Sonntag, 20. Mai 2012

Comic Clash #1 – Der Sinn des Lebens – Moga Mobo


Der Comic Clash auf Nerd 2.0 hat begonnen und ich widme mich nun der Ausgabe vom Herausforderer Moga Mobo. Es ist die Nr. 108 in einer fortlaufenden Reihe von Umsonstcomix seit sage und schreibe 1994. Alteingesessen und erfahren sollte die Moga Mobo-Ausgabe zum Battle der Heftchen ein Genuss werden. Es ist das erste Heft zum Clash, welches ich rezensiere, also etwas ausführlicher als ich eigentlich wollte. Die anderen Ausgaben werden wohl mit einem kürzeren Einblick auskommen müssen, denn sonst schaffe ich es wahrscheinlich nicht alle bis zum Comic Salon in Erlangen zu besprechen. Eine Übersicht meiner Berichterstattung zum Battle of the Heftchen findet ihr hier im Prolog.
Das Editorial gibt deutlich den Ton an, denn die Moboys haben nicht zum Battle herausgefordert um zu verlieren. Das komplett schwarz/weiße Heft zeugt auf dem ersten Blick von einer hohen Qualität. Die Bindung hat mehreres Durchblättern und Knicken überstanden. Anhand der verschiedenen Zeichenstile kann man auch die Druckqualität beurteilen und wurde meinerseits subjektiv für gut befunden. Sonst achte ich selten auf Werbeanzeigen, jedoch sind sie mir dieses Mal positiv ins Auge gestochen. Im Heft passen sich die Werbebildchen gut in das Gesamtbild ein, sind teils recht kreativ und machen hierdurch den Lesefluss zwischen den Geschichten nicht kaputt. Einzig die Rückseite vom Heft mit der Panini-Werbung will nicht reinpassen, aber irgendwie muss man ein Umsonstheftchen auch finanzieren können. Hier also kein Minuspunkt von meiner Seite.

Komme ich mal zum Inhalt. Die erste Geschichte „Der einsame Wolf“ von Legron und Lucy Fricke wirkt (auto-)biographisch und erzählt von einem flüchtenden Bräutigam und seinen besten Freunden, welche einen Unfall erleiden. Subtil erzählt wird der Sinn des Lebens mit Partnerschaft/Liebe festgestellt. Nach dem ersten Lesen hatte ich die Geschichte noch für gut befunden, auf dem zweiten Blick fehlt ihr doch etwas Tiefe. Die Charaktere sind alle etwas zweidimensional und der vor dem Altar flüchtende Bräutigam soll nur mittels seiner Gemütsschwankungen dem Leser näher gebracht werden. So richtig funktioniert die Geschichte nicht, was mich erst jetzt etwas verwundert und kann die Gründe hierfür nicht greifen. Eventuell trägt der störrische, nörgelnde Fahrer zu der Antipathie, zum Nichtfunktionieren der Geschichte bei. Seine Motivation wird nicht erklärt und sein Handeln wirkt als Gegenpol zu sehr aufgesetzt. Die Zeichnungen hingegen haben mir gefallen. Hier und da hätte man etwas hellere Grautöne für den Hintergrund verwenden können, bzw. sich absetzende Outlines, um die Figuren von der Umgebung abzuheben, da gerade beim Lesen in dunkleren Räumen die Panels verschwimmen. Eine sechsseitige Geschichte, welche 6 von 10 Punkten bekommt.    

Der zweite Strip „Herzstillstand am Schreibtisch“ ist ein Einseiter von Mamei und Ivo und soll tatsächlich autobiographischer Natur sein. Strapp erleidet einen Herzstillstand beim Zeichnen eines Comics, kippt um, landet im Himmel und trifft auf seinen Opa. Strapp ist davon überzeugt sein Lebensziel mit dem Gewinn des ICOM Preises bereits erreicht zu haben, während der Großvater ihn erst in den Himmel mit dem Max und Moritz Preis lassen möchte. Es ist eine schöne selbstironische Geschichte, welche den Sinn des Lebens als einem ganz individuellen Lebenszweck definiert. Jeder steckt sich seine Ziele, selbst die ohne Ziele haben welche ohne es zu wissen…ich schweife ab. Es ist eine kleine humorvolle Geschichte mit einem krönenden Abschluss. Die Anmerkung der Redaktion, dass der Max und Moritz Preis eventuell drin ist, aber auch nur wenn sich das Team an das Layout hält, rundet die Geschichte vollends ab. Witzig, kurz und knapp, so muss ein Comicstrip sein. Die Zeichnungen sind dreckig, cartoonig und haben etwas punkiges. Mir gefällt`s, also gibt’s 9 von 10 Punkte. Ihr fragt warum nur 9 Punkte? Keine Ahnung, es ist das erste Heft vom Comic Clash und etwas Luft nach oben muss ich mir noch lassen.

