Samstag, 31. März 2012

Comicreview: Ich habe Adolf Hitler getötet oder die Geschichte warum ich nie geboren wurde


Der Zeichner und Autor Jason hat mit seinem Comic „Ich habe Adolf Hitler getötet“ eine Zeitreisegeschichte um einen Profikiller entworfen, der den Auftrag hat den faschistischen Diktator und Massenmörder umzubringen, doch was sind die Auswirkungen auf die Zeitgeschichte, wenn eine der prägendsten Figuren des 20. Jahrhundert plötzlich verschwindet?  


Als ich den Comic von Jason im Regal hab stehen sehen, war ich selbstverständlich sofort begeistert. Einer hat sich getraut. Hitler umbringen! Jason beschreibt ein fiktives Berlin in den 90er Jahren. Auftragsmord ist legal und die Kunden stehen Schlange. Es ist alltäglich, dass Menschen öffentlich niedergeschossen werden. Die Gründe reichen von berechtigt bis zur Belanglosigkeit. Die namenlose Hauptfigur verdient seinen Lebensunterhalt mit Auftragsmorde und wird von einem Wissenschaftler aufgesucht. Der bietet ihm ein Vermögen. Er soll mit einer Zeitmaschine in die Vergangenheit reisen und Adolf Hitler töten. Der gutbezahlte Auftrag hat nur einen Haken, denn die Maschine benötigt 50 Jahre zum Aufladen und er hat somit nur eine einzige Chance. Der Killer nimmt den Auftrag an und scheitert. Hitler inspiziert die Maschine, drückt den falschen Knopf, landet in der Gegenwart, tilgt sich selbst aus der Geschichte und verschwindet durch die Rasur seines markanten Barts in der Millionenstadt Berlin.

Jason geht mit seiner Geschichte um ein Attentat auf Hitler mittels Zeitreise einen komplett anderen Weg, als ich ursprünglich erwartet habe. Der Comic ist gut gemacht und hat sich sehr flüssig gelesen, jedoch bietet die Geschichte mehr Möglichkeiten. Jason verspielt meines Erachtens viel Potenzial. Beim Lesen wurden einige meiner Erwartungen enttäuscht, was ich aber dem Comic keineswegs ankreide, sondern eher an meiner überbordenden Fantasie zu schreibe, jedoch endet die Geschichte zu schnell oder ist einfach zu kurz. Ich hatte zu spezifische Erwartungen an den Verlauf der Geschichte, aber so wie Jason an die Thematik heran gegangen ist hat mich vollkommen überrascht und unterhalten. Er beschreibt keineswegs die Folgen von Zeitreisen, sondern spielt mit den daraus entstehenden Paradoxien. Der norwegische Autor bezieht keine politische Position, nimmt ethisch keine Stellung und zeigt kein Interesse an die geschichtlichen Auswirkungen durch Veränderung historischer Ereignisse.



Seitdem ich das erste Mal „Zurück in die Zukunft“ gesehen habe bin ich von Zeitreisen und ihren Paradoxen fasziniert. Wenn ich mich richtig entsinne könnte es eine der klassischen Star Trek Folgen gewesen sein. Hier verschwimmt die Vergangenheit bereits in den Wellen der Zeit oder in den Windungen meines erbärmlichen Gedächtnisses. Der Gedanke „was wäre wenn“ ist schon faszinierend. Ich wiederhole mich bereits. Hänge ich in einer Zeitschleife fest oder kann man Zeit nicht anders als faszinierend beschreiben.

Schmetterlingseffekt
Wir werden tagtäglich durch die Medien mit Hitler und dem Faschismus konfrontiert. Es vergeht kein Tag ohne eine Fernsehdokumentation zu Hitlers Helfern, seinen Waffen, seinen Ufos oder seiner Putzfrau. Überflutet von Informationen und der anhaltenden Schuldzuweisung (die ich persönlich an dieser Stelle von mir Weise, jedoch geschichtlich zustimme) ist Deutschland seit 1945 in einer Art Schockstarre. Irgendwann kam mir der Gedanke „was wäre wenn“ ich eine Zeitmaschine hätte? Was würde ich damit anstellen? Wo bzw. eher wann würde ich hinreisen? Der erste Gedanke ist selbstverständlich die Zukunft zu bereisen. Diese Reise birgt jedoch ein erhebliches Risiko, denn du weißt in keiner Weise was dich erwartet. Sicher wären die Lottozahlen von nächster Woche interessant oder wie sieht es tatsächlich 2015 aus? Vielleicht landest du aber auch im Nichts, da die Welt im Dezember 2012 bereits untergangen ist. Bereits zu Schulzeiten gingen mir Neonazis und das gesamte Gerede um Nazis auf den Senkel. „Was wäre wenn“ ich in die Vergangenheit reisen würde und Adolf Hitler töten würde. Zum einen wäre ich ein sagenhafter Held, doch niemanden würde das tatsächlich interessieren, da niemand von seinen Gräueltaten wüsste, zum anderen muss ich dann mal in meine eigene Familiengeschichte zurückschauen. Ich würde nie geboren werden! Dieser euch am Herzen liegende Blog würde somit auch nicht existieren! Meine Großeltern bestehen zu großen Teilen aus deutschstämmigen Flüchtlingen des 2.Weltkrieges, hätten ohne den Krieg niemals ihre Heimat verlassen, hätten sich nicht getroffen und bereits meine Eltern würden nicht existieren. Bumm, Schmetterlingseffekt perfekt bewiesen: Ich töte Hitler und lösche meine gesamte Familie aus.  

Ein kleiner christlicher Nachschlag
Mir wurde vor Jahren das Buch „Das Jesus Video“ empfohlen und ich meine das Buch, nicht diesen schrecklichen TV-Film-Abklatsch, der im Grunde nur denselben Titel trägt und Ansätze der Grundidee verarbeitet. In dem Buch geht es um ein eventuell existierendes Video von Jesus von Nazaret. Die Geschichte um einen Multimillionär, der sich aus purem Interesse an der Archäologie als mitteloser Student an Ausgrabungen beteiligt und dabei in Israel eine 2000 Jahre alte Leiche ausbuddelt, welche nicht nur einen perfekt behandelt Fußbruch hat mittels eine heute praktizierten Methode, sondern dazu noch eine Anleitung für eine Videokamera bei sich trägt, welche wiederum erst in wenigen Monaten auf den Markt kommt. Um es kurz zu machen: in der Beschreibung liegt ein stark mitgenommener Brief auf welchem u.a. die Worte Video und Jesus zu entziffern waren. Was hätte solch ein Video für Auswirkungen auf die christliche Glaubensgemeinde, gar auf die Jüdische oder Muslimische. War Jesus nun ein heiliger Prediger, der Messias, ein Märtyrer oder doch nur ein fanatischer Terrorist? In diesem Buch geht es um die Auswirkung von neu gewonnen Wissen über die Vergangenheit, doch was wäre wenn der Zeitreisende nur einen kurzen aber verfälschenden Abschnitt von Jesus und seinen Pilgern zeigt, wenn er die geschichtlichen Abläufe rund um Jesus durch seine Anwesenheit beeinflusst, gar gänzlich verändert hätte? Ist durch den Zeitreisenden Jesus erst zum Heiligen geworden? So komme ich wieder zu dem Gedanken zurück „was wäre wenn“ die Geschichte so verändert wurde, dass Jesus niemals als der Messias erkannt worden wäre, dass Christentum niemals entstanden wäre? Welchen Schmetterlingseffekt hätte diese Tat ausgelöst?

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