Sonntag, 29. Januar 2012

Comicreview: Barracuda #1 und #2


Ich bedanke mich bei meinem Kollegen und Nachbarn Ti_Leo für die freundliche Leihgabe dieser zwei Ehapa Bände. Es war eine Sonntagslektüre von hohem Genuss und ist aus diesem Grund auf meinem Blog auch einer Erwähnung wert. Piraten sind wohl eine der verklärtesten Figuren der Zeitgeschichte. Es ist von romantischen Helden der Meere bis lumpiges, verfaulendes Dreckspack alles in der Literatur und anderen Medien zu finden. Dieser Comic beleuchtet die Seefahrer vom Land aus.

Barracuda 1. Sklaven
Die Barracuda ist ein Piratenschiff unter der Führung von Captain Blackdog und seinem Sohn Raffy. Sie entern auf hoher See ein spanisches Schiff und machen keine Gefangenen. Einzig die Frauen an Bord sind interessante Handelsware für den Sklavenmarkt. Die einzige Dame des Schiffes reagiert schnell und verkleidet ihren Jungen als Mädchen, da er sonst dem Tode geweiht gewesen wäre. In Puerto Blanco angekommen, wird die Barracuda bereits erwartet. Am Strand wird die frisch gelieferte Ware besichtigt und auf den Sklavenmarkt feilgeboten. Die drei Damen erzielen gute Preise und kommen in verschiedene Haushalte. Die Adelsdame ist auf Grund der Reisebedingungen schwer erkrankt und konnte von einem Orden aufgekauft werden. Dona, die Tochter der del Scuebo wird vom Sklavenhändler selbst gekauft. Der Junge wird zum Rekordpreis von einem mysteriösen Briten gekauft und sich scheinbar über das Geschlecht seiner Ware voll bewusst ist. Das geenterte Schiff hat jedoch noch mehr zu bieten als die transportierte Ware, denn im Besitz der Familie del Scuebo war auch ein sagenhafter Diamant, der auf einer Insel mit dessen letzten Besitzer begraben wurde. Die Barracuda bleibt noch ein paar Tage im Hafen um Nahrungsvorräte aufzuladen und der Sklavenhändler lädt  Blackdog zu einem rauschenden Fest ein. Er lehnt dankend ab, gönnt jedoch seinem Sohn Raffy den Landurlaub. Während des Fests versucht der Orden die Tochter Dona der Familie del Scuebo zu befreien und Raffy wird von Dona angeschossen. Er muss verletzt an Land bleiben und kann die Barracuda bei der Schatzsuche nicht begleiten.

Barracuda 2. Narben
Mittlerweile sind drei Jahre vergangen und das spanische Königshaus hat bisher keine Rückmeldung was aus der Familie del Scuebo geworden ist. Zum Anderen hat die spanische Majestät ein großes Ziel. Es will eine Wasserstraße durch Panama ziehen um Handelswege zu verkürzen. Auf der Pirateninsel Puerto Blanco haben sich Emilio, Dona und Raffy gewissermaßen notgedrungen eingelebt. Allen geht es nicht schlecht. Dona und Emilio sind keineswegs schlecht, auch wenn man von Freiheit nicht sprechen kann. Dona hat den Sklavenhändler geheiratet und unterjocht. Er ist ihr vollkommen erlegen und ist vor Liebe eingeschüchtert. Emilio hat sich entschieden weiterhin als Frau aufzutreten und scheint sich in seinen Besitzer und Förderer verliebt zu haben. Raffy wartet sehnsüchtig auf die Rückkehr seines Vaters und ersäuft seine Trauer im Rum. Eines Tages landet er volltrunken im Meer und wird von Dona aus dem Wasser gefischt. Es entwickelt sich eine Affäre zwischen den beiden heißblütigen Zurückgelassenen. Der mysteriöse Förderer von Emilio erhält Besuch von einem zwielichtigen Narbengesicht, die scheinbar eine lange gemeinsame Lebensgeschichte haben.

Von Autor bis Zeichner
Im Mittelpunkt der bisher zwei von drei erschienenen Bände stehen die drei Kinder und ihr Leben auf der karibischen Insel Puerto Blanco. Der junge aber gedemütigte Piratensohn Raffy, die spanische und heißblütige Adelsdame Dona del Scuebo und der als Mädchen getarnte Emilio. Die Piraten und die Insel bieten einen atmosphärisch geladenen Schauplatz für die Lebensgeschichte der drei Hauptfiguren. Der Autor Jean Dufaux erläutert im Vorwort sehr deutlich seine Beweggründe, warum er dieses Werk schuf. Mein Fazit aus seiner Anmerkung ist, dass er etwas schaffen wollte, was er früher gerne gesehen bzw. gelesen hätte. Ich teile seine Meinung zu dem Fluch der Karibik, denn die Filme sind tatsächlich überladen und verlieren sich in der Masse von Anspielungen und Figuren. Dufaux belässt das Hauptaugenmerk auf den Hauptfiguren und verwebt ihre Erlebnisse in kleinen Schritten. Die beiden Bände haben ein kleines Piratenuniversum geschaffen, in welchem man öfter seinen Anker setzen könnte. Die Zusammenarbeit von Dufaux mit dem jungen Zeichner Jèrèmy funktioniert ausgezeichnet. Den Bildern sieht man ihre europäische Herkunft deutlich an, was mich nicht nur an die alten Hefte aus den 70er und 80er Jahren erinnert, sondern auch an die alten Piratenfilme, welche ich als Kind so gerne schaute. Wiederum sind mir ein paar Figuren zu schön, zu glatt geraten. Sie könnte so auch in einem Manga auftauchen. Ein kleines Manko muss wohl immer zu finden sein. Jèrèmy macht es aber mit der Figurengestaltung insgesamt wieder gut. Jeder Charakter ist markant und einzigartig. Gerade seine Gestaltung des Gesindels und der Piraten kann man als gelungen bezeichnen.

Fazit
Joh, Hoh und ne Buddel voll Rum…Die beiden Bände sind hochwertig gestaltet und machen Spaß beim Lesen. An entscheidenden Stellen hätte ich mir gewünscht, dass die „Kamera“ ein bisschen länger auf das Szenario gehalten worden wäre. Somit schwankt der Comic zwischen Sturm und kleiner Brise. Vielleicht bringt der kommende dritte Band den wünschenswerten Orkan. 

Das Vorwort von Jean Dufaux und die ersten fünf Seiten findet ihr als Leseprobe hier.

Kommentare:

  1. Eine Mischung aus Two-Face und Sparrow?

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  2. Eher aus Sparrow mit einer Prise Ernsthaftigkeit, denn von Gerechtigkeitsausübung zwecks Münzwurf war hier nichts zu finden. Die Narben bei Teil 2 werden übrigens erklärt und die Herkunft ähnelt eher der Hintergrundgeschichte des Jokerlächelns!

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