Sonntag, 17. Juni 2012

Comicreview: Die Toten #3 - Erlangen Nachlese #1


Der Zwerchfell Verlag brachte auf den Comic Salon den langersehnte dritten Band der Reihe „Die Toten“ in einem auf 111 Stück limitierten Vorabdruck mit. Das konnte ich mir natürlich nicht entgehen lassen und aus diesem Grund war der Stand 102 natürlich am Donnerstag mein erster Anlaufpunkt.
Ich hatte eigentlich um 12 Uhr einen Pressetermin zur Vorstellung von Steam Noir Band 2 von Felix Mertikat, jedoch machte mir ein stau kurz vor Erfurt ein Strich durch die Rechnung und ich kam zu spät. Also entschloss ich mich Punkt 2 auf meiner Liste als Erstes zu erledigen, denn Privates geht vor Beruflichem. Am Stand angekommen werde ich auch noch namentlich von Stefan Dinter begrüßt. Ich wusste nicht ob ich jetzt beeindruckt, geschmeichelt oder sonst etwas sein sollte. Ich war jedenfalls sprachlos. Etwas eingeschüchtert reichte ich dann mein Exemplar vom dritten Band herüber und bat etwas peinlich berührt um eine Signatur. Er schaute mich scharf an und fing an zu kritzeln. Erst nach einigen Strichen bemerkte ich, dass er mich eigentlich fokussierte und daraufhin portraitierte. Schaut was aus Tiberius für ein schöner Zombie geworden ist. Danke Stefan.

Dann komme ich mal zur Review. Wieder im Hardcover edel gebunden ist diese Ausgabe ein schönes Exemplar für das Regal und über Druckqualität, Bindung bis zur gesamten Aufmachung kann man wie bei den vorherigen Bänden nichts bemängeln. Der dritte Band mit dem Titel „25.10.-17.11.2009“ enthält drei voneinander unabhängige Geschichten unterschiedlicher Autoren, Zeichner und besonders auffällig drei unterschiedliche Zeichenstile. Gerade diese Erzählweise macht die Reihe aus. Keiner der Autoren muss sich lange an Figuren binden, alles kann passieren, denn sie präsentieren eine Art Tagebuch zum Ablauf einer Zombieseuche in Deutschland.

Die erste Geschichte“19.10.2009 Schwarzwald“ ist von Dietmar Dath geschrieben und wurde von Christopher Tauber zeichnerisch zu Papier gebracht. Stephan Dinter setzte die Tinte darauf und überließ die Kolorierung Till Mantel. Also durchweg eine Gemeinschaftsarbeit, welche ab der ersten Seite viel Spaß beim Lesen bereitet. Der Leser begleitet eine junge Familie um den Germanisten Richard, der Bassistin Klara und der Tochter Kitty auf dem Weg zu einem sicheren Zufluchtsort. Klaras Schwester Sophie ist Psychotherapeuten mit etwas unorthodoxen Methoden und hat einen Millionär als Patienten. Sie ist dort eingezogen und hat ihrer Schwester eine sichere Unterkunft angeboten. Angekommen stellt sich die Villa als eine befestigte Burg heraus, doch irgendetwas stimmt dort nicht.

Es ist eine gelungene Kurzgeschichte mit einem erfrischend modernen Ehepaar. Beide haben einen ruppigen aber trotzdem liebevollen Umgang miteinander. Ihre Berufsbezeichnungen benutzen sie beispielsweise als neckische Beleidigung ohne sie wirklich ernst zu meinen. Die kleine Kitty hingegen schnappt alles auf und versucht es wiederzugeben bzw. zu verstehen und umzusetzen. Dietmar Dath hat es geschafft die heutigen Zeiten auf seine Figuren zu projizieren. Solche Paare laufen mir zuhauf über den Weg, jedoch zu selten bekomme ich das in Literatur und anderen Medien wiedergespiegelt. Teils sind die Dialoge etwas holprig, was sicherlich dem für den als Journalisten und Autor tätigen Dath noch unbetretenen Medium des Comics liegen mag. An den Zeichnungen von Tauber und Dinter sowie der farblichen Gestaltung von Mantel gibt es meinerseits keine Kritik. Die drei Künstler verstehen ihr Handwerk und schaffen es mit jedem Panel die Notwendige Botschaft an den Leser zu bringen. An einigen Stellen hätte ich mir etwas mehr Detailverliebtheit gerade bei den Gesichtern der Protagonisten gewünscht. Das wäre dann das Sahnehäubchen gewesen.
Die Toten 3 - Schwarzwald
Bei dem folgenden Video kann man übrigens Stefan Dinter beim Tuschen eines Panels beobachten. Es ist zufällig auch noch eines der besten Bilder aus der ersten Geschichte.

