Sonntag, 27. Mai 2012

Comic Clash #4 – Der Sinn des Lebens – Oh Magazin


Die nächste Runde des Comic Clash bestreitet das Oh Magazin. Im Editorial gibt die Redaktion des Comicmagazins offen zu, das Thema „Sinn des Lebens“ blöd zu finden, denn es gibt keinen. Ein Thema, dass jeder mit sich selber ausmachen müsse, denn eine klare allgemeingültige Antwort würde es nicht geben. Trotzdem hat sich das Team an den Battle der deutschen Comicszene beteiligt und ich schaue mir mal an was dabei raus gekommen ist.

Eine Übersicht zum Clash auf Nerdzweipunktnull findet ihr hier.

Oh ist scheinbar aus dem Aufruf zum Kräftemessen heraus entstanden, doch wiederum auch nicht. Ich rolle das Feld mal von hinten auf obwohl ich eigentlich von vorn beginne. Im Anhang des Magazins erklären Emails und Chatauszüge des Entstehungsprozess dieser ersten Ausgabe, was ich persönlich ein netter und offener Einblick in die Anfänge mit sich bringt. Caroline Ring, Lew Bridcoe und Asja Wiegand sind drei Zeichnerinnen, die unbedingt mal ein eigenes gemeinsames Projekt auf die Beine stellen wollten. Durch Zufall stößt der Drehbuchautor Christoph Mathieu hinzu und das Comicmagazin gewinnt an Form. Man einigt sich eine große Geschichte auf verschiedenen nicht allzu eng verknüpften Ebenen zu erzählen.

Ich habe ja nun einige Comic Clash Magazine bereits vertilgt und bin immer wieder überrascht etwas vollkommen neues, vollkommen anderes zum selben Grundthema in den Händen zu halten. Dreh- und Angelpunkt dieses Heftes sind die auf dem Cover abgebildete Musikbox und der Fuchs. Die Geschichte beginnt mit ein paar Freunden, welche eine Musikbox in eine Wohnung schleppt. Das hinaufhieven hat sich anscheinend nicht gelohnt, denn sie funktioniert nicht. Im nächsten Kapitel landet der Leser in einem Altenheim und beobachtet eine penetrant rebellische Bewohnerin, welche die Betreuungsspiele der Pfleger sabotiert. Sie erzählt in einem Rückblick die dritte Ebene, welche das Lebenswerk ihres Gatten, ein Tanzkaffee, beschreibt und wie sie es alleine führen musste. Im Zentrum des Tanzkaffees steht die bereits erwähnte Musikbox. Und wo ist nun der Fuchs? Überall mein junger Padawan.
 Die Zeichnungen der drei Künstlerinnen haben jeweils ihren eigenen Stil und kommen durch die einzelnen Zeitebenen in keinerlei Konkurrenz, sie ergänzen sich gar. Ich weiß nicht wie die Damen sonst zeichnen, jedoch wirken ihre Panels passend zur Ebene. Das Team hat hier eine hervorragende Arbeit abgeliefert. Bis auf das Cover ist das Heft in schwarz/weiß, was bei mir sowieso immer anklang findet, denn hier erkennt man zeichnerisches Können. Kolorierte Panels können die Arbeit des Zeichners vertuschen, positiv wie negativ. Hier erkennt man deutlich das Talent. Ich lasse den Vergleich der drei Damen untereinander aus, denn dies wäre unfair und ehrlich gesagt fühle ich mich dabei auch sichtlich unfähig eine Bewertung abzugeben. Die Geschichten fließen so gut ineinander, sodass die Grenzen verwischen.  
 Die Vier haben wirklich eine fabelhafte Arbeit abgeliefert, welche dringend Beachtung zu finden hat. Ein tolles Team, tolle Zeichnungen und man merkt schnell, dass Christoph Mathieu die richtige Studienrichtung gewählt hat. Der Comic läuft wie ein Film vor meinen Augen ab. Die Zeitebenen sind clever durcheinander gewürfelt und ergeben nach und nach Sinn. Dieses Heft ist keineswegs ein Magazin. Es ist ein Comic oder neudeutsch/modern/medialisiert eine Graphic Novel. Eine einzige Geschichte, welche nicht direkt das Thema „Sinn des Lebens“ aufgreift und ihn doch miteinbezieht. Die vier haben es geschafft das Thema zu beackern ohne es zu erwähnen, ohne Kitsch, ohne blabla.
Das Oh Magazin kann man u.a. im Berliner Comicshop Grober Unfug für 6,00€ erstehen, hat hier seine Homepage und hier kann man für den Comic Clash abstimmen. Wer noch etwas beflimmert werden will, der soll sich diesen Trailer zur ersten Ausgabe des Oh Magazins anschauen.


Kommentare:

  1. Wow! Danke für deine hervorragende Besprechung! Ich bin zutiefst ergriffen!

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  2. Ich bin auch ganz happy! Danke für die professionelle und auch noch positive Review.

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