Samstag, 14. April 2012

Meet and Greet Ria Teil 2


Willkommen bei einer Führung durch das Atelier Kiecker. Dies ist der zweite Teil zum Meet and Greet mit dem RIA Team und ich würde gerne behaupten, dass die Verarbeitung der gewonnen Eindrücke schuld an der Veröffentlichungsverzögerung haben. Nein, ich leide momentan unter erheblichen Zeitmangel. Somit könnte es nun zu erheblichen Erinnerungslücken und unterschiedlichen Wahrnehmungen der teilnehmenden Gäste und diesem Bericht kommen, da ich nun aus dem Gedächtnis protokolliere. Trotzdem kommt mal mit und ich zeige euch einen kleinen Querschnitt der Stenarts Werkstatt, der Schöpferstube von RIA – Die Lichtklan Chroniken.


Erst nach und nach kamen die anderen Gewinner und die Runde wurde größer. Ich würde gerne bestätigen, dass die Personen aus der Ankündigung stammende Liste tatsächlich anwesend waren, jedoch macht mir mein chronisch versagendes Namensgedächtnis hier einen Strich durch die Rechnung. Folgende Personen waren angekündigt:

Christian Retzlaff ( Zeichnung )
Kaja Reinki ( Zeichnung )
Thorsten Kiecker ( Idee und Zeichnung )
Paul Schwarz ( Concept Artist )
Rut Bisbe Lopez ( Concept Artist )
Marcus Koch ( Cover Artist )
Jennifer Zeller ( Concept Artist )
Andreas Völlinger ( Script )
Michael Stapper ( Musik und Sound Ria-Teaser )
Samuel Stephan ( Ria-Teaser )

Sicherlich haben mich einige (wenn nicht sogar alle) der oben genannten Personen freundlich begrüßt und ich musste zu meiner Scham feststellen, dass ich der Einzige mit einem Bier in der Hand war. Drei vier Mal am Bier angesetzt, dann war es mir auch egal. Ich gehe aus Erfahrung grundsätzlich vorbereitet zu Veranstaltungen mit Alkoholausschank. Also habe ich vor dem Empfang den nächstbesten Imbiss aufgesucht. Ohne viel Worte: den Dönerstand am Anhalter Bahnhof sollte man meiden, außer man nutzt ihn als Späti für den Biernachschub. Mit der der im Magen querliegenden osmanischen Salattasche war ich zwar nicht zufrieden aber etwas gewappnet auf Sekt und Selters, jedoch musste ich mich wiederum eines Besseren belehren lassen, denn mit einem Buffet der mediterranen Art hat ich keineswegs gerechnet. Es sah lecker aus doch anfänglich hätte ich keinen Bissen runterbekommen, doch als ich dann für die mit Feta gefüllten Peperoni bereit war musste ich zu meinem Erstaunen feststellen, das großzügige Buffet war leergeräumt. Es war wohl sehr köstlich.

Dann war es soweit. Wenige Tage zuvor hatte Thorsten Kiecker die Lieferung des zweiten Bandes von RIA – Die Lichtklan Chroniken erhalten und wollte den Abend nutzen, um sich bei seinem Team zu bedanken und die Gewinner der Schnitzeljagd zu belohnen. Ein Stößchen mit dem Sektglas später begannen die Diskussionen über den zweiten Band. Die verschiedenen Zeichenstile sind mir als Erstes ins Auge gefallen. Dies ist keineswegs eine Kritik, sondern zeugt eher von kreativen Freiräumen, die Chef Kiecker seinen Künstlern beim Umsetzen seiner Ideen lässt. Er selbst hat sich als entspannten aber sprunghaften Zeitgenossen beschrieben und das macht die Arbeit mit Thorsten sicher abwechslungsreich. Leider habe ich es vermasselt davon ein Foto zu schießen, aber sein Büro war recht aufschlussreich wie es an das Konzept herangegangen ist. Am PC hat er uns den ersten Entwurf des Layouts der Seiten gezeigt. Es waren reine Farbanordnungen und wenn man sich den zweiten Band anschaut, dann wurde dieses Konzept bis zum Schluss eingehalten. Ich bin ganz ehrlich, dass mir solche Details nicht immer auffallen.

