Mittwoch, 30. Mai 2012

Comic Clash #5 – Der Sinn des Lebens – Awzum


Einige Teilnehmer des Battle der Comicmagazine habe ich ja bereits auseinandergenommen (Übersicht siehe hier). Das Awzum Magazin habe ich zwar als letztes erhalten, wurde jedoch von mir sehnlichst erwartet und daher nun vorgezogen, denn die Webcomics von Johannes Kretzschmar (Beetlebum) und Lapinot gehören zu meiner Pflichtlektüre. Dementsprechend sind aber die Erwartungen an diesen Beitrag zum Comic Clash relativ hoch.
Mittlerweile habe ich das Editorial der Clash Beiträge lieben gelernt, denn von kreativ bis informativ war bisher alles dabei. Awzum setzt dem Format die Krone auf, denn die Köpfe hinter diesem Magazin sind alle recht internetaffin. Der Leser erhält per BIOS-Ausgabe neben einen Überblick der Künstler eine Anleitung zur Bedienung des Papierprodukts, der Blättertechnik und die besonders anachronistisch wirkenden Papierhaptik. Dieses Video bietet sogar die animierte und vertonte Version des Editorial.




Der in Weimar beheimatete Ulf Salzmann ist vielen sicher bekannt von seinen Webcomics auf der Seite www.flausen.net und startet das Awzum Magazin mit einem Einseiter. Wir begleiten ihn auf einer kurzen Stadtwanderung und sehen letztendlich wie er sich darüber erfreut wie einfach andere Menschen eine klare Antwort zum Sinn des Lebens gefunden haben. Eine kurze prägnante Aussage, eine nette kleine Geschichte mit groben Strich und einer Ehrerbietung anderen Künstlern gegenüber. Hat mir gefallen und werde seine endlich mal in meinem Feedreader setzen.

Die Geschichte von Johannes Kretzschmar alias Beetlebum war mein persönliches Highlight des Magazins. Ohne viele Worte zeigt der seit 2005 aktive Webcomiczeichner aus Jena wie ein schlechter Morgen so laufen kann. Eine Interpretation bezüglich des Sinns des Lebens ist hier zwar zwecklos bis hanebüchen, aber der Comic ist wie von ihm gewohnt extrem witzig. So einen Tag haben wir alle einmal erlebt. Bereits der erste Schritt mit noch glasigem Blick führt direkt zu angestoßenen Zehen, danach in der Badewanne ausgerutscht, der Schnürsenkel reißt und Auto fahren sollte man eigentlich an solchen Tagen lassen. Die Pointe ist extrem erheiternd. Nachdem mein Beetlebumauge hauptsächlich nur schwarz/weiß gewöhnt ist war dieser farbige Comic von Johannes Kretschmar ein kleiner Augenschmaus. Ich hätte nichts dagegen einzuwenden, dies auch auf seinem Blog öfter zu sehen zu bekommen.

Die von Lisa Neun niedergezeichnete Diskussions- bzw. Fragerunde nach dem Sinn des Lebens ist ein vorhersehbarer Ansatz und bringt leider keinen neuen Schwung in das Thema. Schon fast blasphemisch wird die ultimative Antwort auf den Sinn des Lebens frei nach Douglas Adams verworfen. Ab diesem Panel hast du mich schon fast verloren gehabt. Die Prügelrunde der geistlichen hat mich wieder mitgenommen und dein Diagramm hat dann leider alles zunichte gemacht. Schade, denn der dem Rizzi ähnelnde Zeichenstil hat mir sehr gefallen.

