Sonntag, 22. April 2012

Ode an Jack


Hollywoods Urgestein Jack Nicholson wird heute (oder morgen???) 75 Jahre (- Update: 80 Jahre -) alt und somit wird es für mich höchste Zeit für Lobhuldigung an den einzigen Star, den ich tatsächlich um ein Autogramm bitten würde. Sein Geburtsdatum ist tatsächlich nicht genau bekannt, denn um seine Herkunft herrschte ein jahrelanges Schweigegelübde innerhalb seiner Familie. Erst Jahre nach dem Tod seiner vermeintlichen Schwester erfuhr er, dass diese seine Mutter war.


Wer ist hinter dem Haifischengrinsen?
Sein Haifischgrinsen ist so einzigartig wie sein Status in Hollywood. Keiner der Stars und Sternchen hat einen Stammplatz im Kodakcenter bei der alljährlichen Oscar Verleihung, keiner kann von sich behauptet, dass die Raucherlounge im Staples Center, dem Spielort der L.A. Lakers nach einem benannt wurde. „Jack`s Room“ ist der einzige Ort innerhalb dieses Stadions, in welchem geraucht werden kann. Nicholson ist seit Jahrzehnten Fan der Basketballmannschaft, sitzt dort bei jedem Spiel direkt am Feld und zieht dem Schiedsrichter für Fehlentscheidungen auch mal eine rüber. Nicht ohne Grund wird von dem Darsteller oft behauptet nicht wirklich zu schauspielern, da die Grenze zwischen Spiel und Wirklichkeit, zwischen Selbstdarstellung in der Öffentlichkeit und tatsächlich vorhandener Charaktereigenschaften über die Jahre nicht nur verschwommen ist, sondern eher mit heftigen Wellen weggespült wurde.

Vom Laufbursche zum mehrfachen Oscarpreisträger
Jacks Karriere startete als Laufbursche für die MGM Studios Ende der 50er Jahre. Sein Plan war ursprünglich Drehbücher zu schreiben und Regie zu führen, doch das Schicksal offenbarte ihm einen anderen Weg. Seine ersten Filme drehte er unter dem Kult-Low-Budget-Regisseur Roger Corman. Hier fiel er in dem Streifen „Ein kleiner Laden voller Schrecken“ als sadistischer Zahnarzt auf und durfte in „Der Rabe“ neben „Frankenstein“ Boris Karloff und Vincent Price glänzen. Beide Filme sind heute Klassiker und gehören in jede gut geführte Filmsammlung.

Gras, LSD, Harleys und eine Idee
Ein Glücksgriff für Regisseur Dennis Hopper war 1969 die Besetzung von Jack in der Rolle des alkoholerlegenden Anwalts George Hanson in Easy Rider. Der Film über den Abgesang der Hippie-Ära, über die geheuchelte Moral der Vereinigten Staaten war nicht nur ein internationaler preisgekrönter Erfolg sondern brachte Jack die erste von bis heute insgesamt 13 Oscar Nominierungen ein und war somit der ersten Meilenstein seiner Karriere. Der Film und der Soundtrack prägte eine gesamte Generation, ist zum Kultfilm avanciert und was stilprägend. Eigentlich wollte Hopper den unbekannten, nach seiner Meinung untalentierten Nicholson nicht besetzen. Die Beiden kannten sich bereits aus diversen Projekten und Jack hatte für The Trip, einem Corman-Film mit Hopper und Fonda in den Hauptrollen das Drehbuch geschrieben. Hopper hielt Nicholson für einen intellektuellen Möchtegern. Eine Nacht an einer Schlucht und einen LSD-Trip später waren Hopper und Nicholson Freunde fürs Leben. Keiner der Beiden hat sich je öffentlich über den gemeinsamen Abend geäußert und die einzige Information die umgeht ist, dass ein nackter auf einem Baum hockender Hopper die Vision von einem grandiosen Werk hatte. Der Film entstand tatsächlich erst bei den Dreharbeiten. Hopper und Peter Fonda legten dem Studio das mit mieser Kamera und schlechten Film gedrehte Material vom Madi Gras dem Studio vor und bekamen die Bewilligung und ein neues Team zur Seite gestellt. László Kovács übernahm die Kamera und schuf mit seinen Bildern auf Celluloid gebannte Zeitgeschichte.

