Samstag, 15. Oktober 2011

Comicreview: Star Trek – McCoy (Cross Cult)

Der Verlag Cross Cult hat sich mittlerweile zum deutschen Star Trek Aushängeschild entwickelt. In seinem Programm wird unteranderen Deep Space Nine im Romanformat fortgesetzt und hat auch schon einige Star Trek Comics auf den Markt geworfen und die Gott sei Dank nicht in ihrem üblichen Kleinformat wie zum Beispiel bei The Walking Dead). Bisher wurden die Ausgaben zu meiner Freude sogar im Soft- und Hardcover rausgebracht. Leider scheint sich dies für den Verlag finanziell nicht gelohnt zu haben, weshalb für die aktuelle Veröffentlichung des Comics „McCoy“ auf eine Hardcoverausgabe verzichtet wurde. Hey Cross Cult…wie sieht denn das jetzt in meinem Regal aus!
Ich bin ursprünglich Brandenburger und jeder, der schon mal die kleine verschlafene Havelstadt besucht hat weiß, dass wir von Hause aus sehr grummelig sind. Nun bin ich Berliner und somit eignet man sich zusätzlich einen schroffen (aber sympathischen) Umgangston an und genau diese Mischung entspricht Dr. Leonard McCoy und genau deswegen mag ich ihn so sehr. Ich kann mich mit ihm identifizieren. Die Ärzte auf den Raumschiffen im Star Trek Universum waren eigentlich immer die interessantesten Charaktere (ausgenommen Beverly Crusher … die nervte mich nur). Der Holodoc der Voyager, der genetisch aufgewertete Dr. Bashir mit Grenzmedizinsehnsucht und auch Dr. Phlox von der letzten Star Trek Serie Enterprise waren höchst amüsante Figuren. Jedes Mal wenn ich an Tabletten denke bzw. damit zu tun habe muss ich an die Krankenhausszene im vierten Kinofilm denken: „Der Doktor hat mir eine Pille gegeben und mir ist eine neue Niere gewachsen.“ Die Einführung von Dr. McCoy im letzten Kinofilm war eine der witzigsten Szenen und zeigte wieder einmal, wie viel Potenzial in der Figur des Boardarztes stecken kann.  

Es wurde also höchste Zeit, dass Pille oder wie im Original Bones betitelt, ein Denkmal in Comicform gesetzt wird. Die Texte und Zeichnungen stammen aus einer farbenblinden Hand, der von John Byrne, dessen Vita hier auf Wikipedia zu finden ist und mich sehr beeindruckt hat. Im Anhang dieses Bandes findet ihr noch eine kleine Galerie und ein aufschlussreichen Artikel von Christian Endres zum Lebenswerk des Autoren und Zeichners John Byrne. Sehr interessant, unbedingt lesen. 

So dann komme ich mal zum Inhalt der mir nun vorliegenden deutschen Ausgabe. Wie kann man eine Geschichte um einen Weltraumarzt interessant gestalten. Richtig: man setzt ihn Gefahren in den Weiten des Alls aus, die noch nie ein Mensch zuvor betreten hat. Zeitlich ist dieser Comic zwischen den Abschluss der ersten 5-Jahres-Mission (klassische TV-Serie) und dem ersten Kinofilm angesiedelt. Die Enterprise Crew geht getrennte Wege und Admiral Kirk kümmert sich um die Modernisierung des Schiffes.

Insgesamt muss ich sagen, dass dieser Comic wirklich sehr gelungen ist. Er hat schöne Anspielungen auf die originale Serie und trifft mit vielen Anekdoten den Nagel auf den Kopf. Die Charaktere sind unverfälscht und entsprechen nahezu vollständig den ursprünglichen Entwürfen. Einige Handlungselemente der Fernsehserie sind etwas frei interpretiert, jedoch kann man darüber auf Grund der hohen Gesamtqualität hinwegsehen. Letztendlich zeigen die Geschichten etwas, was gerne vergessen wird: das Weltall ist ein Dschungel voller unbekannter Gefahren, welcher höchst vorsichtig erkundet werden muss. Der Mensch ist ein sehr anfälliges hochkomplexes Gebilde und die Natur ist grausam schnell bei der Selektion von unangepassten Lebewesen.   

Ab dieser Stelle spoiler ich ein wenig, wer also wirklich überhaupt nichts vorab wissen will sollte an dieser Stelle abbrechen, jedoch halte ich mich selbstverständlich auch etwas zurück, denn die gesamte Spannung werde ich euch keineswegs nehmen.

Wir werden in die Geschichte „Unkraut“ mittels eines altmodischen Kommunikationsmittels eingeführt. McCoy schreibt seinem alten Freund Admiral Kirk einen handgeschriebenen Brief und berichtet von seinem aktuellen Einsatz im Grenzgebiet der Föderation. Der alte grantige Doc ist mit einem weiteren Arzt namens Duncan auf einer medizinischen Mission mit einem noch älteren krackligen Shuttle unterwegs, als ein blinder, weiblicher, androianischer Passagier für eine Kursabweichung sorgt. Die Drei landen nach einem Notruf auf einer abgelegenen menschlichen Kolonie. Diese hat einen für menschliche Kolonien hohen technischen Standard, jedoch mit einem Seuchenproblem der schwerwiegenden pflanzlichen Art zu kämpfen.