Das Thema Farbgestaltung nahm dann nahezu groteske Züge an. RIA wurde als Lizenzprodukt in verschieden europäische Staaten verkauft und schon wurden die französische, holländische und deutsche Ausgabe miteinander verglichen. Jedes Land hatte die gleiche Vorlage für den Druck bekommen, jedoch sind die Farben bei allen Ausgaben unterschiedlich kräftig gesetzt. Ich bin mit der Druckbranche nicht vertraut, jedoch kenne ich die Auswüchse von Bildverunstaltungen in der Fotoentwicklung. Bisher hatte ich darüber noch nie nachgedacht, wie entscheidend der Farbdruck sein kann. Die Ausgaben haben tatsächlich eine andere Wirkung. Ich bin mir nicht mehr ganz sicher (Gedächtnisprotokolllücke), aber die niederländische RIA Ausgabe hatte so kräftige Farben, dass sie nahezu eine Reizüberflutung ausgelöst haben. Der Band wirkte plötzlich total kitschig, aber das ist sicher auch Geschmackssache oder auch kulturbedingt, denn die Holländer stehen ja bekanntlich auf Sinneserweiterung.

Ich muss nochmal kurz zu den unterschiedlichen Zeichenstilen zurückkehren. Der zweite Band hat eine interessante Vermischung von Zeichenstilen. Zum einen befinden sich träumerische Landschaftsgestaltungen in diesem Buch und auf der anderen Seite hat man teilweise das Gefühl Disneyfiguren mit schwankenden Brustumfang zu betrachten. Der Umfang war übrigens auch diskutiert worden und eine letztendliche Entscheidung wie es mit Rias Körperbau zukünftig weitergeht ist an diesem Abend nicht gefallen.

Selbst der Einband führte zu einer regen Diskussion. Ich finde die Aufmachung und gerade die Größe der Splitterbände gut gewählt. Kann mich aber der Meinung eines der anderen Gewinner nur anschließen, dass die Wahl der rauen Oberfläche statt Hochglanz für den Einband keine Gute ist. Gerade für Sammler bedeutet dies ein extrem vorsichtiger Umgang mit dem Buch und selbst dann sind Spuren sowie Kratzer auf dem Cover unvermeidlich. Sicherlich sieht das Cover auf dem ersten Blick klasse aus, ohne Frage, aber meine beiden Bände haben bereits unfreiwillig gelitten.

Die intime Atmosphäre im Stenarts Studio förderte nicht nur den Appetit und Diskussionen sondern auch eine stetig wechselnde Gruppenbildung. Über alle Büros verteilt unterhielten sich die Gewinner mit den kreativen Köpfen und ich schlenderte umher und lauschte, versuchte mich einzubringen und musste immer wieder feststellen, dass mein Wissen über Comics, Computer und dem ganzen Drum und Dran ein Witz ist. Umso interessanter waren die Unterhaltungen mit Christian Retzlaff und Andreas Völlinger (ja die Namen haben ich mir gemerkt und sicherheitshalber gegoogelt). Christian gab mir einen Einblick in die Arbeitsweise von selbstständigen Grafikern/Designern. Ich arbeite seit einem Jahrzehnt in einem „konjunkturunabhängigen“ Angestelltenverhältnis und habe daher ein gewisses Sicherheitsbedürfnis was regelmäßigen Lohnfluss angeht. Somit ist Selbstständigkeit für mich immer ein rotes Tuch. Ich war noch nie arbeitslos und musste auch noch nie Türklinken für einen Job putzen. Daher ziehe ich immer den Hut vor dieser Lebensweise, da sie aus meiner Sicht viel Mut, Kreativität und Überzeugungskraft benötigt. Alles Eigenschaften mit denen ich mich niemals beschreiben würde. Christian war für RIA jeweils nur als Projektkraft im Atelier Kiecker tätig. Allein diese Info gibt einen tiefen Einblick in die heutigen Kreativschmieden. Projektabhängig werden die Kräfte sortiert nach ihrer Qualifikation zusammengesucht. „RIA“ ist Thorsten Kieckers Herzensprojekt, welches er über Jahre nebenbei entwickelt hat und erst in der Umsetzungsphase der ersten beiden Bände wurden die Zeichner hinzugezogen.

Andreas Völlinger setzte die Beschreibung der Arbeitsweise mit Thorsten Kiecker detaillierter fort. Im Büro vom Chef ist eine Art Pinnwand aufgebaut. Hier sind die Seitenlayouts angebracht und wenn man in die Einlegefolien schaut kann man dahinter die Entwicklung eines jeden Panels, einer jeden Seite betrachten. Ich fand es höchst interessant, wie viele Entwürfe bereits auf Papier gebracht wurden bis sie druckfertig sind. Ich habe hier mal ein paar Fotos, auf welchen man die Entwicklung eines Panels betrachten kann. Ich würde mich als zeichnerisch komplett untalentiert bezeichnen und bin daher leicht von dieser Kunst zu begeistern, daher gilt mein Votum an dieser Stelle immer mit Vorsicht zu genießen. Am Panel mit der Badeszene kann man auch genau erkennen mit welchen Ideen gespielt werden, die dann für die Druckversion wiederum komplett verworfen werden.

