Samstag, 5. November 2011

Mein Kampf mit der Grünen Laterne


Wie ich bereits des Öfteren erwähnt habe, stecke ich in einem tiefen Zwiespalt mit einigen DC Figuren. Übernatürliche Kräfte sind mir suspekt. Die Grüne Leuchte gehört eindeutig zu den Charakteren, denen ich mich bisher konsequent verweigert hatte bis DC sein Universum umgekrempelt hat. Alle Serien sind auf Eins zurückgesetzt worden und ich hatte das verlockende Angebot von dem Berliner Comic Shop Grober Unfug einige Hefte für lau mitzunehmen und als Gegenleistung den Start von The New 52 zu rezensieren.


Bei Hefte für lau und einem (angeblichen) Neustart greife ich natürlich auch mal zu Serien, die mir bisher nicht geläufig waren. Nach einiger Einwirkung des Personals vom Groben Unfug griff ich auch mal Green Lantern zu, wobei die erste Ausgabe von Justice League den größten Anteil an dem Kauf hatte. Die Hefte von Green Lantern hatten mich bisher nicht begeistern können und bleiben nunmehr für mich tabu. Bis vor einigen Tagen hätte ich dafür meine Hand ins Feuer gelegt, dann kam Micomics. Der Comicblog hatte auf seinem Facebookauftritt eine witzige Werbeaktion. Unter den nächsten Likes wurden deutsche Green Lantern Comics aus dem Hause Panini verlost und wie der Zufall es so will, war ich einer der glücklichen Gewinner der Sonderausgabe Green Lantern Rebirth von Geoff Johns und Ethan Sciver. Im Original 2005 im Einzelheftformat erschienen und von Panini in Deutschland 2010 auf den Markt geworfen.

In der letzten Woche hatte ich mich auf meinen Arbeitsweg per S-Bahn nun einige Male diesem Comic gewidmet und da war der Kampf mit DC und seinem Universum wieder. Der Titel klingt für einen Neu/Quereinsteiger schon vielversprechend. Rebirth! Klingt nach einsteigerfreundlich, klingt nach Erneuerung, klingt nach was für mich. Denkste! Schon im zweiten Kapitel fühlte ich mich nicht mehr mitgenommen und war überfordert. Die Figuren sind mir fremd und auch deren Hintergründe. Zur Verteidigung des Autors muss ich zugeben, dass er sich im Rahmen seiner Möglichkeiten (Seitenanzahl) wirklich Mühe gegeben hat, dem Leser den Lebenslauf der verschieden Laternen zu erläutern, jedoch scheint dieses DC Universum in den letzten zwei Jahrzehnten sehr komplex geworden zu sein. DC hat anscheinend an der Figur und dem Comic wie bei Batman so viel rumgedoktert, dass es nahezu unmöglich erscheint ohne Vorwissen einzusteigen/wieder einzusteigen.

Ich gebe aber nicht so schnell auf, denn eigentlich hatte mich die Geschichte schon angesprochen. Aus diesem Grunde habe ich mir heute Morgen zum Frühstück mal eine Leiche aus dem DVD Regal gezogen. Leichen sind Filme die in meinem Regal stehen, aber bisher noch nicht angeschaut wurden. Davon gibt es nicht allzu viele, jedoch unter den in den letzten Jahren erschienen DC Veröffentlichungen war Green Lantern: First Flight der Einzige. Der Film ist eigentlich nur aus einem Grund in meiner Sammlung: er wurde mir bei Ebay nahezu hintergeworfen, was nicht unbedingt sein Ansehen bei mir erhöht hatte.

First Flight klingt wie Rebirth doch einsteigerfeundlich und hier behielt ich Recht. Der Film erläutert die Entstehungsgeschichte der Grünen Laterne in Person von Hal Jordan, einem Testpiloten, der vom Ring gefunden wird und sich im Corps der Polizei des Universums erst einmal beweisen muss. Ich bin ein großer Science Fiction Fan und wurde dementsprechend oft vom Groben Unfug Personal auf Green Lantern angesprochen, jedoch konnte ich mich nie dazu überwinden. Nach den ersten zwanzig Minuten des Films konnte ich verstehen, was sie meinten. Es ist Science Fiction par excellence, nicht in Vollendung, jedoch auf einem hohen Niveau. Ich kann an dieser Stelle nicht beurteilen inwiefern der Film der Comicvorlage(n) entspricht, jedoch wurde ich hier eindeutig mitgenommen und angesprochen.  Okay geklaut haben die Filmemacher auch beim zweitbesten Science Fiction Universum nach Star Trek. Mos Eisley von Star Wars war der erste Anlaufpunkt im „Training“ von Hal Jordan unter der Führung vom zwielichtigen Sinestro, jedoch sei dies entschuldigt, denn wie kann man anders einen abgelegen Planeten und eine Spelunke voller Halunken sonst darstellen. Jedenfalls hatte mich der Film ab diesem Zeitpunkt in seinen Bann gezogen und nicht mehr abhängen können. Ich bin ja oft sehr konsequent was meine Abneigungen angeht und aus diesem Grund hatte ich mich auch der Realverfilmung verweigert. Trotz schlechter Kritiken seitens der Comicszene werde ich mir den Film demnächst mal zu Gemüte ziehen und mir meine eigene Meinung bilden. Ich kann mir vorstellen, dass ich mangels Hintergrundwissen den Film eher genießen kann.