Dieses Kapitel beschreibt die klassischen Elemente, welche Roddenberry immer so wichtig waren. Humanität und auch Umweltschutz sind Kernelemente der Star Trek Philosophie und hier die Hauptthematik. Es ist eine kurzweilige Geschichte und ich bin auch mit dem Artwork sehr zufrieden. Es ist nicht so aalglatt und erinnert an die alten Carlsenausgaben, welche ich damals nahezu verschlungen habe. Dass die Zeichnungen so sind wie sie sind, liegt ganz sicher an dem Künstler selber, denn er gehört ja selbst zur alten Garde. Er weiß seine Geschichte zu erzählen und gestaltet sie in einem einheitlichen Guss. Im Filmbusiness würde man von einem Autorenfilmer sprechen, hier ist der Comic geschrieben und gezeichnet von John Byrne. Prädikat wertvoll. Hat mir gefallen. Ich will mehr davon.

Also springen wir doch prompt zum zweiten Kapitel. Dieses ist mit „Fehler“ betitelt und wir treffen auf einen alten Bekannten: Scotty. Was soll ich sagen, ich liebe die Figur, denn er ist der McGyver der Zukunft, der dir aus einem Kugelschreiben und einem Bindfaden einen Warpantrieb bauen kann. Scotty macht auf Befehl des Admirals Urlaub auf einem abgelegenen Planeten, der demnächst der Föderation beitreten soll. Er hilft dem Planeten bei der Aufrüstung der Hardware, jedoch kommt es zu einem mysteriösen Sterben der Bewohner. Auf den Hilferuf reagiert selbstverständlich McCoys kleines Team und muss sich prompt mit ungewöhnlichen Gepflogenheiten und Protokollen rumschlagen. Nicht unbedingt etwas für den grantigen Landarzt und seiner direkten Art. Hinzu kommt ein weiteres Problem. Die Bewohner bewegen sich ausschließlich per beamen und diese Art der Fortbewegung geht dem Doktor bekanntlich gegen den Strich.

In der dritten Geschichte „Ärzte“ treffen wir auf Mr. Seven und finden uns auf einem Planeten wieder, welcher den Klingonen als Wettarena dient. Es werden menschliche Soldatenklone des 20.Jahrhunderts gegeneinander aufgehetzt und mit Waffen versorgt. Wieder finden die klassischen Roddenberrywerte in der Handlung ein hohes Maß an Aufmerksamkeit und meinen Respekt, denn genau das ist es, was Star Trek ausmacht. Es ist eine Parabel für das menschliche Handeln und eine kräftige Prise Moral mit dem Zaunpfahl.

In der vierten Geschichte „Wirte“ haben wir ein Wiedersehen mit Christine Chapel, welche in der TV-Serie von Roddenberrys inzwischen verstorbenen Gattin Majel Barrett verkörpert wurde. Ich muss an dieser Stelle einfügen, dass ich besonders ihre Darstellung der Lwaxana Troi bewundere, denn ihre locker leichte Art war für jede Folge eine Bereicherung. Es hat einfach Spaß gemacht ihr zuzuschauen und die Dialoge mit Picard oder auch Odo werden mir wohl immer in Erinnerung bleiben. Übrigens war sie auch die originale Stimme des Boardcomputers. In der letzten Geschichte geht es um eine ungewöhnliche Erkrankung, wenn man es als eine solche überhaupt bezeichnen kann. Menschen erhalten einen Zuwachs an Fähigkeiten bzw. diese werden verstärkt. Ihre Hirnfunktion steigt rapide an. McCoy macht sich also auf der U.S.S. Yorktown auf die Spurensuche. Ein erster Hinweis ist ein seltsamer Waldmond im Orion Sektor, auf welchem die „primitiven“ Lebewesen mittels Mathematik kommunizieren. Nachdem jedoch nicht mehr nur Mitglieder des Außenteams betroffen sind, ist von einer Seuche auszugehen und es ist Eile geboten, denn die ersten Crewmitglieder sind bereits verstorben, da ihr Hirn förmlich explodierte.  

Die letzte Geschichte „Skalpell“ war mich persönlich das Highlight und darüber werde ich nicht berichten, denn diese Geschichte müsst ihr ohne mein Gewäsch genießen. Viel Spaß.

Eine Leseprobe dieses Comics findet ihr hier bei MyComics.

Wer noch nicht genug bekommen hat, sollte sich mal an die aktuell angelaufene Ongoing von IDW setzen. Diese Comicreihe beschreibt die Geschehnisse nach dem letzten Kinofilm mit Elementen aus der klassischen Serie und den neuen (jungen) Figuren. Meines Erachtens ist die erste Ausgabe sehr gut gelungen und lesenswert. Eine Rezension hierzu findet ihr hier und Nachschub erfolgt mit jeder neuen Ausgabe. Versprochen.

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