Easy Rider ist für mich immer noch der beste Bikerfilm, der je gedreht wurde. Mein Tipp: schaut ihn in einem Freiluftkino und lasst euch in die Stimmung der Zeit ein. Der Wind in den Haaren, die Lagerfeuerstimmung, Bier und Kippen. Es gibt nichts besseres, als einen Film zu schauen dem man das Herzblut der Macher anmerkt. Hopper hatte viel zu viel Material gedreht und das Studio lehnte immer wieder die Schnittfassungen ab. Letztendlich übernahm das Studio komplett den Endschnitt und wenn man ganz ehrlich ist merkt man die verschiedenen Stile dem Film deutlich an. Der Film springt förmlich von hektischen Schnittsequenzen zu langsamen Fahrten. Über Jahre hinweg war ich davon überzeugt, dass dies als Stilmittel vom damaligen Drogenwrack Hopper eingesetzt wurde. Heute eines besseren belehrt hätte ich gerne mal seine Langfassung gesehen. In Ansätzen ist Hoppers Anliegen im Film zu erkennen. Seine Grundidee war von Kubricks 2001: Odyssee im Weltraum inspiriert und sollte eine Komposition aus zeitgenössischer Rockmusik mit langen Bikerfahrten und Landschaftsbildern werden. Es wäre sicher ein Film geworden, der unter Einwirkung gewisser Substanzen nicht nur ein Trip durch Amerika geworden wäre.

Der Film wurde zu Cannes als der amerikanische Beitrag angemeldet, verlor knapp die Goldene Palme als Bester Film, gewann jedoch den Preis für das Bester Erstlingswerk und bekam somit die notwendige Aufmerksamkeit. In den USA als zu kritisch, zu künstlerisch fast untergegangen, bewegte das offene französische Publikum Hopper und Nicholson zum Weitermachen und die folgenden Nominierungen bei den Oscars für den besten Nebendarstellen für Nicholson und Bestes Originaldrehbuch für Hopper und Fonda machten die drei Hollywoodrebellen plötzlich zu Stars. Nicholson war vollkommen überrascht über die ihm gewidmete Aufmerksamkeit, da er sich nur als kleinen Teil des Films sah. Die Studios erkannten sehr schnell Jacks Potenzial, denn gerade seine Szenen in Easy Rider haben das Kinopublikum bewegt und sein grausamer Filmtod einige Zuschauer nahezu verstört. Sie fieberten mit. Sie wollte ihm beim Ausbruch aus den Zwängen der Gesellschaft helfen und musste hilflos zuschauen wie er von Hinterwäldler niedergeschlagen und ermordet wird.

Bis „Easy Rider“ hatte Nicholson bereits an 20 Filmprojekten mitgewirkt und einiges an Erfahrung sammeln können. Zumeist waren es Filme aus dem B-Movie Schmiede von Roger Corman und Jack spielte dort kleine Nebenrollen. Rückblickend betrachtet sind einige kleine Meisterwerke in seiner Anfangszeit zu finden. The Trip hatte ich bereits angesprochen und sollte meines Erachtens zum Grundwissen eines jeden Filmeschaffenden gehören. Bei diesem Film kann man nicht genau sagen, ob er einfach nur ein Fanfilm über Drogenkonsum oder ein Aufklärungsfilm sein soll, jedoch nimmt er den Zuschauer mit auf einen Drogentrip den er nicht so schnell wieder vergessen wird, vergessen kann.