Zurück zu meinem Geschenk von Micomics. Wie bereits erwähnt war ich nach einigen Seiten heftig verwirrt und in eine Geschichte geworfen worden, die interessant, jedoch für mich extrem undurchsichtig war. Ich habe erfahren, dass Hal Jordan mittlerweile keine Laterne mehr ist, sondern erst Parallax und dann ein Mischwesen mit Spectre, eine Art von Sündenrächer, geworden ist. Es gibt nun auch eine neue Laterne, die mit Hal befreundet war und ich habe es mit der gesamten Justice League zu tun bekommen, die mir auch eher befremdlich ist. Ein großes Lob geht an die Zeichnungen von Batman. Er ist anfänglich als ein Schattenwesen gezeichnet und wird später erst richtig gezeigt, was mir sehr gut gefallen hat. Eigentlich ist der gesamte Comic von sehr hoher Qualität zu bezeichnen, denn die Panels sind gut gestaltet sowie die Zeichnungen detailreich, jedoch oft auch zu aalglatt. Der Stil bleibt im gesamten Band durchgängig gleich und sich dabei treu. Dies hat man auch nicht sooft. In der Story erleben wir die Rückkehr die Ur-Laterne Hal Jordan in einem bombastischen Großereignis, welches DC sicherlich auch als solches in den Staaten vermarktet hat, wahrscheinlich bei mir vollkommen vorbeigegangen ist. Aus heutiger Sicht würde ich sagen, dass dies die Story für The New 52 gewesen wäre, denn hier hätte man neue Leser gewinnen können, denn mich haben die aktuellen Ausgaben nicht vom Hocker gerissen und als Leser hinzugewonnen.

DC kämpft seit einigen Jahren mit einbrechenden Verkaufszahlen und dieser Comic zeigt deutlich die Schwächen der Chefetage. Figuren werden alle naselang umgestaltet, neuerfunden, getötet, wiedererweckt und und und. Ist es das was der Leser wirklich möchte? Bleibt man so dauerhaft bei einer Reihe? Zugegeben ich selbst bleibe bei Batman dabei und bin seit Jahrzehnten treu, jedoch quäle ich mich phasenweise durch die Hefte. Ich bin davon überzeugt, dass Konzepte wie Jonah Hex oder The Walking Dead eher den Leser ansprechen. Jonah Hex ist in Kurzgeschichten erzählt. Man kann jederzeit ein Heft kaufen ohne die vorherigen kennen zu müssen. Sie sind Unterhaltungslektüre die einfach Spaß machen sollen. The Walking Dead ist da wiederum komplett anders konstruiert. Es ist wie eine Soap. Die Story ist aufeinander aufbauend und erzählt eine große Geschichte, jedoch komplett in einer Reihe. Bei den DC-Helden ist immer das gesamte Universum involviert. Ich müsste also nahezu 20 Heftreihen verfolgen, um alles mitzubekommen und nicht bei jedem Heft ins stutzen zu kommen. Ich habe keinen Geldscheißer und auch keine Zeit, da mein Arbeitgeber das Lesen von Comics am Schreibtisch sicher nicht toleriert, denn auch er hat keinen Geldscheißer.

Der Sammelband ist recht nett und hat mir das grüne DC-Universum etwas näher gebracht. Ich kann jetzt also mitreden, was vor sechs Jahren in den Staaten bei Green Lantern passiert ist und das bedeutet sicherlich, dass Hal Jordan bestimmt inzwischen zweimal gestorben und die Welt hundertfach kurz vor dem Untergang stand. Nach dem animierten Film First Flight kam ich deutlich besser mit dieser Lektüre zurecht. Es las sich alles etwas flüssiger und ergab dezent etwas mehr Sinn. Ich habe eine Leiche weniger im DVD Regal und einen Sammelband mehr im Comic Regal, sowie etwas mehr Respekt vor dem Durchhaltevermögen der Laternenfans.

PS: Vielen Dank nochmal an Daniel Klein von Micomics, der sich viel Mühe gegeben hat mich über meinen Gewinn zu kontaktieren, obwohl Facebook dies vehement verhindern wollte.

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Zum Abschluss mal noch der Trailer zu Green Lantern First Flight.


Kommentare:

  1. Interessanter Bericht und endlich mal jemand, dem First Flight auch gefallen hat.

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  2. Mit deiner Kritik an der Komplexität des DC-Universums legst du ganz bestimmt den Finger auf die Wunde. Ich denke, dass DC da sich selbst im Weg steht. Wie du meiner Meinung nach richtig feststellst, ist diese Komplexität ein Hindernis für Neueinsteiger. Andererseits ist diese auch das, was den Reiz für die meisten Fans ausmachen dürfte. Immerhin ist DC mit Justice League der Erfinder des Team-Ups und verfolgt diesen Weg seitdem konsequent. Deswegen kann meiner Ansicht nach DC gar nicht anders, als alle paar Jahre den Knopf zum Reboot zu drücken, um nicht den Anschluss an die neuen Fans zu verlieren.

    Andererseits wird der Erfolg von Batman seine Gründe haben, ist er doch der konsequenteste Einzelgänger im DC-Universum.

    Schwierige Kiste.

    Und ich denke, Green Lantern muss man nicht mögen, wenn man keinen Zugang dazu findet. Hätte ich die Comics nicht als Kind verschlungen, würden sie mich heute wahrscheinlich auch nicht hinter dem Ofen hervorlocken.

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