Montag, 16. April 2012

Comicreview: Batman Collection Mike Mignola


Der US-Verlag DC bringt seit längerer Zeit eine Sammelbandreihe von ausgewählten Künstlern heraus. Mit der Zusammenstellung von Mike Mignolas Batman Comics veröffentlicht nun Panini seinen ersten Band aus dieser Reihe.
Mike Mignola sollte den meisten als Schöpfer von „Hellboy“ ein Begriff sein. Ich selber habe zu meiner Schande bisher nur eine deutsche Ausgabe zum Gratis Comic Tag gelesen, aber eigentlich habe ich sie verschlungen. Leider habe ich bis heute mich nicht dazu durchringen können bei Hellboy einzusteigen, was aber sicherlich auch der Veröffentlichungsweise zu verschulden ist. Ich habe bisher noch keinen optimalen Einstiegspunkt gefunden, denn die Reihe wird in kleinen Miniserien veröffentlicht, hat mittlerweile sogar schon Ablegerserien und ich stehe jedes Mal vor dem Regal mit verzweifelten Blick wo ich nun zugreifen solle und dann….ahh ein Eichhörnchen.

Die Mike Mignola Collection beinhaltet einen interessanten Querschnitt durch das Werk des Künstlers im Batman Universum, wobei man eigentlich nicht vergessen darf, dass Mignola sich eigentlich sein eigenes, alternatives  Universum geschaffen hat. Die erste Geschichte heißt Gotham by Gaslight und hier war Mignola verantwortlich für die Vorzeichnungen. Die Geschichte war nicht nur für den Künstler ein großer Aufstieg in der Comicszene, sondern dieser Comic war dermaßen erfolgreich, dass Geschichten dieser Art zukünftig unter dem Siegel „Elseworld“ erschienen. Doch was ist „Elseworld“? Laut dem ersten DC Premium Band „Schatten über Gotham“ beschreibt der Panini Verlag den Begriff wie folgt:

In Elseworlds werden Helden aus ihrer gewohnten Umgebung an fremde Orte und Zeiten versetzt - solche, die existierten oder nicht existieren können, konnten oder sollten. So werden Figuren, die so vertraut sind wie das Gestern, wieder frisch wie das Morgen.“

Besser könnte ich das nicht zusammenfassen, deswegen muss hier mal ein Zitat herhalten. „Elseworld“ ist also ein eigenständiges, unabhängiges Universum, in dem einfach alles passieren kann. Somit kann sich ein Autor in dieser Welt vollkommen entfalten. Es gilt keine Origin zu beachten, Beziehungen zwischen den Charakteren können variiert werden und sogar die zeitliche Ebene ist veränderbar.

A Tale of the Batman: Gotham by Gaslight
Genau an diesem Konzept setzt der Mike Mignola Sonderband an und startet chronologisch mit der Geschichte „Blutige Schatten der Vergangenheit“ (org. Titel - A Tale of the Batman: Gotham by Gaslight). Bruce Wayne ist auf europäischer Bildungsreise. In London hat er sich vom Meisterdetektiv Sherlock Holmes und in Paris von Sigmund Freud in ihrem jeweiligen Fachgebiet schulen lassen. Wir schreiben das Jahr 1910 und Bruce kehrt per Schiff nach Gotham zurück. Er hat sich fünf Jahre auf seine Rückkehr vorbereitet, denn er hat einen Plan. Seine Heimatstadt ist zum Moloch mutiert. Verbrechen, Trunksucht und Irrsinn haben sich breit gemacht. Seine Batsuite wartet auf ihn und die Stadt braucht ihn. Kaum ist er zurückgekehrt finden in der Nacht grausame Morde statt, welche stark den plötzlich geendeten Morden in London von Jack the Ripper ähneln. Bruce streift als Batman durch das „spätviktorianische“ Gotham und jagt den Schlitzer. Er macht sich Vorwürfe nicht bereits in London die Spur aufgenommen zu haben. Er fühlt sich verantwortlich für die Opfer. Die Polizei hat nur wenige Indizien und kommt schnell zu dem Schluss, dass nur der kürzlich aus Europa zurückgekehrte Bruce Wayne als Hauptverdächtiger in Frage kommt, da er für die Tatzeitpunkte kein Alibi vorweisen kann, sein Vater als Arzt tätig war und er somit auch die notwendigen Fähigkeiten für diese außergewöhnlich grausamen Taten haben konnte.

