Samstag, 2. Juni 2012

Comic Clash #7 – Der Sinn des Lebens – Epidermophytie


Sie sind die Herausforderer zusammen mit Mogo Mobo (Rezension hier) für den Comic Clash 2012, es ist ihre siebzehnte Ausgabe, Preis: läppische 5 Euro und das Cover hat Sonne, Strand, Palmen, Süßigkeiten, Fußball, einen Hund und ein Skelett vereint. Was will man mehr? So einfach kommt mir dieses Comic Magazin aber nicht davon, denn nur die inneren Werte zählen. Eine Übersicht zu den bisher rezensierten Heftchen im Battle um das beste Comicmagazin findet ihr wie immer hier.


Schon beim ersten durchblättern kommt Nerd 2.0 auf seine Kosten. Schwarz/weiß und von Pseudokunst keine Spur. Hier scheinen wirkliche Geschichten abgedruckt zu sein und ich tatsächlich etwas zu lesen zu bekommen.

Die erste Kurzgeschichte stammt von Fourbaux und ist stark mit den Beatles verbandelt. „Dr. BOB und Der Sinn des Lebens“ handelt von einem Roboter, der die Frage aller Frage stellt. Mittels Rauchutensilien nimmt er Kontakt mit John Lennon und George Harrison auf und erfährt, dass die Antwort auf dem 9. Album der 3. Song ist. Lasst euch überraschen, diese Antwort auf den Sinn des Lebens haut euch vom Hocker. Auf zwei Seiten mit recht einfachen, markanten Zeichnungen schafft Fourbaux eine kleine Geschichte mit Witz und Aussage. Kurz, knackig, einprägsam…so kann es bei dieser Comic Clash Ausgabe ruhig weitergehen.

Annika Huskamp legt mit „Apollo 11“ einen Comic ohne Worte vor. Sie verlässt sich ausschließlich auf die Bildsprache, was an einigen Stellen zu Missverständnissen führen kann. Ich habe nicht jedes Panel vollständig interpretieren können, aber hier mein Eingeständnis: ich habe damit im Clash bereits öfter so meine Probleme gehabt. Insgesamt blieb bei mir ein positiver Eindruck bei dieser Geschichte zurück nur fehlte mir ein gradliniger Stil. Die Qualität und die Machart der Zeichnungen schwanken. Mir kommt es so vor, als Huskamp zum Redaktionsschluss noch nicht richtig fertig mit ihrem Comic war. Einige Panels sind wie Vorzeichnungen, während andere getuscht und bis in letzte Detail gestaltet sind.

Die nächste Geschichte stammt aus der Feder von Tim Schintlholzer und wurde von Rolf Noelte gezeichnet. „Utz`Apaw“ ist ein Mix aus Indiana Jones und Erich von Daeniken (wobei das nach dem 4 Film jetzt keine wirklich neue Kombination ist). Professor Sanktenheim wird von einer Kollegin in den mittelamerikanischen Jungle gerufen um ihre Entdeckung zu begutachten. Es beginnt eine beschwerliche Reise durch das Dickicht des Urwaldes und am Ende erreichen sie eine bisher unbekannte Maya Stadt. Beeindruckende Pyramiden werden durch tiefe labyrinthähnliche Gänge ergänzt. In den Tiefen einer Kultstätte sind die Forscher auf Utz`Apaw gestoßen, dem Sinn des Lebens und der Professor versteht endlich, das das Ende auch der Anfang ist.

Es wird mir im Laufe des Clash mir wahrscheinlich noch öfters passieren, aber diese Geschichte finde ich bisher am besten. Sie ist rund, sie ist philosophisch, mystisch und sehr gut gezeichnet. Ich könnte mir dieses Comic auch sehr gut in Farbe vorstellen ohne das er dadurch an Wirkung und Aussage verliert, sondern ehr noch optisch interessanter wird. Schintlholzer und Noelte werden zwei Namen sein, die ich mir für du Zukunft merke und werde mich demnächst mal damit beschäftigen, was die Beiden noch so auf den Markt geworfen haben. Sicherlich bedienen die Künstler mit diesem Comic komplett mein Interessenfeld und mein Rezensionsmarathon ist zu 100% subjektiv, trotzdem und gerade deswegen 100 Punkte von meiner Seite, Sieger dieser Ausgabe bevor ich den Rest gelesen habe.