Die „Hure Glück“ von Nic Klein ist mir persönlich als Comic zu textlastig bzw. das Verhältnis zwischen Text und Bild ist unverhältnismäßig. Die Geschichte bzw. der Umgang mit dem Grundthema des Clashs ist hingegen gelungen. In dem Einseiter wird Glück und Zufriedenheit gegenübergestellt und nach der Sinnhaftigkeit der Frage nach dem persönlichen Glück gesucht. Was ist persönliches Glück? Gibt es Glück oder reicht es nicht aus zufrieden zu sein. Oberflächlich und trotzdem tiefsinnig hat Klein mich berührt und erhält 7 von 10 Punkte auf meiner persönlichen, oberflächlichen und subjektiven Skala.

Wiederum ein Einseiter ist „Blackbox“ von Michael Pogorzhelskij und Tolgahan. Der Comic besteht aus 10 sinnbildlichen Panels, wobei nur 4 mich tatsächlich angesprochen haben. Das letzte Panel ist mit der moralischen Keule für mich zu weit gegangen, denn die Beantwortung der Sinnfrage mittels Fortpflanzung kann man auch subtiler ausdrücken. Die Geschichte, die keine Geschichte ist und offensichtlich auch keine sein will trifft das Thema und geht dabei aber an mir völlig vorbei. Sie spricht mich nicht an, agiert auf einer Ebene welche philosophisch sein möchte und dabei das Medium Comic nur als Mittel zum Zweck missbraucht, aber nicht vollends ausnutzt. Wenn man schon nur eine Seite für die Vermittlung seiner Aussage hat, dann sollte man bei einem Thema bleiben und dieses ausreizen. Thema getroffen, aber nicht dem Leser schmackhaft gemacht und daher gibt es auch nur 4 von 10 Sinnpunkten.

Die nächste Geschichte wird von mir aus der Wertung genommen, da Laserschwerter darin vorkommen und ich hierbei keineswegs objektiv beurteilen kann. 10 von 10 Punkte nur weil meine persönliche Neigung bedient wird empfinde ich als unfair und würde „Die mächtige Macht“ von Jan Neidigk in die erste Comicbundesliga katapultieren, was der Comic nicht unbedingt verdient hätte. Es ist eine niedliche Kindergeschichte mit einem Versuch eine höhere Ebene zu erreichen. Hat nicht ganz geklappt, aber Jan eines sei dir gesagt: Nerd 2.0 ist bespielt worden.

Luis Alberto Villegas fährt mit „Die Spirale“ die moralische, revolutionäre Keule auf und nimmt mich auf seiner Reise irgendwie nicht mit. Warum? Weiß ich nicht! Vielleicht liegt es daran, dass ich aus einem anderen Kulturkreis stamme und in Deutschland die Revolution nur ein ewiges Wunschdenken bleiben wird. Seien wir mal ehrlich: kommt es in Deutschland nochmal zu einem Umsturz? Nein, dafür geht es uns hier viel zu gut. Selbst die Ärmsten der Armen sind im Gegensatz zum Rest der Welt immer noch reich. Der Spruch ist geklaut und ich weiß nicht wo ich ihn kürzlich aufgeschnappt habe, aber er trifft es wohl ganz gut. Wir meckern auf einem hohen Niveau und der Fall in Deutschland ist immer noch weicher als zum Beispiel in den USA. Meine Schwägerin lebt in den USA, hat zwei Vollzeitjobs und kann sich nicht eine Zahnkrone leisten. Viele vergessen wie weit unser Sozialstaat ausgebaut ist und das gerade deswegen von Flüchtlingen und Asylbewerbern dieses Land aufgesucht wird. Na klar, würde ich auch so machen und gerade aus diesem Grund kann ich nur die Bewegungen befürworten, welche für die persönlichen, individuellen Freiheiten kämpfen. Ein Kampf gegen den bösen deutschen Staat hingegen findet meinerseits keine Zustimmung. Selbstverständlich sieht Demokratie anders aus, nur hat noch niemand ein Patentrezept gefunden. So lange es Kapital und Gier gibt, so lange wird die Welt unfair sein und so schließt sich der Kreis und mein Abschweifen wird abrupt beendet, denn ich stelle fest, dass Villegas eventuell genau darauf hinaus wollte. Ich habe mir Gedanken gemacht und er wollte diese anregen. 8 von 10 Revolutionspunkte.