Kritik am American Way of Life
Der Erfolg um „Easy Rider“ gab Jack Aufwind und er besann sich seinem ursprünglichen Ziel Regisseur zu werden. 1970 drehte und produzierte Nicholson „Drive, He said“. Ein Film über einen Basketballer in der Sackgasse. Dort ist auch der Film gelandet, denn er ist nicht nur handwerklich schlecht gemacht (störende Hintergrundgeräusche, Mikrofone im Bild) sondern auch schleppend erzählt mit Spannungselementen ohne Sinn und Verstand. Hier merkt man deutlich, dass Jack nur nebenbei eine Schauspielschule besucht, aber nie ein tatsächliches Filmhandwerk gelernt hat. Der Film wurde von Kritikern trotz allem gelobt, da seine depressive Grundstimmung in das aktuelle Zeitgeschehen passte. Heute ist der Film nicht mehr nachvollziehbar, entgegen jeder Sehgewohnheit und bis heute nicht in Deutschland veröffentlicht worden. Im selben Jahr drehte Jack unter der Regie von Bob Rafelson „Five Easy Pieces – Ein Mann sucht sich selbst“. Im Grunde genommen das gleiche Grundthema wie sein Erstling als Regisseur und trotzdem eine ganz andere Liga. Jack spielt einen Pianisten aus wohlhabender Familie, der seinen eigenen Weg gehen will und dafür sogar Arbeit auf einer Ölraffinerie vorzieht. Ein Film der vollkommen mitreißt obwohl extrem langsam und nahezu ohne schnellen Schnitt und Action auskommt. Ein Drama, ein Sittenbild welches die Klassengesellschaft der USA angreift und die Scheinheiligkeit des American Way of Life offenbart. Nicholsons schauspielerische Leistung ist deutlich besser geworden. Scheinbar hat er in den vergangen zwei Jahren nach dem Easy Rider Dreh nicht nur eine Portion Selbstbewusstsein sondern auch einige Schaupielstunden gesammelt. Jack zieht die gesamte Aufmerksamkeit auf seine Person, was bei einem Portrait sicherlich auch Sinn und Zweck ist, jedoch kann man seine Augen nicht von der Leinwand abwenden, was beeindruckt, denn der Film animiert zum Weggehen. Man will nach wenigen Minuten einfach nur wegsehen, der Zuschauer wird gequält durch Jacks Selbstkasteiung und das steigert sich über den gesamten Film bis zu seiner Rückkehr zur Familie. Ab diesem Zeitpunkt kann man selbst einen Amoklauf mit Shotgun nachvollziehen und würde Jack als Geschworener dafür sogar noch freisprechen. Die Oscarjury erkannte seine Leistung mit einer weiteren Nominierung an. Ab diesem Zeitpunkt war Jack in Hollywood vollends etabliert und an ihm haftete das Ettikett „intellektueller Film“. Sollte Dennis Hopper letztendlich doch Recht behalten?     

Kurz darauf drehte Nicholson „Carnal Knowledge“ (dt. Die Kunst zu lieben) zusammen mit Art Garfunkel (von Simon & Garfunkel). Der Film ist an sich keine Rede wert und wirkt auch absolut albern, da man den beiden nicht nur nicht das Collegealter sondern auch noch die verzweifelte Liebesdreiecksbeziehung abnimmt. Es ist trotzdem einzig wegen einer Anekdote eine Erwähnung wert, da die beiden bis heute eine enge Freundschaft verbindet. In Jacks Haus am Mullholland Drive hat Art Garfunkel bis heute ein eigenes Zimmer, auch wenn es zeitweise als Kunstlager von Jack missbraucht wird. Von Art stammt auch meines Erachtens auch folgende Geschichte, dass es höchst interessant sei auf dem Klo zu sitzen und auf einen Picasso zu starren.

Ein Haus mit Geschichte
Das Haus von Jack Nicholson hat eine ebenso interessante Geschichte wie der Besitzer selbst. Bereits in den 70er Jahren wurde der Mullholland Drive von Polizisten Bad Boy Drive getauft. Der Name erschließt sich von selbst und bekommt noch eine Prise obendrauf mit der Information über die direkte Nachbarschaft mit Marlon Brando. Jack und Marlon hatten eine interessante nicht nachvollziehbare Freundschaft. Brando war weltfremd und abgedreht. In den 70er Jahren für jedes Studio ein rotes Tuch und finanzielles Risiko. Die beiden Nachbarn verstanden sich ausgesprochen gut. Im Jahr 1976 drehten sie sogar einen Film zusammen, der Brandos Egozentrik deutlich offenbart. Er spielt in diesem Western einen Kopfgeldjäger, der auch mal in Frauenkleidern auf die Pirsch geht. Marlon erinnert sich Jahre später nur an das gut schmeckende Gras. Der Film war ein finanzielles Desaster und konnte trotz der großartigen Besetzung nicht mal die Kosten an den Kinokassen einspielen. Heute sieht der Zuschauer ein Meisterwerk des Genres und einen Brando in Höchstform, auch wenn nicht Mainstreamlike, aber selten verschieben sich die Rollen von Gut und Böse so schnell, dass man förmlich mit dem gejagten Räuber mitfiebert. Jack hatte sein erstes verdientes Geld gut angelegt und das Haus in den Hügeln von Hollywood für heute lächerliche 60.000 Dollar gekauft. Nach Brandos Tod hat er dessen Grundstück dazugekauft und das Haus abgerissen, da es ihm seit Jahrzehnten die schöne Aussicht versperrte. Sein Haus spielte aber auch eine tragende Rolle im Skandal um den polnischen Regisseur Roman Polanski, mit dem er den Klassiker „Chinatown“ drehte. Polanski soll hier Sex mit einer drogenbetäubten Minderjährigen gehabt haben und ist während des Prozesses geflohen und hat seitdem nie wieder amerikanischen Boden betreten. Das Drama hat bis heute kein Ende gefunden und sorgte vor kurzem für ein Auslieferungsverfahren samt Hausarrest in der Schweiz, welches zu Polanskis Gunsten ausging.