So komme ich auch zu meiner Überleitung was wir denn eventuell zukünftig aus dem Hause Stenarts bezüglich der Lichtklan Chroniken erwarten dürfen. Es sei mir verziehen, dass ich an einigen Stellen nur Andeutungen machen werde, da ich dem Team nicht vorgreifen möchte oder bereits wieder verworfene Ideen präsentiere, denn Thorsten ist wie er selber sagt sprunghaft und was gestern gesagt wurde kann heute schon Geschichte sein. Für die ersten beiden Bände ist bereits eine App für die Apple Anhänger und eine Flashseite für die Nichtspielzeugnutzer veröffentlich worden. Mit diesem Tool kann man interaktiv die Reise nach Tenebra verfolgen und sich Details zu dem im Comic vorkommenden Personen und Völkern anzeigen lassen. Am Abend wurde mehrfach der Nutzen und die Vorteile der digitalen Animation angesprochen und so ist sicher davon auszugehen, dass die Lichtklan Chroniken ihren Weg in die digitale Welt der Unterhaltung suchen werden. Gerade die Farbenwelt von RIA kann davon nur profitieren. Einige Panels im Comic leuchten gerade zu und in der digitalen Comicwelt werden zurzeit meines Erachtens die beleuchteten Displays technisch nicht ausgenutzt. Ich habe gerne ein Comicbuch bzw. –heft in der Hand.

Ohne Frage ich bin Sammler und Comicnerd und der Geruch, das Blättern, das Eintüten und wegstellen gehören für mich einfach dazu. Ein digitaler Abdruck eines Comicheftes kann mich nicht begeistern. Zumeist muss ich bei den verschiedenen Verlagen mit einer unterschiedlichen technischen Umsetzung umgehen, denn die einen zeigen mir Panel für Panel und am Schluss die gesamte Seite, andere sparen sich die Panelaufteilung und ich muss einzeln zoomen, andere Comics kann ich nur online lesen und dank O2 bin ich nur zeitweise mobil internetfähig und somit diese Apps für mich komplett sinnlos. In den meisten Fällen fehlt mir einfach der Mehrwert und gerade dieser wurde am späten Abend innig besprochen. Ein digitaler Comic kann den Leser, wenn er technisch gut umgesetzt ist, vollkommen in die Fantasiewelt hineinziehen, interaktiv mitnehmen, durch Animationen überraschen oder der Leser kann eventuell sogar die Geschichte beeinflussen.

Okay all das ist Zukunftsmusik aber bereits technisch und zugegeben mit großem Aufwand möglich. Ich bin überzeugt davon, dass sich die digitale Comicwelt in diese Richtung entwickelt und Thorsten Kiecker hat hierfür die richtigen Kräfte um sich geschart. Auf jedem Fall spielt das Team mit dem Gedanken sich auch digital weiterzuentwickeln und diesen Ansatz kann ich bei der von Thorsten Kiecker geschaffenen Lichtklanwelt nur befürworten. Ob die ganze Sache dann als App, als Spiel oder was auch immer umgesetzt wird liegt dann allein in den Händen der Umsetzbarkeit, Wirtschaftlichkeit und sicher auch am Leser. Ich drücke dem Team jedenfalls den Daumen.   

Wie ihr seht war der Abend sehr informativ und dies war nur ein Gedächtnisprotokoll von einem Abend nach einem langen Arbeitstag. Ich weiß nicht, was ich alles vergessen habe, aber ich möchte mich für die Einladung bedanken und an dieser Stelle Herrn Kiecker an ein Versprechen erinnern. Da der Abend von interessanten Gesprächen geprägt war kam ich nicht dazu meinen zweiten Band von den Zeichnern veredeln zu lassen. Am kommenden Sontag dem 22.April findet im Ellington Hotel mal wieder die Berliner Comicbörse statt und Thorsten wird dort seinen zweiten RIA Band vorstellen. Ich werde da sein und habe meinen mit Genuss  verschlungen Band für eine Signatur dabei.  

Also bis kommenden Sonntag!

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