Mike Mignola war bei diesem One-Shot (nur) der Vorzeichner, was aber 1988 für ihn ein riesiger Karrieresprung war. Zum einen war der Band so erfolgreich, dass hieraus die Elseworld Reihe entsprungen ist, zum mutierte er vom Coverbilddesigner zum Comiczeichner. Rückwirkend betrachtet kann man in diesem Band Mignolas Stil zwar erkennen, jedoch an vielen Stellen nur erahnen. Da er selbst nur die Zeichnungen, jedoch nicht das Tuschen vorgenommen hat geht an seinem ursprünglichen Konzept sicher einiges verloren. Nichtdestotrotz ist diese 52-seitige Story von Brian Augustyn um Jack the Ripper in Gotham sehr gut umgesetzt.

Ich kannte diese Geschichte bereits aus dem vierten Band der Carlsen ComicArt Reihe aus dem 1990, welcher seit mehr als einem Jahrzehnt ein wohlbehütetes Dasein in meinem Regal fristet und war daher einzig von der Info, dass Mignola der Zeichner war, überrascht. Dies ist mir damals nicht aufgefallen und ich muss zugeben, dass ich nicht explizit auf Zeichner und Autor achte. Entweder gefällt mir ein Comic oder nicht. Nur selten schaue ich nach, wer mich den mit der Story oder dem Artwork beglückt hat.

Batman: the Doom that came to Gotham
Bruce Wayne ist Forscher in der Arktis und findet dort ein unheimliches Wesen und zerstört es, kehrt ins Gotham der 1920er Jahre zurück und dort setzen sich die okkulten Vorgänge fort. Mehr möchte ich an dieser Stelle nicht zur Geschichte sagen, denn hier merkt man deutlich Mignolas Handschrift. Die mystischen Grundideen des Hellboy Universums finden hier Einzug nach Gotham und strange wie die ganze Story auch ist, funktioniert die Handlung mit Batman statt dem gehörnten roten Teufelchen. Besonders schön finde ich an diesem ursprünglich in drei Teilen veröffentlichten Elseworld Band Mignolas Umgang mit den Nebenfiguren. Talia und Ra`s al Ghul sind zwar handlungstragend, aber blieben im bekannten Schema, aber Harvey Dent alias Two-Face, Oswald Chesterfield Cobblepot alias der Pinguin oder Dr. Victor Fries alias Mr. Freeze sind mit einer komplett anderen Hintergrund dargestellt. Stellenweise kam es mir beim Lesen so vor, als würde er alle Figuren unterbringen wollen. Erstaunlicherweise funktioniert das Sammelsurium an Figuren außergewöhnlich gut. Die Personen haben genügend Platz bekommen und sind hervorragend in die Handlung integriert.   

Die Zeichnungen von Troy Nixey kann man getrost als Stilkopie von Mignolas Hellboy bezeichnen. Es passt wundervoll zu Mignolas Story, welcher sich hier in großen Teilen von H.P. Lovecraft inspirieren lassen hat. Fans von Lovecraft, Hellboy und Batman werden mit diesem Comic ihre wahre Freude haben. Mir war die Geschichte gerade gen Ende etwas zu abgedreht, aber hatte trotzdem höllischen Spaß beim Lesen. Diese Geschichte ist bereits 2001 unter dem Titel „Schatten über Gotham“ von Panini im DC Premium Band Nr.1 veröffentlicht worden und auch hier muss ich zu meiner Schande zugeben, dass mir der Band außergewöhnlich gut gefallen hatte, aber der Name Mignola mir entweder kein Begriff oder mir nicht von gesondertem Interesse war.