Chinatown
Polanskis „Chinatown“ muss jedoch noch eine Erwähnung finden, denn meines Erachtens gehört dieser Film in die Kategorie „muss man gesehen haben“. Selten sieht man Filme, welche so durchdacht, so dicht und verworren aber trotzdem vollends logisch sind. Bis in die kleinsten Rollen mit hervorragenden Darstellern besetzt (John und Anjelica Huston, Faye Dunaway und Roman Polanski als fiesen kleinen Giftzwerg der Jacks Nase aufschlitzt) und einem Set von L.A. der zwanziger Jahre, welches so detailreich und originalgetreu ist, dass einem einfach nur die Spucke wegbleibt. Heute werden solche Sets am Computer generiert und aus diesem Grund gehört der Film heute für das Bühnenbild honoriert. Jack erhielt mal wieder eine Oscar Nominierung und ging im Gegensatz zu Robert Townes Drehbuch unverständlicher Weise leer aus. Die Kriminalgeschichte um einen Privatdetektiv in den zwanziger Jahren, der nicht nur in einen Wasserskandal reingezogen wird, sondern sich auch noch mit der Thematik Inzest konfrontiert sieht ist seiner Zeit weit voraus und offenbart Polanskis Talent eine Geschichte zu erzählen und seine Darsteller zu führen, aber auch wie ein Genrefilm stilvoll in Gänze umgesetzt wird. Der Zuschauer wird bis zur Schlussszene im Dunkeln gelassen und geht mit dem Detektiv auf Spurensuche. Die Grenzen zwischen Gut und Böse sind klar definiert aber keineswegs greifbar. Nicht ohne Grund versuchte sich Jack 1990 an einer Fortsetzung mit dem Titel „The Two Jakes“ in Personalunion als Regisseur und Hauptdarsteller. Auch mit diesem Versuch scheiterte er an den Kinokassen, wobei die Qualität an der von Chinatown rankommt und das Drehbuch von Robert Town eine gelungene Fortsetzung seiner ursprünglichen Geschichte ist, jedoch kann ich bis heute nicht genau beurteilen was diesem Film fehlt. Wahrscheinlich fehlt einfach nur Polanskis Gespür für Schauspielführung.