Der Comic „Das Examen“ von Zhang Xun hat mich mal wieder nicht mitgenommen. Es ist eine Art mathematische Sachaufgabe und wahrscheinlich habe ich sie nicht verstanden und deren Sinn dahinter konnte ich nicht ergründen. Vielleicht lag es an mir, vielleicht lag es an meiner Abneigung zur Algebra oder an meinem mangelnden Konzentrationsverm…..ahhh ein Porno.

So wo waren wir, ach ja bei „Das Streben nach Sex“ von Cosima Schmitz. Diese Geschichte erhöht sicher meine Besucherzahlen auf diesem Blog bei der Googlesuche, denn sie spielt in einem Swingerclub „Zur feuchten Oase“ und dreht sich um einen aufdringlichen Kerl, der sich wundert eine Dame in diesem Club nicht rumzukriegen, wobei sie einen nach dem Anderen dort vernascht. Letztendlich hat die Geschichte mir nichts gegeben und man kann sie eher als trivial bezeichnen. Wie ich kürzlich gelernt habe, dürfte es für den US-Playboy genau der richtige Strip gewesen sein. Bei der Suche nach dem Sinn des Lebens fällt der Comic jedenfalls unten durch. Ziel verfehlt und daher 0-10 Swingerpunkte.

„Frag die eiserne Lady“ von FAB ist eine bebilderte Zusammenstellung von Margaret Thatcher Zitate, während des Befruchtungsprozesses einer Eizelle. Es ist wieder eine nette Idee und versucht die Sinnfrage auf zwei Ebene die mittels mehrerer Verknüpfungen von Zeichnung und Text einen philosophischen Charakter vorgeben will. Klappt nicht ganz, denn die Zitate gewinnen gegenüber den Bildern die Oberhand und somit kippt der Comic um und vergiftet sich selbst. Eventuell hätte der Comic ohne Text besser funktioniert und bei mir mehr Eindruck hinterlassen. Nunja man nicht alles haben.

„Smokie`s Corner“ von Søren Glosimod Mosdal und Jacob Ørsted kommt auf sechs Panels mit drei verschiedenen Blickwinkeln aus. Es ist zeichnerisch keine Meisterleistung, jedoch effektiver Arbeitsstil. Kosten-Nutzen-Rechnung geht hier wahrscheinlich auf, denn die Aussage haben die beiden vermitteln können, auch wenn ich noch nach dieser suche. Geht es ums Trinken, Drogen nehmen, schreiben was man will, wie man es will…keine Ahnung und wahrscheinlich auch besser so. Der Comic hat mich nur kurz zum Nachdenken angeregt und mich nicht zu einer Schlussfolgerung kommen lassen, also 5 von 10 Speedpunkten.
     
Frederico Aguilar und Susanna Escobar haben mich mit ihrem Comic „Lopez`s Glück“ beeindruckt, denn er ist ehrlich, thematisch perfekt getroffen und mit einer Aussage versehen, welche man nicht besser hätte ausdrücken können: „Finde heraus worin du gut bist und gib die Hoffnung auf viel Kohle auf.“ 10 von 10 Punkte und ich weiß, dass ich somit die Luft nach oben aufgebraucht habe. Nichtsdestotrotz verdientes Ergebnis.

Jonas und Tolgahan legen mit dem Comic „Snapshot“ zur Abwechslung einen Mehrseiter vor. Die Geschichte um einen allesfotografierenden, allesaufnehmenden Typen zieht sich stellenweise etwas dahin, aber ist in sich rund und hat eine tolle Aussage, jedoch mit einem vorhersehbaren aber trotzdem schönen Storyende. Was passiert, wenn man zwar alles in seinem Leben festhält, jedoch am eben nicht teilnimmt. Die Geschichte ist mit schönen Panelvariationen erzählt, spielt mit dem Medium Bild, kritisiert offen die freiwillige Zurschaustellung von Lebenssituationen in sozialen Netzwerken. 7 von 10 möglichen Gefälltmirbuttons.

„Nach oben kommen“ von Dieter Beck kommt mit einem Gameboy und einer Lebensanzeige aus.  Nette Idee den Lebenslauf einer Person darzustellen, schön gezeichnet und ohne viel Worte zu verlieren vergebe ich 8 von 10 Spielepunkten.

„Kinder?“ von Marc Herold geht mit der Sinnfrage drastisch und direkt um. Für ihn ist der Sinn des Lebens Kinder kriegen und der Rest nur Freud und Leid. Nett aber zu einfach und daher nur 4 von 10 Lebenspunkten, da fantasielos und zu einfach an das Thema herangegangen. War es für dich nur eine Pflichtaufgabe. Wirklich schade, denn die Zeichnungen sind wirklich gelungen und da war viel Potenzial!

