Montag, 28. November 2011

Steam Noir – Das Kupferherz 1


Steampunk ist seit einiger Zeit in Mode und Felix Mertikat reitet zusammen mit Benjamin Schreuder nicht nur auf dieser Welle mit, sondern setzt sich aus dem Stand an die Spitze der deutschen Comicschreiberlinge. Steam Noir ist ein Band aus dem Hause Cross Cult mit einer auffallend hohen Qualität, die man auf dem deutschen Markt höchst selten findet. 

Der Comiczeichner Felix Mertikat, der eigentlich nie Comiczeichner werden wollte, zeichnet diesen Comic in einem wundervollen, fantasiereichen Stil und setzt die Farben mit gezielten Schattierungen beeindruckend dezent und facettenreich ein. Der Autor Benjamin Schreuder, der immer Autor werden wollte, jedoch nicht für Comics, hat eine Krimi/Detektiv-Geschichte vorgelegt, die mich von der ersten bis zur letzten Seite gefesselt hat. 


Wir begleiten den Bizarromat Heinrich Lerchenwald, einem Seelenfinder im Staatsdienst. Klingt erst einmal ziemlich abgedreht. Seelenfinder kann man noch irgendwie interpretieren, aber Bizarromat hat doch eher was bizarres an sich. Schreuder hat eine Welt erdacht, in welcher die Seelen verstorbener auf der Toteninsel Vineta ihr Dasein fristen und aus unerfindlichen Gründen den Weg zurück in die Welt der Lebenden finden. Heinrichs Aufgabe ist es diese Geister mit einer für die Lebenden gefährlichen Aura aufzuspüren. Er wird in zu einem Tatort gerufen und tappt dabei in einem geheimnisvollen Fall um eine verschwundene Leiche. Unterstützung erhält er von seiner Kollegin Frau D. und dem Roboter mit Seele Richard Hirschmann. Wir erfahren bröckchenweise den Hintergrund von Heinrich und der schwebenden Inselwelten, jedoch immer in einem sehr dezenten Ausmaß. Der Autor überfordert den Leser nicht mit Informationen und lässt viele Details offen bzw. der Fantasie des Betrachters. Autor und Zeichner arbeiten hier stark Hand in Hand und man merkt das Herzblut, welches die Beiden in diese Projekt gesteckt haben.    
Cross Cult hat dem Leser diesmal wieder den Gefallen getan und den Band in A4-Format veröffentlicht. Alles Andere wäre auch ein Frevel gewesen, denn gerade die Zeichnungen von Mertikat machen die Stimmung des Comics aus. Großartige Doppelseiten, Panelanordnungen mit Verstand und eine Farbsetzung von höchster Güte. Mein Highlight des Wochenendes und die Geschenkidee zum Weihnachtsfest an jeden Fan von Kunst und Literatur.

Wieder habe ich einen Comic in einem Übermaß gelobt, aber ich bin begeistert und freue mich auf die Fortsetzung. Nur was muss ich auf Seite 61 erstaunt feststellen. Der zweite Band erscheint im Oktober 2012 und der vorliegende Band endet mit einem Cliffhanger! Die lange Frist bis zur Veröffentlichung des zweiten Teils sei Mertikat und Schreuder aber auch gegönnt, denn diese Qualität will gehalten bleiben.

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