Dienstag, 30. April 2013

Gedankensplitter #1 - Pressevorführungen




Pressevorführungen haben immer ihr eigenes Flair. Als erstes, äußerst wichtiges Merkmal ist das Gefühl zu benennen sich irgendwie privilegiert zu fühlen. Ich habe Iron Man 3 früher als das gemeine Volk gesehen, dafür jedoch um 10 Uhr morgens an einem Wochentag, an einem Urlaubstag. Aber hey, dass liegt voll in meinem Tagesrhythmus. Ich bin sonst gegen 6.30 Uhr auf Arbeit und beginne mit dieser so circa gegen 10 Uhr. Ich bin also in meinem Arbeitshoch. Die Leistungskurve geht gerade nach oben.
10 Uhr morgens ist tatsächlich eine komische Zeit um ins Kino zu gehen. Ich habe gerade gefrühstückt und mir zwei Kaffee im Eiltempo reingedrückt. Potsdamer Platz, Sony Center. Mit dem Bus von Haustür zu Haustür. Mich könnte es schlechter treffen. Angekommen. Wieder ein Kaffee, dieses Mal auf Kosten des Hauses (oder des Verleihers – wen interessierts), dazu eine Cola vom Coca-Konkurrenten für die Filmvorführung.

Eine wichtige Randnotiz: kein Popcorn!

Wie Kino ohne Popcorn sein kann, kenne ich nur von Pressevorführungen. Wieso bin ich an dieser Stelle immer zu geizig? Ich bekomme einen Film vor dem gemeinen Volk für lau, dazu Pepsi und Kaffee, aber für erhitzten Mais habe ich keine Kohle übrig… Seltsam. Diese Frage stelle ich mir immer kurz vor der Ansage des vom Verleiher beauftragten Praktikanten. Vor dessen Auftritt lausche ich im Kinosaal dem Dröhnen. Es ist ein Dröhnen, denn die Busfahrt Richtung Potsdamer Platz ist um diese Uhrzeit und aus meiner Richtung gewöhnlich ruhig. Die Schlipsträger sind auf ihrem Weg ins Büro und die Mandys und Cindys auf dem Weg zu ihrem Verkäuferjob zu H&M und Co. Sie haben jeweils noch genug Worte zu verlieren und checken gerade bei Facebook die nächtlichen Statusupdates ihrer Studentenfreunde.

Die Diskussionen unter den Journalisten und die, die es gerne sein würden, man nennt sie auch Blogger (wie meines geleichen), nehmen jedes Mal interessante bis bizarre Ausmaße an. „Sollte man für die deutsche Presse eine Pressevorführung im Originalton oder in der für das gemeine Volk fabrizierten Synchronisation veranstalten? Ist dies überhaupt eine Diskussion in Dolby Surround wert? Ich kann einigen Argumenten von für und wider folgen, doch einen Lösungsvorschlag habe ich nicht parat.

Es erinnert mich stark an Warren Ellis Fragen in Iron Man Extremis: „Ist man Terrorist, wenn man sich gegen das bestehende System wehrt?“ oder „Kann die Waffenforschung auch gutes hervorbringen?“

Originalton oder Synchronisation ist wahrscheinlich ein Thema für eine Doktorarbeit und neue Fragen tun sich in mir auf: „Wieso habe ich Sofa gelernt und BWL studiert?“ Fragen, die sich dann doch einfacher beantworten ließen, als ich dachte. Ich wollte meine Miete und meinen Comickonsum bezahlen können. Mit jeder Pressevorführung wird mir klarer, dass nicht nur dieselben „Kritiker“ im Publikum sitzen, sondern ich immer wieder zur Minderheit gehöre: Ich bin jemand der sich tatsächlich für Comics interessiert!
Der Vorspann läuft, das Marvel-Logo zieht über die Leinwand und ich schaue in das anwesende Kritikerpublikum. Mittlerweile dürfte jedem klar sein, dass der Film nach dem Vorspann enden wird. Innerlich schließe ich mit mir selbst Wetten ab wer vor der letzten Szene geht.

Favorit Nr: 1 hatte bereits vorher lautstark sein Ausscheiden aus terminlichen Gründen angezeigt. Man ja auch nicht damit rechnen, dass der Film 130 Minuten gehen würde, stand ja auch nicht in der Einladung. Mehr als 90 Minuten kann doch der gewöhnlichen Kinogänger überhaupt nicht still sitzen. Was sind das für Produzenten? Denken die nicht an die durchschnittliche Aufmerksamkeitsspanne des Hart-IV-TV geprägten, werbepausenbedürftigen Durchschnittsbürgers mit Durchschnittsblase? Es ist doch eine Comicverfilmung! Soetwas schauen doch sowieso nur Comicleser? Gebildete Graphic Novel Leser ohne Harndrang und mit einer Aufmerksamkeitsspanne für eine Faustvorlesung am Stück können die mit Iron Man nicht hinter ihrem Kachelofen aus dem Prenzlauer Berg hervorlocken.

Ich habe vor Filmbeginn noch eine Iron Man Graphic Novel von Panini gelesen, meine drei Kaffee zur Toilette gebracht und sehe mich nun vorbereitet auf 130 Minuten Iron Man 3.
Fortsetzung folgt (mit der Review von Iron Man 3).

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