„Freunde…“ von Sascha Gallion ist wohl der Abgesang an die persönliche Kommunikation außerhalb des Internets. Sicherlich ein Stück übertrieben, jedoch in weiten Teilen zutreffend. Was sind wirklich noch Freunde. Sind es Freunde in sozialen Netzwerken wirklich? Ich enthalte mich einer Wertung, da ich die Netzwerke aufgrund der Kontaktpflegemöglichkeit zu meinem Freundeskreis sehr schätze und durch meinen Wohnort den Vorteil der persönlichen Kontakte pflegen kann, aber in weiten Teilen Deutschlands, selbst auch in unserer Hauptstadt motten sich immer mehr Menschen zu Hause ein und pflegen ihre Accounts. Isolation und trotzdem sein Leben gemeinsam mit einer Community verbringen klingt schon irgendwie grotesk. Auch hier wieder ein minimalistischer Zeichenstil, der sich auf das Notwendigste konzentriert. Die Hauptperson empfinde  ich als echt sympathisch und hätte Lust ihn weiter zu begleiten. Leider bin ich auf der Seite von Gallion (www.handschuhfisch.de) bezüglich des Charakters nicht fündig geworden, dafür habe ich ein paar schöne Webcomics entdeckt. Reinschauen lohnt sich.

„Der Selbstläufer“ von Metrissimo hat mich hingegen etwas enttäuscht, aber das lag keineswegs an den Zeichnungen, der Aufmachung oder den verschiedenen Stilmitteln zur Panelgestaltung, denn hier hat der Künstler gezeigt was er kann, jedoch war die Wahl der Geschichte nach Heinrich Böll nicht wirklich mein Geschmack. Die Grundaussage hält jeder Kritik stand und hat den notwendigen Tiefsinn. Die Geschichte reizt nur nicht über die vollständige Länge, denn sie ist etwas zäh, etwas zu viel gesprochenes Wort. Hier hätte die Kürze der Geschichte die fehlende Würze gegeben. Einen kleinen Mehrwert bietet dieses Video, welches Metrissimo beim Inken der zweiten Seite seines Comics zeigt.

Die Geschichte um einen verstorbenen Wecker auf einem „Schrottplatz am Ende der Zeit“ hat mir wohl am besten gefallen. Der Wecker stellt fest, dass er ausgemistet wurde und sucht nun nach dem Sinn des Lebens. Der Tod, ein Toaster und selbst Gott sollen ihm die Antwort auf die Frage der Fragen liefern. Ein schöner kleiner Roadtripp, der mental wie optisch anspricht. Wieder finde ich Gefallen an einem schwarz/weißen, minimalistischen Comic und sollte für euch als Leser dieser Rezension als Warnung dienen. Diese Wertung kann keineswegs objektiv, sondern muss aus tiefsten Herzen subjektiv sein. Comics sind absolute Geschmackssache und diese Bildergeschichte ist wieder ein Zeugnis dafür, dass man den Sinn des Lebens nicht erklären muss und der Versuch alleine schon ausreicht. Auch muss nicht das gesamte Spektrum der Zeichenkunst aufgefahren werden um die Aussagen eines jeden Panels dem Leser zu verdeutlichen. Ich konnte über den Künstler Schreiber auch auf dem Blog hundstage.blogspot.de nicht viel in Erfahrung bringen, denn neugierig bin ich schon geworden und hätte gerne noch mehr von ihm/ihr gelesen.

Lapinot hält die gewohnte Qualität und bietet das von mir erwartete gewisse nerdige. Also ich denke noch regelmäßig an meinen ersten Amiga und würde wahrscheinlich heute an den Startbefehlen scheitern. So ist das Leben. Aus dem Awzum Magazin sticht der Comic „Wild Child“ von essenmitsosse heraus. Das Layout in Gameboyoptik hat das gewisse Etwas und bringt ohne Worte seine Botschaft an den Leser. Wie bereits im Trailer zum Magazin erwähnt wurde beinhaltet das Heft eine Bastelecke. Es ist ein unendlicher Comicspaß. Ausschneiden, kleben, drehen…ich habe dann mal zu tun.

Fazit
Ein Heft für den Nerd, welches mit Niveauschwankungen zu kämpfen hat, aber mit einer kreativen neuen Sichtweise auf den Comic daherkommt. Ich habe an einigen Stellen herzhaft gelacht und kann es nur jeden empfehlen wenigstens mal reinzublättern. 

Achja eins noch…

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