Freitag, 25. Mai 2012

Comic Clash #3 – Pure Fruit


In der dritten Runde um den Thron der Comic-Magazine habe ich mir mal Pure Fruit zur Gemüte gezogen und der erste Eindruck der Ausgabe ist ziemlich gut. Farblich komplett durchgestylt und grafisch auf einem durchgängig einheitlichen Niveau. Ich bin mal gespannt was der Inhalt so hergibt.

Hier findet ihr die Übersicht meiner restlichen Rezensionen zum Comic Clash.
Die erste Doppelseite präsentiert die kreativen Köpfe hinter der Ausgabe zum Comic Clash. Hier kann man, wie der Grobe Unfug es so schön betitelt, die Lebensläufe der künftigen Stars der deutschen Comicszene begutachten und sich schon mal von Vita und Homepage ein Bild machen.

Das kostenfreie Heft beginnt mit einem arktischen Comic von Anja Wicki. „Uh lala“ ist die Geschichte von einer Robbe und einem Pinguin, eine Doppelseite, niedlich gezeichnet aber ohne kräftige, einprägsame Aussage. Viel blau, etwas weiß und artenübergreifender Sex. Wer`s mag.

Volker Sponholz benötigt mit seinem Comic „Montag“ drei Doppelseiten zur Erklärung, dass es die kleinen Dinge im Leben sind, die einem Freude bereiten und sei es Steine auf dem Wasser springen zu lassen. Herrlich minimalistisch gemacht, das Format vollends ausgenutzt und Thema voll getroffen. Anfänglich zweifelte ich noch, denn die Figur wirkt trotz einer Laufbewegung statisch und nur der Hintergrund wechselt. Mein erster Gedanke war: „Faule Sau! Ist nicht mal in der Lage die Figur für ein weiteres Panel neu zu zeichnen.“ Folgend begriff ich aber dieses gelungene Stilmittel und bewundere nun den punktuellen Minimalismus. Super gezeichnet, geniale Aussage. So muss das sein.

Tim Eckhorst schafft mit seiner Geschichte „Ab durch die Mitte“ zu überraschen. Hier wäre eine Seite mehr von Vorteil gewesen, damit man das letzte Panel und somit die Pointe nicht vorzeitig sieht. Leider hat der Zeichner anscheinend Probleme durchgängig wiedererkennbar seinen Hauptcharakter zu Papier zu bringen. Genug der Kritik, denn die ist letztendlich zum Gesamteindruck lapidar. Wir erleben einen etwas melancholischen Tankwart in seiner eintönigen Welt, die er sich „schön träumt“. Eckhorst schafft es seine Panels ohne viele Worte mit Aussagen zu füllen. Teilweise können die Panels für sich alleine stehen, was nicht jeder Künstler schafft. Dezenter Humor mit einer witzigen Pointe rundet die Geschichte ab.

Ich springe mal zu Gregor Hinz mit „Alles geht und alles geht vorbei“. Hier nur so viel: Warum musstest du deinen Comic schattieren und wenn, warum so? Schade, denn das hat mir alles versaut.

Jannes Nowak hat alles richtig gemacht. Er erzählt spannend wie ein Schnüffler „Auf der Jagd nach dem Sinn des Lebens“ ist.  Die Geschichte nimmt richtig an Fahrt auf und es werden viele Informationen über die einzelnen Szenen gestreut, sodass sich die eigentliche Geschichte zwischen den Panels abspielt. Ein geschultes mediales Hirn hat hier richtig Spaß, denn überflutet von Wissen über Agenten/Spionage/Krimi/Thriller-Geschichten baut sich der Leser einen großen Zusammenhang aus und steht am Ende wie die Hauptfigur nur vor der Frage nach (…) jedenfalls hat Jannes einen stilvollen Schnüfflercomic hingezaubert. Charaktere mit Wiedererkennungsfaktor und Fortsetzungspotenzial.

Tucholsky soll mal irgendwas davon gesagt haben, dass es zwei Grenzen gibt. Nach oben wäre Gott und nach unten der Faschismus. Ich sehe das etwas anders, kann daher mit Geschichten über den Schöpfer und auch mit Witzen über ihn sehr gut umgehen. Jens Rassmus hat die Figuren „Gott & Zwacki das Eichhörnchen“ geschaffen. Sein Comic über einen auf Erden wandelnden und sein Werk beobachtenden Gott ist leider etwas zu banal geraten. Entweder fehlt hier die Philosophie oder die Komik. Da beides nicht enthalten ist, funktioniert das Konzept nicht und am Ende fragt man sich nur warum man hiermit seine Zeit vergeudet hat. Mehr Mut zur Polemik und dann hat der Leser seinen Spaß. Und eins noch: Schreibschrift für Sprechblasen ist einfach nur anstrengend zu lesen.

Insgesamt ist die dritte Ausgabe des Pure Fruit sehr lesenswert und für lau allemal mitnahmepflichtig. Besonders gut finde ich die durchgängige Farbgestaltung mit dem Hauptaugenmerk auf blau und orange. So kommt das Heft als ein Gesamtwerk einheitlich herüber und die Geschichten scheinen nicht nur verbunden, sondern sich gar zu ergänzen. Lobenswert ist die Gestaltung der Werbung am Ende, da sie ebenfalls stilgerecht zur Ausgabe ist, sich komplett in das Heft einfügt und somit keinen Störfaktor bildet.

Fazit
Gute Ausgabe und ich hoffe mehr Hefte von euch in die Griffel zu bekommen. Viel Glück beim Clash, aber die Konkurrenz hat vielleicht ein paar mehr Highlights zu bieten.

Über die Homepage von Pure fruit kann man sich das komplette Magazin auch kostenlos downloaden, also klick hier und bilde dir deine eigene Meinung. Zum Voten für den Comic Clash musst du hier klicken.

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