Donnerstag, 28. Februar 2013

Comicreview: Batman Inc #8



Achtung Spoilergefahr! Wer das Ereignis der Comicwoche, vielleicht gar des Monats oder für eine ziemliche lange Zeit im Batman Universum bisher noch nicht mitbekommen hat und spoilerfrei bleiben möchte, der darf jetzt einfach woanders surfen, jeder andere drückt jetzt auf
Das Rotkehlchen ist tot, es lebe das Rotkehlchen
In der aktuellen Ausgabe von Batman Incorporated stirbt Robin The Boy Wonder, mal wieder. Bereits 1988 ließ DC per Telefon-Voting den zweiten Robin Jason Todd über die Klinge springen. Die Storyline „A Death in The Family“ hatte über bis zum heutigen Tag erheblichen Einfluss auf die charakterliche Entwicklung des Batman.

Batman Incorporated ist wohl momentan Grant Morrisons Lieblingsbaby und bedurfte scheinbar größerer Aufmerksamkeit. Mit knapp 50.000 verkauften Heften im Januar dümpelt die Reihe auf Platz 36 der Verkaufscharts (Quelle: comichron) und ist damit aktuell eine der schlechtverkäuflichsten Batman Comics. Ich selbst las den ersten Run und die ersten paar Hefte der aktuellen Serie. Schnell musste ich feststellen, dass ein gutes Konzept mangelhaft umgesetzt wurde und die Zeichnungen weit unter Durchschnittsniveau lagen. Ich, der (fast) Komplettsammler von Batman Comics, stieg aus der Reihe aus und ließ sie links liegen. So ähnlich werden es wohl viele Leser getan haben. Die Idee hinter einem Batman Franchise Unternehmen ist eigentlich gar nicht schlecht. Weltweite Koordination der Verbrechensbekämpfung unter der Führung von Batman mit dem finanziellen Hintergrund von Wayne Corp, aber die Storys hatten mich nie mitgerissen und gerade dem Artwork fehlte es an Tiefe, Kreativität und alles wirkte irgendwie lieblos auf mich. Schnell wurde mir klar, dass ich mein Geld besser anlegen könnte.

Zu den Todesumständen im Comic bleibt mir nur die Anmerkung, dass Grant Morrison wohl seinen kreativen Höhepunkt weit überschritten hat. Es fehlt der Ausgabe an Dramatik, an Tragödie und die Panelzusammenstellung am Schluß könnte von einem Neuling stammen. So läßt man keine für das aktuelle DCU wichtige Figur abtreten. Da hat auch nicht die Anspielung auf Jason Todds Tod geholfen. Zum Robin Damian Wayne bleibt mir eigentlich nur der Eindruck aus der Batman & Robin Reihe von Peter J. Tomasi. Der Junge wurde von seiner Mutter Talia al Ghul zum Killer trainiert und emotional abgestumpft. Im Team-up mit Dick Grayson als Batman und Damian als Robin hat die Figur sehr gut funktioniert, doch nach der Rückkehr von Bruce Wayne bzw. dem Neustart der Reihe im Rahmen des New 52 Relaunches verlor der Charakter bei mir an Sympathie, wobei dies nicht an ihm selbst lag, sondern eher an dem Übervaterverhalten von Bruce. Das hat genervt. Selbstverständlich macht sich ein Vater Sorgen um sein Kind, aber dann nimmt man ihn gefälligst nicht mit auf Verbrecherjagd. 

Auf der anderen Seite war Damian skrupellos, brutal und hat im Zweikampf durchgezogen. Pluspunkt für ihn, mehrfacher Minuspunkt für Batman, denn er sah neben Robin wie ein Chorknabe aus. Von wegen dunkler Rächer. Denkste. Nee, man las immer nur „Stopp jetzt Robin“, „nicht so doll Robin“, „So machen wir das aber nicht Robin“…. Bullschitt!


In der Batman & Robin Reihe stand das Rotkehlchen auch schon kurz vor dem Abgrund und ich war überzeugt, dass im Rahmen des kürzlich geendeten „Death oft he Family“ Crossovers Damian wohl das Zeitliche segnen wird. Auch hier musste ich mich eines Besseren belehren lassen.

Was kommt nun? Wir werden also wieder mal auf einen depressiven, niedergeschlagenen, selbstzweifelnden (… und noch ein paar emotionsgeladen Adjektive) Batman treffen. Quält er sich nicht bereits genug? Sind wir die Leser nicht auch schon genug gequält worden? Tomasis Serie bekommt jedenfalls eine partielle Umbenennung. Ausgabe #19 wird "Batman and Red Robin" heissen und #20 "Batman and Red Hood".

Der Platz als Sidekick von Batman ist nun frei geworden und die bisherigen Robins werden wohl kaum kandidieren. Dick Grayson hat schon mal als Batman und als Nightwing an der absoluten Selbstständigkeit geschnuppert und er wahrlich nicht nötig sich in diese unliebsame, doch oft erdrückend wirkende Position zu bringen. Tim „Red Robin“ Drake macht ähnlich wie Grayson einen guten Job als Freelancer und ich wünsche der Figur eher Weiterentwicklung statt einen Rückschritt.

Wer bleibt dann noch? Wie wäre es denn mit Stephanie Brown? Höre ich da ein freudiges Jauchzen? setzt da Schnappatmung ein? Was denkt ihr wie es nun weitergeht oder verrät der Name al Ghul bereits alles?

Update:
Für Micomics habe ich das heft mal "durchgeblättert". Das Video findet ihr hier.


Kommentare:

  1. Morrison erzählte bereits vor geraumer Zeit/ einigen Jahren -!-, das er das Finale seiner "Batman Inc." (und damit natürlich auch das endgültige Schicksal der Charactere) "fertig im Kopf" habe...

    Die Story scheint also (im Gegensatz zu den meisten anderen DC NEW 52-Serien tatsächlich langfristig vorgeplant zu sein, und kein "Schnellschuß").

    Bruce Wayne / Batman als "Vater" mag als oneshot-Story oder Elseworlds- Story gut funktionieren, aber als eine Storyline die sich über Jahre -!- hinzog (und auch Auswirkungen auf diverse andere DC- / bzw. BAT-Serien hatte) fand ich das Konzept nicht sooo prickelnd (eher ermüdend und nervig).

    Außerdem war mir die Figur dieses ROBIN (Damien) durchweg unsympatisch - Wunderbar das diese Figur nun endlich weg vom Fenster ist!!

    (DC, das gleiche bitte jetzt noch mit einer anderen Figur, die ihr seit Eurem Neustart komplett verhunzt habt und seither absolut unsympatisch rüberkommt: "Supergirl" (erkenne Kara nicht mehr wieder; auch dargestellt als völlig verkorkstes und verzogenes Gör - Grauenhaft geschrieben! DC: bitte einstellen!)

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    1. Da kann ich dir nur wieder nahezu uneingeschränkt zustimmen. Damian funktioniert als Figur nicht. Morrison kann ja seine Geschichte weit im Voraus geplant haben, ändert aber nichts am der Tatsache, dass sie nicht mitreißt.

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