Jack on the Road
Einen kurzen Abstecher ins Jahr 1973 ist noch notwendig, da Jack in diesem Jahr nur zwei Filme gedreht hat und beide außergewöhnlich gut sind. „Das letzte Kommando“ ist eine tragisch-komische Geschichte um einen Matrosen, der wegen eines kleinen Diebstahls eine Haftstrafe antreten muss. Jack spielt einen der beiden Feldjäger, welche den Kleptomanen Randy Quaid zum Haftantritt überführen. Es ist ein Roadtrip mit Matrosen zu Land und einem grandios spielenden tölpelhaften Quaid, der seine Rolle mit viel Elan, Humor und ohne seine sonst typische alberne Gestik und Mimik spielt. Schnell realisiert man, dass dieser Junge im Knast gelyncht oder als Eigentum für sittenwidrige Schandtaten missbraucht und vereinnahmt wird. Der Junge hat die ihm zugewiesene Strafe nicht verdient. Der zweite Film in diesem Jahr ist die europäische Produktion „Professione: Reporter“ (dt. Beruf: Reporter) von Michelangelo Antonioni. Jack spielt einen desillusionierten Journalist, der in einem Hotel in der Sahara nach dem Tod eines Unbekannten des Identität übernimmt und so in ein Ränkespiel aus Politik und Waffenhandel hineingezogen wird. Der Film ist typisch für italienisches und französisches Kunstkino dieser Zeit und Nicholson wirkt anfänglich fehlbesetzt. Er sticht sehr aus dem Gesamtkonzept hinaus und erst nach und nach wächst er in die Rolle hinein, doch dies ist von Antonioni gewollt. Dieses Stilmittel verstand ich erst Jahre später. Der Regisseur hatte Nicholson absichtlich wegen seiner Bekanntheit und seiner markanten Art besetzt. Er füllt die Leinwand vollends aus und spielt den Rest der Besetzung nahezu an die Wand. Einzig die fabelhafte Maria Schneider ist Jack gewachsen und die gemeinsamen Szenen prickeln vor Erotik. Der langsame Thriller nimmt unbemerkt an Fahrt auf und die Sinnsuche endet tragisch. Ein beeindruckendes Werk, welches aus der Filmographie von Jack Nicholson hervorsticht und erst 30 Jahre später mit „About Schmidt“ ein ähnliches Pendant finden wird.

Einer flog übers Kuckucksnest
Nach dem The Who Musical „Tommy“ und der albernen Komödie „Die Mitgiftjäger“ (wo einzig das Filmplakat interessant ist) drehte Nicholson 1975 seine wohl beste Leistung. „Einer flog übers Kuckucksnest“ war ursprünglich ein Roman, dann ein Theaterstück und Kirk Douglas sicherte sich nach dem Erfolg auf der Bühne die Filmrechte. Sein Sohn Michael stand am anfang seiner Karriere und hatte sein Gesicht bisher nur erfolgreich mit „Die Straßen von San Francisco“ im TV gezeigt. Kirk Douglas überließ seinem Sohn die Rechte und sorgte im Hintergrund für den Anschub der Produktion. Michael Douglas agierte als Produzent und sorgte für die Besetzung. Er bestand darauf, das große Teile des ursprünglichen Theaterensembles beim Dreh dabei war und so starteten die Kinokarrieren von Danny DeVito, Brad Dourif und Christopher Lloyd. Milos Forman übernahm die Regie und Jack die Hauptrolle, welche ihm scheinbar auf den Leib geschrieben wurde. In seinem weiteren Karriereverlauf hat man tatsächlich das Gefühl ständig nur Jack selbst zu sehen, statt einer fiktiven Figur. Ich weiß nicht woran das liegt, dass ständig behauptet wird, er würde gar nicht spielen sondern nur Jack Nicholson sein, aber seine Rollen habe ich ihn nach „Einer flog übers Kuckucksnest“ allesamt abgenommen. Jack spielt hier einen Kleinkriminellen der sich als verrückt ausgibt und sich in die Irrenanstalt verlegen lässt um dem Arbeitsdienst zu entgehen. Schnell merkt er, dass ein Leben in der Nervenheilanstalt keineswegs leichter ist. Hinzu kommt die von Louise Fletcher (den Star Trek Fans bekannt als Kai Winn aus Deep Space Nine) grandios gespielte Schwester Ratched, welche mit sadistischer Ader Jacks Charakter Randell McMurphy in die Schranken weist. Der Film war ein riesiger Erfolg und bekam in den fünf wichtigsten Kategorien den Oscar verliehen. Endlich war es soweit, Jack hat nach zwei Nominierungen beim dritten Anlauf den Oscar gewonnen.

