Freitag, 28. Oktober 2011

Comicreview: The King - Elvis ist tot … oder doch nicht?

Beim Stöbern durch den Hamburger Comic Room bin ich auf den Comic „The King“ gestoßen. Ich hatte vor langer Zeit mal darüber gelesen, jedoch jeglichen Gedanken daran verloren.  Da mein Warenkorb eh schon überfüllt war machte dieses Büchlein den Braten auch nicht mehr fett und ich als ewig gestriger Elvisfan(atiker) konnte auch irgendwie nicht einfach so vorbei gehen.

Ich bin ja auch als Verschwörungstheorieanhänger bekannt, zwar eher wegen der interessanteren Geschichte im Gegensatz zur Realität, und daher beim damaligen Artikel auch sofort hin und weg gewesen von der Geschichte. Bis jetzt war ich ja überzeugt, dass Elvis mit dem schwarzen Kennedy im Altersheim gegen eiternde Furunkel am Schwanz und Senioren aussagende Mumien kämpft. Heute, zwei S-Bahnfahrten und einen Nachmittagskaffee später bin ich nach der Lektüre von Rich Koslowski eines Besseren belehrt worden.
Die Geschichte dreht sich um den erfolglosen Journalisten Paul Erfurt. Vor Jahren bekannt geworden durch abstruse Artikel über Elvissichtungen, hat er mittlerweile seit Jahren keinen Artikel mehr veröffentlichen können, seine Familie hat ihn verlassen und er hat sein Herzblut für den investigativen Journalismus verloren. Wie aus dem nichts soll er nun für das Times Magazin einen Artikel über den King des Rock`n`Roll schreiben, der seit 6 Monaten eine erfolgreiche Elvis-Show in Las Vegas über die Bühne zieht. Die Frage ist nur, wer ist dieser mysteriöse Typ. Ist es Elvis persönlich oder doch nur ein ziemlich talentierten Elvis-Imitator. Seine Show ist beeindruckend und singen kann er auch. Umgeben von ziemlich zwielichtigen Gestalten, abgeschirmt von der Öffentlichkeit ist gerade der abgehalfterte Erfurt der erste Journalist der Elvis interviewen darf.

Neben dem King interviewt Erfurt auch das Umfeld und die Entourage. Alle berichten von Erlösung und Bekehrung. Elvis ist (ein) Gott und hat ihnen das Leben gerettet. Liebend gern würde ich auch von mir sagen, dass Elvis mein Leben gerettet hat, jedoch hat er „nur“ meinen Musikgeschmack prägend beeinflusst und somit schließt sich für mich der Kreis und ich muss feststellen: Elvis hat mir doch das Leben gerettet.


Nach und nach versucht der ausgediente Erfurt sich durch das Dickicht an offenen Fragen zu wühlen und mit jedem Interview des Umfeldes vom King werden neue Fragen aufgeworfen. Er bittet einen alten Freund mit guten Kontakten zur Polizei um Unterstützung bei der Recherche. Vegas war schon immer ein heißes Pflaster und hat Klientel jeder Gesellschaftsschicht angezogen. Umso mehr überrascht ihn der Kult um den zurückgekehrten King. Der immer mehr verwirrte Autor trifft auf bekehrte Spieler, eine Elviskirche in der Wüste und sogar auf die Tochter von Elvis (und die ist nicht Lisa Marie). Die Interviews mit dem King selbst gestalten sich als besonders schwierig. Der erste Versuch wird von dem Musiker nach der ersten Frage abgebrochen. In den weiteren Gesprächen zeigt sich der King geschickt in der Wahl seiner Antworten. Er ist präzise und trotzdem wage. An dieser Stelle muss ich den Autor und IGNATZ-Preisträger Rich Koslowski wirklich loben. Er schafft es in den Dialogen und Gedankenblasen alles und nichts zu sagen. Der Leser bleibt wie Erfurt mit jedem Häppchen an Informationen immer im Unklaren und ist trotzdem fasziniert und neugierig, wie es wohl weitergeht. Die Story hat einiges zu bieten. Es gibt unvorhersehbare Wendungen, die mich platt gemacht haben. Man eh ist das gut, man eh wieso lese ich dieses Buch erst jetzt?

Ich habe diesen Comic innerhalb weniger Stunden verschlungen und kann wirklich nichts Negatives über Gestaltung und Geschichte sagen. Selten wurde ich so gut unterhalten. Die Geschichte ist keineswegs nur etwas für Elvisfans, sondern für jeden der mit Krimis und Thriller etwas anfangen kann. Der Comic ist beim Edition 52 Verlag 2008 erschienen, sicher noch erhältlich und mein Tipp/Highlight der Woche. Ich kann nur empfehlen dieses Werk mit etwas Elvis Musik im Hintergrund zu hören, denn das steigert den Genuss ins Unermessliche. Die erste Hälfte der Geschichte habe ich heute in der S-Bahn gelesen und muss berichten, dass ich so gefesselt war und eine Station zu weit fuhr und dies nur wegen einem Kapitelwechsel merkte. Ich glaube das spricht für sich. Die zweite Hälfte habe ich dann mit musikalischer Untermalung genossen und … ich bin dahingeschmolzen.   

Kurz mal was zur Optik. Der Comic ist im Taschenbuchformat, jedoch sind die Panels genau dafür ausgelegt, was zum Einen den Lesefluss fördert und zum Anderen dem Zeichner die Möglichkeit bietet die teils interviewlastigen Zwiegespräche interessant und abwechslungsreich zu gestalten ohne zu langweilen.  Die Zeichnungen sind schwarz/grau/weiss und bilden einen Kontrast zur bunten Glitzerwelt Las Vegas. Es ist eine geschickte Wahl auf Farben komplett zu verzichten, da dies die Konzentration auf die Details, wie zum Beispiel die Gesichtszüge und Emotionen der Figuren, deutlich erhöht sowie eine triste mysteriöse Grundstimmung schafft, welche an das Film Noir Genre erinnert. Die Geschichte entwickelt sich zu einem Krimi, eine Art von Katz- und Mausspiel, ein Kammerspiel, spannend, packend, historisch und gespickt mit Zitaten. Ein Lesegenuss den ich empfehlen MUSSSSSSS!!!! 
Elvis-Wanduhr Eigentum von Tiberius Tarante (unverkäuflich)


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