Freitag, 1. Juni 2012

Comic Clash #6 – Der Sinn des Lebens – Herrensahne XII


Heute im Battle um das beste Comic Magazin habe ich mir mal das Heft, nein das Buch „Herrensahne“ vorgenommen. Was für ein Titel. Dieses Magazin kannte ich bisher nicht und würde allein wegen dem Titel immer außen vor bleiben. Der Comic Clash erfüllt also seinen Zweck. Es ist nicht nur ein reiner Wettbewerb, sondern die antretenden Hefte fördern sich gegenseitig. Sie machen sich bekannt, treten somit nicht nur gegeneinander an, sondern auch an eine breitere Öffentlichkeit, erreichen eine neue Leserschaft. Dann schauen wir mal was in diesem Büchlein so geboten wird. Eine Übersicht der bisherigen Rezensionen zum Comic Clash 2012 findet ihr hier.
Als erstes fällt das Format auf. Es ist ein recht dickes Buch im Softcover mit immerhin 116 farbigen Seiten, auf sehr robustem Papier gedruckt und komplett ohne Werbung. Das macht schon mal zwei extra Punkte von Nerd 2.0, weil ich hierfür meinen höchsten Respekt ausdrücken will bzw. muss.  Ein erstes durchblättern ergibt den Eindruck von Vielfältigkeit durch unterschiedliche Zeichenstile.

Roman Klonek startet den Comic mit „Karawane“. Mein erster Gedanke war doch sehr ernüchternd. „Was soll denn das jetzt? Versteh ich nicht! Was will er mir damit sagen? Okay ist bunt, schrill und handwerklich nicht schlecht gemacht, aber ich versteh es nicht! Soll das Symbolik sein?“ Ich habe den Comic mehrere Tage hintereinander angeschaut und versucht zu interpretieren, habe ihn Freunden gezeigt, habe sogar einen Typen in der S-Bahn angequatscht, der immer wieder versuchte in den Comic zu starren. Auch das Plenum hat kein Ergebnis gebracht, also solle niemand sagen ich hätte es nicht versucht. Sorry, aber Roman melde dich mal bei mir und erkläre es mir. Ich gebe in Erlangen auch einen Kaffee aus, denn ich bin neugierig und will es nun wissen.

Die zweite Geschichte mit dem Titel „Ramblin`Man“ von Tobi Dahmen fängt schon mal gut an, denn ich als Schallplattennerd vergebe selbstverständlich Pluspunkte für jegliche Darstellung des schwarzen Goldes. Sein Comic spielt auf zwei Zeitebenen (heute sowie die Steinzeit) und beschäftigt sich mit der Familie, der Vergänglichkeit des Lebens und hat das gewisse Etwas durch die Erzählweise über einen Songtext. Die Zeichnungen sowie die Grundidee finde ich gut, jedoch ist mir die Aussage bzw. die Schlussfolgerung noch etwas schleierhaft. Gerne setze ich mich auch zu dritt zusammen, wir nehmen Roman noch mit dazu und ich lasse mich aufklären. Wenn es so weiter geht wird das ein richtiges Kaffeekränzchen. Vielleicht überspringe ich jetzt einfach die Geschichte, welche ich nicht verstehe.

„L. versucht sich zu sprengen“ ist ein schön provokanter Titel. So mag ich das. Christian Lessing erzählt die Geschichte eines potentiellen Attentäters, dem einfach immer wieder etwas dazwischen kommt und er somit seine Rucksackbombe nicht zünden kann. Sei es das Wetter oder der Hunger, es passt ihm einfach nicht in dem Kram heute einen Anschlag zu verüben. Es ist ein ziemlich drastischer Umgang mit diesem heiklen Thema, aber das auf einer sehr lockeren Art ohne politische oder religiöse Wertung oder Begründung. Seine Zeichnungen sind skizzenhaft und auf das Wesentliche reduziert, alles wirkt wie schnell mal gezeichnet und doch verstärkt gerade dieser Stil die Kernaussage. Keine Ablenkung durch übermäßig detaillierte Panels oder Farben und dem Betrachter genügend Raum lassen zum Ausmalen der Geschichte, denn jedes Detail könnte die Lesermeinung in eine bestimmte Richtung drängen, jede zufällig entstehende Symbolik könnte beeinflussen. Diese Kombination macht den Comic zu einem beeindruckenden Werk. Hier muss ich wieder mal meinen Hut ziehen, denn dem Leser wird genügend Platz für Interpretation gelassen und ich denke diese Geschichte werde ich so schnell nicht vergessen.

Der nächste Comic "Überleben" setzt wiederum komplett auf die bildliche Darstellung. Die einzigen Worte sind die Kapiteltitel und ich muss ein großes Lob an Marc Ewert für die gelungenen Zeichnungen aussprechen. Ich mag Western und hier wird kreativ angeordneten Panels ohne großes „Drumrumgerede“ Klartext gesprochen. Ich muss zugeben, dass ich von der Bildsprache nicht vollständig mitgenommen wurde, denn teilweise fehlt mir das eine oder andere erhellende Panel, jedoch kann ich durch die schönen Bilder darüber hinwegsehen.