Wolf im Schafspelz
In den folgenden Jahren drehte Jack Nicholson immer weniger Filme. Nach zweijähriger Pause versuchte er sich nochmal 1979 mit der Regie und Hauptrolle in Personalunion. „Der Galgenstrick“ floppte, aber ist meines Erachtens ein sehenswerter Western. Der Humor ist teilweise etwas zu lasch, aber James Belushi und Christopher Lloyd retten Jacks unterdurchschnittliches Schauspiel. Er war wohl mit der Doppelfunktion überfordert. Im folgenden Jahr drehte er mit Stanley Kubrick „The Shining“. Die Dreharbeiten dauerten 10 Monate und verlangten dem kompletten Team alles ab. Kubrick war Perfektionist und scheute auch nicht die 80te Wiederholung einer Szene bis er sie so hatte wie er sie sich vorgestellt. Die Verfilmung des Stephen King Buches weicht erheblich von der Vorlage ab und entwickelte sich im Laufe der Jahre zum vielzitierten Kultfilm. In Deutschland ist leider nur eine gekürzte Fassung erhältlich und selbst die neu erschienen Blu-Ray Fassung ist unvollständig. Bei den Oscars blieb Shining unbeachtet, was bei vielen Kritikern einen bitteren Nachgeschmack gegenüber der Jury hinterlassen hat. Der Film ist atmosphärisch dicht gestrickt, darstellerisch erschreckend gut gespielt und mit magischen Bildern erzählt. Auch nach mehrmaligem Sehen ist der Film ein beeindruckendes Meisterwerk. In den 80er Jahren folgten Filme wie „Wenn der Postmann zweimal klingelt“, „Reds“ oder „Grenzpatrouille“, aber erst das Familiendrama „Zeit der Zärtlichkeit“ wurde mit Erfolg gekrönt. Jack spielt in einer Nebenrolle einen pensionierten Astronaut und heimst für diese Rolle einen Oscar als bester Nebendarsteller ein. Ich kann mir nicht erklären wofür er den Preis bekommen hat, denn gerade die Leistungen der vorherigen Filme hätten eher einen Preis verdient. Wahrscheinlich kann man diesen Oscar eher als eine Zusammenfassung der letzten Jahre zuschreiben. 1985 dreht Nicholson unter der Regie von John Huston „Die Ehre der Prizzis“. Es wird Hustons letzter  Film und brachte seiner Tochter Anjelica den Oscar ein. Der Mafia Film schwankt in seiner Qualität sehr zwischen Thriller und Komödie. Huston hätte hier sich für einen Weg entscheiden sollen, dann wäre wohl ein Klassiker möglich gewesen. Ich musste mal lesen, dass Nicholson italienischer Akzent im Film geradezu lächerlich war, jedoch kann ich dies nicht beurteilen, da ich das Werk nie im O-Ton gesehen habe. Eines kann man dem Film zu Gute halten. Jack hat hier die Möglichkeit auch mal eine andere Rolle zu spielen und konnte sich besser als bei seiner eigenen Komödie „Der Galgenstrick“ in Szene setzen. Im Jahr 1987 dreht Nicholson zwei Filme die unterschiedlicher nicht hätten sein können. In „Die Hexen von Eastwick“ spielt er einen verführerischen Teufel und verkörpert diese Rolle perfekt. Besser konnte nur Al Pacino den Luzifer darstellen. Gerade die Schlussszenen im Kampf gegen die Hexen sind unterstützt von den Spezialeffekten besonders sehenswert. „Wolfsmilch“ ist dagegen ein Drama um einen Obdachlosen an der Seite von Maryl Streep, welcher zu Tränen rührt und einen selbstmordgefährdet zurücklässt.

Die Rolle seines Lebens
Ende der 80er Jahre plant Warner Brothers eine Verfilmung des Comics Batman. Sie planen unter der Regie von Tim Burton einen Klassenschlager. Nach einigen Absagen für die Besetzung des Gegenspielers kehren die Produzenten zum Studio zurück und bitten um die Genehmigung einer Budgeterhöhung, da ihre erste Wahl mittlerweile für extrem hohe Gagenforderungen bekannt ist. Das Studio lehnt ab und die Produzenten stehen kurz vor dem Abbruch der Produktion. Sie setzen auf eine erste und einzige Verhandlung  mit ihrem Wunschkandidaten und wollen ihm die Rolle auch ohne hohe Gage schmackhaft machen. Jack Nicholson soll das Zugpferd werden und die Rolle des irren Clowns Joker übernehmen. Jack ist sich seiner Position vollends bewusst und nutzt diese mit dem Deal seines Lebens aus. Zusätzlich zu einer Rekordgage vereinbarte Jack eine Gewinnbeteiligung inklusive eventueller Fortsetzungen aus dem Hause Warner. Bis 1994 kam somit eine Gage von 60 Mio. Dollar zusammen. Ich muss sagen, dass die Leistung von Jack jeden Cent wert war. Er spielte den Joker so intensiv, so lustig, so grausam, dass Burton und das Studio über eine Rückkehr trotz seines tödlichen Sturzes vom Glockenturm nachdachten. Man entschied sich dagegen und setzte die Reihe mit dem Pinguin fort. Danny DeVito bat vor der Annahme des Rollenangebotes Jack um Rat für die gehaltsverhandlungen. Er sagte nur, dass DeVito versuchen solle seinen Vertrag zu bekommen. Er schaffte es nicht und spielte für „nur“ 12 Mio. Dollar die Rolle.