Sanctum
Dieser Comic wurde ursprünglich 1993 in Legends of the Dark Knight 54 veröffentlicht und ist gerade wegen dem großflächig schattierten Layout und dem sparsamen Einsatz an Hintergrundbildern interessant, die Story ist wiederum nach meinen Geschmack wieder ein Zacken zu schräg für das „realistische“ Batman Universum. Ich will auch an dieser Stelle mich nicht in die Storydetails verwickeln, denn hier kann man keinesfalls von einem Meisterwerk sprechen. Im Rahmen der Recherche zu dieser Rezension musste ich feststellen, dass ich im Besitz der originalen US-Ausgabe bin und alle Hefte aus dieser Reihe, welche sich in meinem Besitz befinden gelesen habe, ich mich trotzdem nicht an diese Geschichte erinnern konnte. Kein gutes Zeichen oder?  

If a Man be Clay!
Clayface ist nicht unbedingt eine Figur mit der ich etwas anfangen kann. Er kann sich verwandeln, verformen und erinnert mich zu sehr an den Sandman von Spider-Man. Er ist im Gegensatz zu den restlichen Bösewichten aus Gotham wohl am unrealistischen und gerade den Bezug zur Wirklichkeit und dass eigentlich keine Superkräfte im Mittelpunkt der Batman Geschichten stehen mag ich so. In der Geschichte wird die Origin von Clayface wieder mal neu in Szene gesetzt und diese hier ist nicht nur mies sondern auch bis ins Detail einfallslos. Ursprünglich ist dieser Comic in der Reihe „Batman Villians Secret Files and Origins“ 2005 erschienen und ich weiß nicht ob sie bisher schon einmal in Deutschland veröffentlicht wurde. Geschichte um den Mann aus Schlamm habe ich bisher immer nur überflogen und oft ganz ausgelassen. Dieses Mal habe ich mir die Mühe gemacht und hätte es sein lassen sollen. Anfänglich fand ich die Dialoge im Stil der 70er Jahre recht witzig, doch mit jedem weiteren Satz von Robin ging mir das „heilige Gebrabbel“ auf die Nerven und zweifelte schlussendlich am Geisteszustand des Autors.

The Gasworks
Die letzte Geschichte ist im Rahmen der „Black & White & Red“ Serie erschienen und wieder stilistisch wertvoll aber einfach zu kurz für eine Review. Es ist ein Schmankerl für den Leser und zeigt deutlich das zeichnerische Können Mignolas.

Fazit
Eine schöne Zusammenstellung eines begnadeten Geschichtenerzählers und Zeichners. Es ist sicher der Vollständigkeit geschuldet, aber der Band hätte eine deutlich höhere Qualität ohne „Sanctum“ und „If a Man be Clay!“ Ich muss mit bedauern feststellen einen Großteil der Comics bereits im Regal zu haben, jedoch sind die beiden Hauptgeschichten sicherlich schwer zu bekommen und gehören in jede Sammlung. Panini hat einen auf 222 Stück limitierten Hardcoverband herausgebracht und die Fans somit ein schönes Buch dargereicht. Zugreifen, genießen und sich ein eigenes Bild machen. Ich werde diese Woche dann mal in Hellboy reinblättern. Hat jemand einen Tipp für mich womit ich anfangen soll?

1 Kommentar:

  1. Wenn du keinen Wert auf Kontinuität legst dann fang mit Hellboy 6: Sieger Wurm an. Herrlich pulpig und der Punkt an dem auch das Spin-off um die Behörde beginnt. Wenn es dir nur um die "große Hellboy Geschiche" geht solltest du die Sammelbände "Saat der Zerstörung", "Der Teufel erwacht" ,"Sieger Wurm", "Der Ruf der Finsternis", "Wilde Jagd" lesen. Dann fehlt nur noch das Ende der Trilogie der im Mai bei CrossCult erscheint. Das sind die größen Handlungsbögen. Die anderen Bände enthalten viele gute und lesenswerte Kurzgeschichten.

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