Jørn Rings erzählt mit „Reality“ die altbekannte Geschichte von einer Gesellschaft, welche sich mit dem 40.Geburtstag von seinen Mitgliedern verabschiedet. Soilent Green lässt grüßen und die 42 darf natürlich auch nicht fehlen. Genug der Häme, die Zeichnungen und der Umgang mit dem Comicformat im Allgemeinen sind toll. Rings malt mit der Schrift, sie trägt die Panels, sie formt das Bild, sie erzählt die Geschichte und mit ihr steht und fällt alles. Ist auf jeden Fall mal was anderes und ein Blick wert.

Jojo Ensslins Comic „Diese Frage“ besticht durch seine schönen Zeichnungen. Er verwendet meinem Erachten nach am Computer gezeichnete Tiere als Charaktere, welche einen gemeinsamen Tag am Strand verbringen. In einer depressiven Phase ist man auf Sinnsuche und Ensslin stellt mit seiner Geschichte klar, wie unwichtig diese Frage in Anbetracht des Großen und Ganzen ist. Mit dieser Antwort gehe ich vollkommen mit, denn die Sinnfrage stellt sich einfach nicht, wenn man sich die Welt mal genauer betrachtet. Das Universum ist wahrscheinlich unendlich groß. Es ist so groß, dass man eigentlich Sprichwörter dafür ändern müsste wie etwa: „Ein Nanoteilchen im Pazifik suchen!“ Der Autor hat die Welt verstanden und den Leser daran teilhaben lassen, denn eine andere Betrachtungsweise wäre nur engstirnig und arrogant. Volle Punktezahl von meiner Seite für diese Erkenntnis.    

Till Laßmann und Max Fiedler haben mit ihren Comics „Last Night“ und „Adieu Kakapo“ solide Arbeit geleistet. Beide Comics bestechen durch einen einprägsamen Zeichenstil, eindeutiger Bildsprache sowie eindeutiger Mimikdarstellung der Charaktere. Die Geschichten sind gut erzählt, bieten jedoch nicht für jeden Leser unbedingt einen neuen Aspekt. Bei beiden Geschichten kam ich mir vor bekannte Gefilde zu betreten ohne tatsächlich ein bestimmtes Werk nennen zu können. Max Fiedler hat auf jeden Fall viel Arbeit in seinen Comic gesteckt, denn er hat vielen Farben und einigen sehr detailreichen Panels vorgelegt, während Laßmann sehr grob und nahezu farblos getuscht hat. Zwei unterschiedliche Stile und doch der gleiche Effekt: einmal gelesen und dann in einer Schublade für immer abgelegt. Potenzial war da, der Kick hat mir gefehlt.

Stephan „Lomp hat eine Comic geteilt“ und sich derbe über das soziale Netzwerk Facebook, seinen Funktionen und seine Auswirkung auf das gesellschaftliche Leben und gar auf die Gesellschaft im Gesamten ausgelassen. Lomp erzählt seine Geschichte komplett über die Statusmeldungen seiner Figuren, arbeitet mit dem Likebutton, Kommentaren, dem Posten von Bildern usw. Er zieht dieses Stilmittel komplett durch und hierfür zolle ich meinen Respekt. Sicher ist dies nicht neu und wurde schon mehrfach in Webcomics etc. verwendet, jedoch hagelt es dafür von meiner Seite dieses Mal keine Kritik sondern vollstes Verständnis, denn seien wir mal ehrlich: Facebook hat das Internet entscheidend verändert und ist momentan nicht mehr wegzudenken. Wenn es so weiter geht wird es bis zum Ende der Weltexistieren… also bis zum 21.12.2012!!!

Leo Leowald hat einen „Safe“ zum Thema seines Beitrages zum Comic Clash Heft von Herrensahne gemacht. Er arbeitet mit animalisch wirkenden Tieren ohne das ich einer Figur eine Gattung zuordnen vermochte. Die Geschichte um einen Wissenschaftler, der fanatisch einen Tresor öffnen möchte hat ein großes Manko. Sie erzählt mit zu vielen Worten zu wenig Inhalt. Ich habe mich bei jedem Leseversuch, einmal in der vollen S-Bahn, einmal alleine im Zug und einmal auf Klo (… zu viele Details???) dabei erwischt, wie ich mitten im Satz abgebrochen und zum nächsten Panel gesprungen bin. Der Text konnte mich nicht fesseln, an das Bild, an die Geschichte binden und dann ist irgendetwas schief gelaufen. Im Rückblick kann ich heute nicht genau sagen was ich gestern und vorgestern gelesen habe. Es hat sich mir nicht eingeprägt und auch heute fehlt mir das Interesse die Geschichte ein viertes Mal anzufangen. Somit bleibt mir nur das Urteil, dass die Zeichnungen meinem Geschmack entsprachen, aber die Story anscheinend nicht.    

Was wollt ihr von Herrensahne uns eigentlich mit dem überall auftauchenden Kometen sagen? Das der Weltuntergang naht? Egal, ich fand den roten Faden durch alle Geschichten gut gewählt.   

Fazit
Viel Comic, aber auch vieles was mir nicht gefallen hat oder vieles was ich zu bemängeln hatte. Es ist nicht unbedingt die 15,00€, auch wenn es sicher die Druckkosten deckt. Gewinner sehen aber anders aus. Highlights sind Lessing und Lomp, welche ich ohne Einschränkung als Leseempfehlung aussprechen kann.

Herrensahne ist natürlich auch auf Facebook zu finden und zwar hier und das voten auf der Comic Clash Seite darf natürlich auch nicht vergessen werden.

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