Les deux p`tits philosophes von Stephan Probst ist die letzte Geschichte welche ich aus dem Mobo Heft bespreche, denn für mich ist der Sinn des Lebens zu leben und nicht nur darüber zu schreiben. Die beiden Figuren machen sich über die Themenwahl lustig und kommen zu dem Schluss, dass es ein blödes Thema ist. Für mich ein passendes Schlusswort. 9 von 10 Punkte.

Hier findet ihr die Seite von Moga Mobo und schaut auch ruhig mal auf die jeweiligen Blogs, denn dort finden sich wirklich interessante Werke der Redakteure und Künstler.

 Update vom 21.05.2012
Da hat mich Titus doch glatt auf ein fehlendes Fazit hingewiesen. Ein Fazit reiche ich natürlich nach, denn in meinem ersten Entwurf war es bereits enthalten und ist wohl irgendwie untergegangen. Ein Gesamtfazit werde ich kurz vor dem Comicsalon in Erlangen erstellen. Also noch etwas Geduld.

Fazit
Es ist meine erste gelesene Ausgabe zum Comic Clash und daher fällt mir eine Gesamtwertung noch ziemlich schwer. Die Ausgabe von Moga Mobo habe ich förmlich verschlungen, was erst einmal ein gutes Zeichen ist. Das Format mit vielen Kurzgeschichten macht es einem einfach, denn man kann kurz mal reinlesen und getrost damit Pausen füllen. Die Qualität der Erzählungen und der Zeichnungen schwankt, jedoch ist diese Wertung sehr subjektiv, denn nicht alles kann meinen Geschmack treffen und das soll es auch nicht. Um es kurz zu machen: das Heft gibt`s für Lau und lohnt sich. Es ist Unterhaltung, Kunst und Können im Heft enthalten. Jeder wird mit dieser Ausgabe seinen Spaß haben.  

Kommentare:

  1. Hallo und besten Dank für die Mühe die Du Dir gemacht hast mit diesen ausführlichen Bewertungen, toll. Schade dass die weiteren Geschichten nicht mehr bewertet wurden, da kommt eigentlich noch schönes Zeug, natürlich hätte mich auch Deine Meinung zu meiner Geschichte interessiert, klar. Und falls Du mit den anderen heften weitermachst, eine Art "Gesamtfazit" ... alles in allem aber: Toll!!!

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Da hast du mich ja auf einen Faux pas hingewiesen: kein Fazit!!! Habe ich natürlich nachgereicht.

      Zu der Titus Geschichte: Die ist ehrlich gesagt für mich als clever eingefügte Werbeaktion rübergekommen. Ich habe sie nicht wirklich als Beitrag betrachtet, obwohl das Layout schon dem Rest entspricht. Ich suche immer noch den Bezug zum Sinn des Lebens und schwanke noch mit den Kriterien aus meiner Vergangenheit und meinem heutigen Maßstäben. Ich bin früher auch geskatet, mit mehr oder weniger filigraner Haltung und kann daher einen Bowl als Sinn des Lebens für einen Hardcore-Skater nachvollziehen. Für Außenstehende ist das sicherlich komplett weltfremd und ich bin mir auch nicht sicher das richtig interpretiert zu haben.

      Aber egal, cooler Laden und oftmals denke ich eure Boards sind einfach zu schade für das Grinden. Sehen manchmal echt klasse aus.

      Löschen
    2. Zack da hab ich mir selber ein Bein gestellt. Die Werbung für den Titus SHOP, ja die hab ich (Titus) zwar gezeichnet, habe aber ansonsten mit dem Laden nix zu tuen :-) ich meinte eher meine Story "abwesende Freunde" (halt auch von mir, Titus, gezeichnet). So kannst gehen. Noch mal viele Grüsse: TITUS

      Löschen
    3. Hey sorry...aber witzig...

      "Abwesende Freunde" ist wirklich klasse, denn sie trifft glaube ich genau den Kern des Themas. Ich bin großer Fan von schwarz/weissen Strichzeichnungen und wie du die Szenen mit der schwarzen "Aura" dargestellt hast, hat mir echt gefallen. Ich konnte mich in den meisten Panels wiedererkennen und muss jetzt feststellen, dass ich ruhig noch etwas durchziehen hätte sollen. Das hat der Titus nicht verdient unerwähnt zu bleiben! Schöne Grüße Tiberius - sind wir irgendwie verwandt??? ;)

      Löschen
  2. Psst kein Wort über unsere Familienbande sonst wird Deine Kritik korrumpiert ;-) vielen Dank für das Feedback hat mich sehr gefreut dass Du was mit der (wahren) Story anfangen konntest. Liebe Grüsse Titus

    AntwortenLöschen