Samstag, 19. November 2011

The Angel of Death on the Road to Perdition

Es war ein typischer Mittwoch. Ich gehe zum Comicshop meines Vertrauens, um mir meine Abos abzuholen und was sehe ich da im Regal drapiert, scheinbar extra für mich: Die zweite Fortsetzung zu Road to Perdition. Mir war noch nicht mal bewusst, dass es überhaupt eine Fortsetzung gibt und ich war wieder einmal in meinem Plan gescheitert nur meine Abos abzuholen. Da der Grobe Unfug im Gegensatz zum Namen ein gut sortierter Comicdealer ist, bin ich meiner Sucht gefrönt und habe mir gleich alle drei Ausgaben einpacken lassen. Zwei S-Bahnfahrten und einen Nachmittag später hatte ich Ausgabe 1 verschlungen und muss deutlich sagen: Ja, es war die richtige Entscheidung Band 1 zu kaufen.


Ich war schon immer eine riesen Mobsterfan. Al Capone, Eliot Ness, die Prohibition, die 20er und 30er Jahre in den Staaten, Scarface mit Paul Muni, Coppola`s Der Pate mit dem grandiosen Marlon Brando, Casino und Good Fellas mit Robert DeNiro oder Die Sopranos und wenn es denn so wäre würde ich sagen es geht immer so weiter, jedoch ist die Anzahl an guten Gangsterfilmen begrenzt. Road to Perdition mit Tom Hanks in der Hauptrolle ist tatsächlich etwas grenzwertig. Ich ging damals aus dem Kino und war unentschlossen ob ich den Film gut finde. Auch auf dem zweiten Blick im TV konnte ich zu keiner endgültigen Entscheidung finden. Der Film hatte Stil und die Story war eigentlich genau mein Fall, jedoch hat er mich nicht mitgenommen und ich weiß bis heute nicht warum. Lag es an Tom Hanks? Lag es an Daniel Craig?

Der Comic hingegen hat mich von Anfang an gewonnen. Er ist mit einer schwarz-weißen Strichzeichnung von Richard Piers Rayner sehr stilvoll gestaltet und erzeugt sofort eine glaubwürdige Grundstimmung. Wie bereits des Öfteren erwähnt bin ich ein großer Freund von simplen Gestaltungselementen, da so nicht vom Wesentlichen abgelenkt werden kann: der Story. Wenn eine Geschichte nicht stimmig ist, kann der Comic noch so gut gestaltet sein, er ist und bleibt somit schlecht. Die Geschichte von Max Allan Collins spielt zur Zeit der amerikanischen Prohibition während der 30 er Jahre im Umfeld von Capone. Die Hauptfigur ist der irisch-stämmige Michael Sullivan. Ein Veteran des ersten Weltkriegs, ein Soldat der in seinem Leben noch nie etwas anderes war. Er hat sich nach dem Kriegsdienst als Killer bei der Familie Looney anwerben lassen. Er ist so gut, dass er selbst von Al Capone und Frank Nitti ausgeliehen wird. Er macht sich in der Szene einen Namen und wird als Angel of Death tituliert. Er verdient gut und kann sich und seine Familie ernähren, sich ein schönes Haus leisten und das zu Zeiten einer Wirtschaftskrise. Seine Kinder wissen nichts über seinen Beruf und sind selbstverständlich neugierig. Michael jr., sein ältester Sohn, versteckt sich im Wagen und sieht ein Massaker mit an, welches von Looney`s Sohn Connor aus einem emotionalen Überschwang angerichtet wird. Michael jr. wird entdeckt und somit zur Gefahr.

Looney Senior schickt Michael O’Sullivan als Bote mit seiner eigenen Todesnachricht in einem Club während Connor Looney die Familie des Profikillers ermordet. Nur Michael jr. überlebt. Ab diesem Zeitpunkt befinden sich Vater und Sohn auf der Road to Perdition. Der Titel ist zweideutig, denn zum Einen ist Perdition ein Ort in Kansas, wo die Schwester von Michaels getöteter Gattin lebt und zum Anderen bedeutet Perditon Verdammnis oder auch Unheil, was sprichwörtlich auch mit Hölle übersetzt werden kann. Auf der Straße zur Hölle trifft den Nagel auf den Kopf, denn für Michael gibt es kein Zurück mehr. Er beginnt einen Krieg, den er allein eigentlich nicht gewinnen kann. Aus diesem Grund entschließt er sich mit dem Chicagoer Mob geführt von Capone und Nitti Kontakt aufzunehmen, jedoch war Looney schneller und ist auch eine wichtige Einnahmequelle für die sich national zusammenraufende Mafia. Michael will Connor und Looney senior leiden sehen. Er macht dem Gangstermob klar, dass er den Krieg erst beenden wird, wenn Connor tot ist. Der Mob schütz Connor und versteckt ihn an wechselnden Orten. Der Engel des Todes weiß ganz genau an welcher Stellschraube er drehen muss, um die Mafia auf sich aufmerksam zu machen und seinen Willen zu bekommen. Der Geldhahn muss angezapft werden. Er zieht mit seinem Sohn durch die Lande und raubt Banken aus, jedoch nimmt er ausschließlich die schwarzen Konto der Mafia mit.

Die Geschichte ist somit ein zweigleisiger Spiegel. Vater und Sohn zweier Familien befinden sich auf der Flucht und gerade dieses wichtige Element kam im Nachhinein gesehen im Film von Sam Mendes nicht rüber. Besonders gut umgesetzt fand ich die Beichten von Michael nach jedem Massaker. Er ist tief religiös und sich bewußt, dass selbst die Beichte ihn nicht retten kann, jedoch scheint diese ihm zu helfen. Die Gesichter der Priester sprechen aber Bände, welche Last er auf diese abgeladen hat.

Die Auftritte von Capone sind im Comic nett gemacht, jedoch eigentlich nicht notwendig gewesen. Hier kann ich Sam Mendes verstehen, der die Szene mit Anthony LaPaglia letztendlich nicht verwendete, da er die Präsenz von „Scarface“ Capone auch ohne Anwesenheit spüren würde. Er wirkt im Comic auch eher als Karikatur, da man ihn als Person wahrscheinlich auch nicht mehr ohne Klischees darstellen kann. Letztendlich ist dies jedoch der einzige Fehlgriff im gesamten Buch.

Der Comic ist in der Vertigo Crime Reihe 1998 im Taschenbuchformat veröffentlicht worden. Das Cover finde ich persönlich etwas misslungen bzw. könnte eine Fehlinterpretation nach sich ziehen. Michale O’Sullivan ist ein liebevoller und führsorgender Vater (untypisch für dieses Zeitalter in welchem der Vater noch mit Sir angesprochen wurde), der seine Familie vor den Machenschaften seines Arbeitgebers schützen und seine Söhne keineswegs in seine Fußstapfen sehen will. Auch hier tun sich erhebliche Unterschiede zur Verfilmung auf. Im Comic gibt es keinen vorherigen Kontakt der Kinder mit Looney senior und im Film ist dieser Gangsterboss der liebevolle Onkel.


Ich bin nun gespannt wie die Fortsetzungen werden. Ich halte euch auf dem Laufenden.

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