Besser geht`s nicht
Nach dem Erfolg von Batman lehnte sich Jack zurück und nahm nur noch Angebote mit seiner Minimumgage von 20 Mio. an und drehte nur noch was ihm wirklich am Herzen lag. „Man Trouble“ sollte unterschlagen werden, aber seine Rolle als der Werwolf in „Wolf“ war inhaltlich und schauspielerisch an der Seite von Michelle Pfeiffer gut gelungen. „Jimmy Hoffa“ an der Seite von DeVito ist leider verkannt und gehört für mich zu einem seiner Top 10. Jack spielt den Gewerkschaftsboss mit Kontakten zur Mafia so glaubwürdig und durch die falsche Nase ähnelt er verblüffend dem vom Erdboden plötzlich verschwundenen Hoffa. Bis heute ist der Mord an Jimmy Hoffa ungeklärt und der Film bietet eine Version der Ereignisse. In „Eine Frage der Ehre“ zeigt Jack Nicholson wiederum deutlich was einen guten von einem grandiosen Schauspieler unterscheidet. Seine Rolle als General im Verhör, seine Ausdruckskraft, sein Blick, seine Wut waren so genial, dass ich als sein Gegenüber ebenso erstarrt wäre wie Tom Cruise. Wahrscheinlich hatte ich mir in die Hose gemacht. Besser geht’s nicht! Da wären wir wohl bei einer seiner Glanzleistungen angelangt. Die Rolle des ewig nörgelnden Schriftstellers ist nicht umsonst mit dem goldenen Jungen prämiert worden. Sie wurde Jack auf den Leib geschrieben und ich kann diesen Film immer wieder gucken und herzhaft lachen. Seine Marotten, seine zynischen Sprüche und die Situationskomik sind selten in dieser Kombination filmisch festgehalten. Mit „About Schmidt“ kam Jack nochmal an diese Leistung heran und spielte den plötzlich alleinstehenden Pensionär so mitreißend, dass man an vielen Stellen nicht genau weiß, ob man jetzt weinen oder lachen soll. Zwischendrin drehte Nicholson die Komödien „Die Wutprobe“, welche im Juli mit Charlie Sheen als Serienformat eine Umsetzung findet. Der Film lebt von Nicholson und auch hier spielt er sein Gegenüber Adam Sandler an die Wand. Ich dagegen finde seine Tragödien bzw. Thriller wie „Crossing Guard“ und „Das Versprechen“ unter der Regie von Sean Penn deutlich interessanter, da  sich Jack bei diesen Figuren offensichtlich mehr Mühe gibt und ihm eventuell auch besser liegen. Nicht zu vergessen ist seine Rolle des Bostoner Verbrecherkönigs in „The Departed“, einem Remake der „Infernal Affairs“ Reihe.


Das Beste kommt zum Schluss
Die „Bucketlist“ ist wohl eine der ehrlichsten Arbeiten des alternden Nicholson. Er spielt den reichen Krankenhauskonzernbesitzer mit Krebs im Endstadium, der Morgan Freeman überzeugt eine Liste mit Lebensträumen wahrhaftig werden zu lassen. Tragisch-komisch-herzzerreißend spielen die beiden alternden Stars auf höchstem Niveau und beweisen warum sie dort sind, wo sie jetzt sind.

Happy Birthday Jack!

Quellen
Jack Nicholson – Hollywoods Wolf im Schafspelz von Adolf Heinzlmeier erschienen bei Bastei Lübbe
Jack`s Life von Patrick McGilligan erschienen bei Knauer
Jack Nicholson – Der große Verführer von Edward Douglas erschienen bei Heyne
Wikipedia
Meine Gedächtnissammlung aus diversen Berichten jeglicher Medien

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