine Leistung war einem Khan würdig, nur seine Inszenierung im Drehbuch unterirdisch.
Achtung Iron Man 3 Spoiler! Ein Khan wird als Handlanger missbraucht. So einen Kniff gab es erst kürzlich mit dem Mandarin.

Khan wurde also von Admiral Marcus wiedererweckt, nachdem er und seine Crew treibend, eingefroren auf der Botany Bay aufgefunden wurde. Marcus erpresst Khan mit den restlichen noch in seiner Hand befindenden genetisch verbesserten, zum Tode verurteilten Kriegstreibern aus dem Ende des 20.Jahrhunderts und dann wird es unlogisch. Khan hat seine Crew in die Langstreckentorpedos gepackt und wollte sie dann von der Enterprise auf Qo`noS schießen lassen. Wieso hat er sie nicht bereits auf der Erde aufgetaut und wie hatte er Zugriff auf die kryogenen Kapseln.

Hier begann der Film für mich nicht nur zu schwächeln, sondern neben unlogischen Handlungssträngen kamen dann auch noch eine Kanonade von Höhepunkten, die mich an das „The Dark Knight“ Rises Desaster erinnerte. Eine Flut von Actionszenen wurde nun aneinandergereiht und es wollte und wollte nicht aufhören. Keine der präsentierten Szenen war für mich neu. Alles zusammengeklaubt aus jeglichen Actionfilmen der letzten Kinojahrzehnte und es kam wie es kommen musste: die Sterbeszene, nur dieses Mal umgedreht. Nicht Spock war der selbstlose Retter, der nun verstrahlt dahinsiecht sondern der Captain selber. Der Höhepunkt des filmischen Unglücks war dann auch noch die Heulattacke von Spock. Grauenhaft. Mit der Liebesgeschichte konnte ich mich abfinden, ich finde die Beziehung zwischen Uhura und Spock sogar gelungen, denn so etwas fehlte in der TV Serie. Liebesgeschichten waren sonst (fast) nur Kirk vorbehalten. Ein heulender Spock wird im Film genauso wenig erklärt wie die Figur Khan. Wie bereits im ersten Teil wird der Bösewicht nur unzulänglich im Film erklärt. Bei Khan ist man wohl davon ausgegangen, dass jeder Zuschauer den originalen Film kennen würde und daher die Nennung des Namens reichen würde, doch Gespräche mit Freunden und Arbeitskollegen ergaben ein anderes Bild. Sie alle haben die von Cumberbatch gespielte Figur nicht nachvollziehen können. Für sie war er eine Marionette, die sich plötzlich selbstständig gemacht hat. Warum? Wissen sie nicht.

Der Prequelcomicreihe „Countdown to Darkness“ von IDW (in Deutschland bei Cross Cult als Sonderband erschienen“ sowie auch der erste Sequelcomic „After Darkness“ im aktuellen US-Heft Nr. 21 der Ongoing bringen keine weiteren Fakten zu Khan, jedoch mehr Hintergrundinfos zu den Klingonen und dem Konflikt mit der Sternenflotte. Im Sequelcomic treffen Kirk und Co. auf Robert April, einen ehemaligen, als vermisst geltenden Starfleet Captain, der sich hier in einem Konflikt zweier Alienrassen einmischt. Die eine Seite wird von den Klingonen unterstützt und April hilft der anderen Rasse mit Unterstützung seitens der Schmugglerin Mudd. Bis auf die reine Erwähnung der Klingonen und Mudds Schiff ergibt sich zwischen Prequelcomic und Kinofilm kein wirklicher Zusammenhang. Erst das Heft „After Darkness“ offenbart den Zusammenhang. April wurde von Admiral Marcus angestiftet, damit sich Widerstand gegen die Klingonen bildet und das Heft wirft zusätzlich einen neuen Handlungsstrang auf: Section 31 ist auf Romulus und will anscheinend den Rat zur Einmischung in den Konflikt animieren. Das erste Heft der dreiteiligen Reihe bietet aber noch eine Erklärung für Spocks ungewöhnlich emotionales Verhalten im Film. Er befindet sich im Pon Far, eine regelmäßig wiederkehrende, hormonelle Störung bei Vulkaniern. Die Insider wissen wovon ich spreche. Jedenfalls bietet „Countdown to Darkness und „After Darkness“ eine für mich notwendige Erweiterung der Story, ohne die der Film an sich bei mir vollkommen durchgefallen wäre.

Wenn es so gewollt ist, dann Gratulation für den Versuch das Medium Comic zu unterstützen. Wenn nicht, dann werden wir wohl die nächste Sünde bei Star Wars erleben. Ob J.J. Abrams einen schlechteren Film als Episode 1 hinlegen wird wage ich zu bezweifeln, doch alles ist möglich, selbst einen gestandenen Charakter wie Khan zu zerstören.

Was ist also mein Fazit?
Ein unterhaltsamer Science-Fiction-Film, in welchem die Figuren zufällig Star Trek Namen tragen und phasenweise sogar Star Trek Feeling aufkommen will, welches phaserweise wieder aus der Erinnerung geschossen wird. Der Film wird jedenfalls seinem Titel gerecht: ein dunkles Star Trek Zeitalter für den Trekki beginnt.           

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