Samstag, 28. Januar 2012

Comicreview: FVZA – Federal Vampire And Zombie Agency

Die Menschheit kämpft mit vielen Viren. Die jährliche Grippewelle wird mit dem Impfstoff der Vorjahresgrippe bekämpft und jährlich beweist die Pharmaindustrie ihre eingeschränkte, auf Umsatz orientierte Sichtweise im Umgang mit dieser Gesellschaftskrankheit. Wenn wir schon nicht in der Lage sind einen Grippevirus einzudämmen, was passiert mit der Menschheit im Fall einer Zombiegrippewelle oder auch beim Ausbruch eines Vampirvirus. Was passiert also, wenn diese Kreaturen real wären. Wie würde die Gesellschaft darauf reagieren. Was macht die Regierung, die Wissenschaft? Welche Strukturen müssen geschaffen werden? Die Website www.fvza.org hat diese alternative Realität beschrieben und auf dieser Grundlage entstand der Comic „FVZA – Federal Vampire And Zombie Agency“.

Dr. Hugo Pecos ist der ehemalige Leiter der Federal Vampire And Zombie Agency, einer ins Leben gerufenen Sondereinheit zur Bekämpfung der Zombie- und Vampirseuche. Die Legenden um die Existenz dieser Kreaturen existieren in den verschiedensten Kulturen teils seit Jahrtausenden, doch zu Zeiten des Wilden Westens und der Urbanisierung der Vereinigten Staaten stieg die Population der Vampire sprunghaft an. Sie überrannten eine komplette Ortschaft und zwangen somit die Regierung zum Handeln. Die Agency wurde aus Milizen gegründet und es bildet sich ein effektives Netzwerk. Mit der Erfindung eines Impfstoffs gegen den Zombievirus und in den 60er Jahren gegen den Vampirvirus wurde die Epidemie eingedämmt, somit die Agency zwecklos und aufgelöst.

Pecos zog sich mit seinen verwaisten Enkeln in die Wüste zurück und bereite sie auf das Wiederauftreten der Epidemie vor. Er unterwies sie in den verschiedensten Kampftechniken und vermittelte ihnen aus seinem immensen Erfahrungsschatz das notwendige Wissen diese mögliche Katastrophe zu überleben. Die beiden Geschwister lernen wissbegierig bis in Erwachsenenalter als sie an ihrem Großvater nahezu paranoide Züge erkennen. Doch gerade an diesem Punkt angelangt bricht der Zombievirus erneut aus und eine gesamte Region muss unter Quarantäne versetzt werden. Es liegt die Vermutung eines Anschlags mittels einer biogenen Waffe nahe und der Präsident der Vereinigten Staaten ruft die FVZA wieder ins Leben. Pecos wird als Berater hinzugezogen und seine Enkel dienen als Ausbilder für die Spezialeinheit, doch die Ermittler stehen vor einem Rätsel, denn wer ist für diesen Angriff verantwortlich und wer hätte daran einen Vorteil?

Die Grundidee ist so realistisch, dass einem doch schon der Schauer über den Rücken laufen kann. Eine Virenepidemie ist keineswegs weit hergeholt, denn diese Krankheitserreger sind anpassungs- und widerstandsfähig, durchlaufen regelmäßig Mutationen, was eine Bekämpfung sehr schwierig macht und sind bekanntlich oft für Mensch und Tier todbringend. Das Konzept einer fiktiven alternativen Realitätsbeschreibung als Website ist nicht neu, jedoch hier auf der von Richard S. Dargans Website gradlinig umgesetzt. Ich habe mir die Seite mal etwas intensiver angeschaut und muss sagen, dass das Layout insgesamt etwas abschreckt, jedoch inhaltlich ein Kleinod ist. Hier findet man die Erklärungen, Mythen und biologisch-anatomische Beschreibungen zu Vampiren, Zombies und auch Werwölfen. Die geschilderten historischen Ereignisse bieten genügend Stoff um sich mit deren Umsetzung als Film, Comic und in Buchform ein gesamtes Leben zu beschäftigen. Bisher sind nur die beiden vorliegenden Teile in dem von Splitter zusammengefassten Band erschienen und ich konnte leider bei meiner Recherche keine Hinweise auf eine Fortsetzung finden. 

Der Splitter Verlag hat die zweiteilige Comicreihe in einem hochwertigen Hardcover Band aufgelegt und sogar mit einem Schutzumschlag versehen. Das verkleinerte Format erhält von mir das Prädikat: „S-Bahn tauglich“, wobei man sich gerade bei den effektvollen Zeichnungen ein größeres Format wünschen würde. Hier gilt wieder einmal, dass man nicht alles haben kann. Im Anhang ist ein aufschlussreiches Interview von David Pepose für newsarama.com mit dem Autor David Hine, wo er u.a. den Arbeitsprozess beschreibt, wie man aus einer Websiteidee ein Comic gestaltet. Die Konzeptzeichnungen sowie Entwürfe geben einen Einblick in den Schaffensprozess der Künstler. Hier sind Bilder dabei, welche ich als Kunstwerk gerahmt an die Wand hängen würde. Die Zeichnungen der Vampire, Zombies und der Hintergründe sind wirklich schön anzusehen, bei den Menschen bis auf Dr. Hugo Pecos selbst war ich leider etwas enttäuscht. Sie wirken teils etwas zu schemenhaft und oft charakterlos bis willkürlich austauschbar. Eventuell ist dies jedoch absichtlich, denn dadurch verstärkt sich das Augenmerk auf den Rest der Bildgestaltung sowie die Zeichnungen der Vampire und Zombies. Die Bilder von Roy allen Martinez und Wayne Nichols sind ein wahrer Augenschmaus, was sicherlich auch der Farbgestaltung von Kinsun und Jerry Choo zu verdanken ist.

Der Band ist beim Splitter Verlag erschienen und kostet 22,80 Euro. Lasst euch von dem Preis keinesfalls abschrecken, denn der Comic ist jeden einzelnen Cent wert. Es hat Spaß gemacht in diese Welt einzutauchen und ist mein Tipp des Monats.    

Ich muss an dieser Stelle meinen Kollegen Marcus Koppers danken, der mich mit seiner Rezension bei micomics dazu gezwungen hat, diesen Comic aus einem Ungelesenstapel zu priorisieren.

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