Samstag, 14. Januar 2012

Comicreview: Ein Häring unter Haien

Michael Schröter erzählt „Eene Kriminaljeschichte aus Berlin“ in den 30er Jahren. Allet dreht sich um een janz großen Bruch, wenn nich sojar den größten Bruch seit den Sass Jebrüdern. Die Jungs haben bei ner Firma die Panzerschrank jeknackt und alle Lohnjelder der Belegschaft mitjehnlassen, doch die Schupo hatse erwischt und im Schusshajel niedergemetzelt. Eener konnte mit der Beute von 30.000 Reichsmark entkommen.

Drei Jahre sind mittlerweele verjangen und die Beute ist imma noch nicht uffjetaucht. Die Versicherungsjesellschaft hat von der Pollente die Schnauze full und wendet sich an den Privatdetektiv Mäcke Häring. Seene Ermittlungen erjeben schnell Erjebnisse. Es tut sich een neuer Zeuje uff, nur jibbet een riesen Problem: der Kumpan sitz inna Irrenanstalt umjeben von lauta schreijenden Kriegsopfer. Jegen nen bissle Finanzspritze kriekta den Schrank von Person aus der Anstalt freijekooft und die Tüpe hat nicht weeter im Sinn als zu fliehen, doch Mäcke kennt sich inna Untawelt von Berlin aus und macht sich uff die Suche nach dem Zeujen.

Berlin Quartiere haben ihren eijenen Scharm und da tummelt sich een Schlach von Menschen den man zu neemen wissen muss. Die Schpelunken habns in sich. Nich jeda hatda Zutritt und wenn de da uff dicke Hose machst dann jibbet eene uffde Backe. So muss Mäcke erfahrjen, dass och er nich überall willkommen is. Berlin hat die goldenen Zwanzjer in das nächste Jahrzehnt mitjenommen. Der Jazz ist Hot und die Revuen ausverkooft. Die Nazis sammeln sich im ehemaljen Miljöh und rekrutiern dort ihr schlagkräftjes Personal. Mäcke ist bei den rasuwürfen aus den Kneipen aber nich uffn Kopp jefallen und hat alle notwendjen Informationen jesammelt. So trifft er uffn braunen Trupp und seinen verlorn jejangenen Zeujen, der heesst Franz und isn Säufer. Für ne Buttle Schnaps is der zu jeda Schandtat bereit. Die Jungens mit dem nationalen Stolz haben sich so richich wat vorjenommen. Im Berliner Tanzpalast ist eene Ufführjung mit nen schwarzen Nackedeichen und die wolln se sprengen. Schnüffler Mäcke ist daruff aba vorbereitet.

Dit allet und noch viel mehr hat der Autor in een Comic jepackt. Allet im Berlinerschen und richtich jut erzählt. Mäcke is nen sympathischa, lebenslustiga Kauz und die Zeit treffend darjestellt. Ick war jedenfalls bejeistert. Die Zeichnungen sind uff jedenfall jewöhnungsbedürftig, man jewöhnt sich aba schnell dran. Der Stil erinnert stark an Zille und dit passt einfach uff dit wat der Schröter uns da vermitteln will. Es wird jeschwooft, jesoffen und jeraucht wat dat Zeug hält. Berlin vor dem zweeten Weltkriech jefäält mir jedenfalls sehr jut. Wat wäre wenn frag ick mir ja imma. Wat wäre wenn der zweete Weltkriech nich jewesen wär. Berlin wär wunderschön wa. An manchen Ecken kann man dit heut noch sehn. Jeht mal mit offenen Oagen durch de Stadt und ihr seht es noch.

Mäcke uffn Nebelwerfer inna Jartenkolonie. Een Bild da Götta. Der Schröter hat da echt nette Ideen umjesetzt und sich in die Zeit seines Oppas versetzt. Rausjekommen is nich nur ne Miliöhstudie, sondern een kleines Berliner Bilderbuch mit Jeschichte. Danke für die Untahaltung, hat mir echt jut jefallen. Eene Anmerkung muss aber noch sein: Dit Cover ist gerade mal etwas dicka als der Rest der Seiten und daher nicht unbedingt hochwertich jebunden. Da könnt etwas mehr kommen.

Update vom 02.03.2012

Der RBB hat een Bericht über den Comic jedreht, kiekt mal rin wa.


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