Watch live streaming video from dinterillustration at livestream.com


 Die zweite Geschichte spielt am „12.10.2009 in Leipzig“ und wurde von Barbara Kirchner geschrieben sowie von Marc Ewert gestaltet. Ich muss gleich anfänglich zugegeben, dass mir der Zeichenstil von Ewert nicht liegt. Kunst liegt im Auge des Betrachters und mir tut das Auge dabei weh. Herr Ewert darf mir das nicht übel nehmen. Jeder soll sich von seinem Können seine eigene Meinung bilden und ich werde keineswegs hierüber mich kritisch äußern, denn es ist in diesem Fall eindeutig Geschmackssache, vielleicht sogar Stimmungsabhängig, denn bei seinem Comic Clash Beitrag für das Magazin Herrensahne habe ich nur lobende Worte für ihn übrig gehabt, Farbsetzung, Panelgestaltung  und -anordnung sind kreativ, nahezu form- und regellos. Man merkt deutlich die Fähigkeiten des Zeichners die von Kirchner erzählte Geschichte bildlich umzusetzen. Leider wird bei zu vielen Panels auf eine Hintergrundgestaltung und oft nur lapidar angedeutet, was den Leser zu flüchtigen Lesen verleitet. Er kann in die Geschichte nicht eintauchen, denn er springt dadurch von Panel zu Panel ohne den Inhalt aufzusaugen, darüber nachzudenken, gar die Geschichte zwischen den Panels weiterzuspinnen.
Die Toten 3 - Leipzig (Fakeseite von Marc Ewert - so nicht im Band enthalten)
Worum geht es eigentlich in der Geschichte von Barbara Kirchner. Zwei junge Menschen wachen mit einem totalen Blackout auf. Sie wissen nicht wo und wer sie sind. Der Ort lässt sich schnell herausfinden. Sie sind in einem Forschungslabor und draußen toben Zombies umher. Scheinbar sicher vor den Untoten durchsuchen sie die Anlage und suchen nach Indizien und finden Ampullen mit einer Flüssigkeit, welche sie sich offenbar gespritzt haben. Ist es ein Heilmittel gegen die Zombieseuche?

Die Geschichte ist stimmig und hier habe ich wenig bis nichts zu meckern. Ein typischer Handlungsort, eine typische Story. Soweit so gut. Aufwachende Überlebende kennen wir, dass diese auch noch unter einem Gedächtnisverlust leiden ist mir jedenfalls ein neuer Kniff. Es treibt die Handlung voran, lässt den Leser im Unklaren und bietet ihm hierüber genug Stoff zum Nachdenken. Leider lassen die Zeichnungen von Ewert wie bereits erwähnt dem Betrachter hierfür irgendwie nicht die Zeit. Die Handlung kann überraschen und endet mit einer kleinen Pointe. Insgesamt leider durchschnittliche Kost, wobei mein Maßstab bei „Die Toten“ außergewöhnlich hoch ist und wahrscheinlich mit jeder Ausgabe immer schwerer zu befriedigen sein wird.
   
Die dritte Geschichte ist bereits im Special 2 zum Comicfestival in München erschienen und das hatte ich bereits rezensiert (hier nachzulesen). Ein geniale Geschichte, böse, zynisch und grafisch extrem hochwertig. Davon bitte mehr.
Die Toten 3 - Stuttgart
Soweit ich mitbekommen habe sind nicht alle 111 Ausgaben beim Comic Salon in Erlangen über den Standtisch gegangen. Also nervt mal den Zwerchfell Verlag und eventuell könnt ihr noch eines der Vorabexemplare ergattern. Ich bin jedenfalls wieder mal glücklich und stelle mir nur eine Frage: Wann kommt endlich Band 4?!!?!!?

Die Toten Band 3 erscheint beim Zwerchfell Verlag im Hardcover für EUR 15,00

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