„Agnostische Spiele“ von Niko D. erinnert an Star Trek oder Futurama. Alienkinder über Menschen zu beeinflussen. Die Erdbevölkerung dient als Schulungsmaterial . Schöne Idee, jedoch weit entfernt vom Sinn des Lebens, was aber auch egal ist, denn ich wurde amüsiert, habe mich an den Zeichnungen erfreut und wird mir im Gedächtnis bleiben.

Aha hat mit „H.L. Sinnsucher“ eine sehr interessante Geschichte entworfen. Der Sinn des Lebens ist ein selbstständig agierendes Organ, ein Teil des Gehirns und kann sogar verpflanzt werden. Schnell ergibt sich daraus ein Geschäftsmodell und auch ein Schwarzmarkt. Hinzukommt, dass sich Sinne auch von ihrem Wirt befreien können und auf der Flucht sind. Hier kommt der Haase Horst Lamprecht ins Spiel. Der Rammler ist Privatdetektiv und sucht Sinne auf der Flucht. Wenn man die Geschichte ohne Bilder wiedergibt klingt sie etwas abgedroschen, aber das ist sie keineswegs. Sie ist im Grunde sehr faszinierend und erinnert an Fabeln gemixt mit Science Fiction Roman von Stanislaw Lem. Dazu kommt, dass der Comic sehr gut gezeichnet ist und jedes Wort eine Bedeutung hat. Kein sinnloses Gelaber, alles komplett auf den Punkt, alles mit einem gewissen Mehrwert und die Geschichte endet dann auch noch mit einer Pointe. Aha hat einen zwölfseitigen Comic zum Clash beigetragen und sicherlich wird er beim Voting der Einzelgeschichten weit vorne liegen, ansonsten fresse ich einen Besen und verzweifle am Geschmack der Jury und der anderen Teilnehmer und natürlich an dem Publikum.  

Felix Pestemer hat eine ziemlich abstruse Geschichte namens „Autopsie“ gezeichnet. Ich weiß sie nicht richtig zu greifen, zu interpretieren. Soll die Aussage sein, dass man ohne Hirn die besseren Ideen hat? Keine Ahnung was Pestemer dem Leser vermitteln möchte. Gut gezeichnet ist der Comic, verzichtet auf Einzelpanels und nutzt die gesamte Seite als eine Komposition, aber von der Geschichte her konnte mich nur der Schluss in Ansätzen überzeugen.

Etwas zum Basteln ist auch dabei. Hier hat Jacob Mebes mit „Stylosoph Dressup Paperdoll“ dem Leser was zum Ausschneiden beigelegt.

„Ebbe und Flut“ von Stèphane Hirlemann hat mich durch die Zeichnungen überrascht und Eindruck hinterlassen. Zeichnerisch extrem wertvoll, aber wieder von der Geschichte her habe ich mich nicht mitgenommen gefühlt. Wortlose Comics scheinen mir dann doch nicht zu liegen. Ich enthalte mich an dieser Stelle von einer kritischen Wertung, denn ich lerne gerade mich selbst und meine Lesegewohnheiten kennen. Subjektiv nicht mein Ding, obwohl optisch gefallen an dem Comic gefunden.

Hingegen ist der letzte Comic von Levin Kurio mit dem passenden Titel „Der Sinn ist…“ trotz des übermäßigen Text genau das Richtige für mich. Ein autobiographischer Blick in die Zukunft. Levin trifft auf Aha im hohen Alter auf dem Comicsalon in erlangen. Aha leidet unter Demenz und erkennt seinen alten Freund nicht wieder und Levin kann das ignorieren. Sie bzw. Levin erzählt von alten Zeiten, als Comics noch Hefte waren und wie er über seinen Beitrag zur 17. Ausgabe des Epidermophytie Heftes nachdachte und sich gegen Dinosaurier entschied. Schön rund, so mag ich das. Ein wirklich gutes Ende für dem Clash Beitrag.

Fazit
Kein Wunder das die Macher dieses Heftes den Mut haben zum Battle um das beste Comicmagazin aufzufordern. Die Jungs und Mädels verstehen ihr Handwerk. Überwiegend hochwertige Comickunst, schöne erzählerische Kniffe, insgesamt einer meiner Favoriten für den Sieg.

Hier findet ihr Epidermophytie auf Facebook und hier im Web.

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