Freitag, 28. Oktober 2011

Comicreview: Daddy – Jesus und sein BlindenFührer

Ich weiß nicht ob ich es wirklich wagen soll über den Comic Daddy wirklich eine Rezension zu schreiben. Ich bin Atheist aus Überzeugung und habe einen tief sitzenden Glauben an die Realität, an das Hier und Jetzt, an Leben und Tod und an das Vermodern danach. Wer den Comic nicht kennt fragt sich jetzt selbstverständlich, was der Typ da labert. Also hier mal kurz eine Inhaltsangabe und ich mache es mir einfach, denn der Buchrücken dieser Splitterausgabe trifft den Nagel auf den Kopf: „Der Sohn Gottes kehrt auf die Erde zurück – und diemal hält er nicht die andere Wange hin!

Wir befinden uns in einer Zeit, wo furchtbare Kriege, barbarische Taten und Katastrophen das Los der Menschen des dritten Jahrtausend ausmachen. Also verlangt Gott von seinem Sohn, dass er sich erneut den Menschen offenbart und sie ihm zuführt. Doch Jesus will nicht noch einmal dieselben Opfer durchleiden, denn er hat die Täuschung seines Vaters durchschaut. Deshalb schlägt ihn Gott zur Strafe mit Blindheit. Von einem direkt aus der Hölle kommenden Führer begleitet, wandert er inmitten der Menschen umher, als Armer unter Armen, und verlangt unaufhörlich nach Drogen; das Einzige, was seinen Schmerz gegenüber Gottes Gleichgültigkeit vor dem Flehen seiner Kinder lindern kann…“

Das ist doch mal eine Geschichte, oder? Jesus und sein narrenkappentragender Blindenzwerg mit Chaplinschnauzer sind das Dreamteam des dritten Jahrtausends und wandeln über die Erde, heilen die von Gott gequälten Kinder und legen sich mit Gott persönlich an, weil er einfach nicht antwortet.

Ich bin ehrlich, ich habe mir mehr erhofft. Jesus zerfließt in Selbstmitleid und das über zu viele Seiten hinweg. Es nervt irgendwann einfach nur. Schade, denn die Grundstory und auch die Gestaltung hat sehr viel Potenzial. Matthias Schultheiss hatte mit diesem Comic eine wirklich gute Idee, nur an der Umsetzung hat es etwas gehapert. Er hat einen harschen Umgang mit der Kirche und Religion im Allgemeinen an den Tag gelegt, jedoch bei der Figurengestaltung speziell bei Gottes Sohn Jesus eine Schippe zu viel draufgesetzt.

Bei den Zeichnungen kann ich nicht meckern. Es sind schön gestaltete Tuschebilder mit manchmal fehlplatzierten „Kinderkrakeleien“, die jedoch Abwechslung reinbringen. Hitler als Zwerg mit Narrenkappe als Blindenführhund für den von Gott als Strafe mit Blindheit geschlagenen Jesus ist schon recht gewagt, war jedoch mein persönliches Highlight an dem Comic. Da ich selbst mit Geschichte viel und mit Religion/Glauben wenig anfangen kann, ist diese Geschichte selbstverständlich ein Schmankerl, aber hat auch einen üblen Nachgeschmack hinterlassen. Das dargestellte Weltbild von Gut und Böse aus einer Hand (Gott) und die Verachtung von Gläubigen kann ich nicht ganz mittragen. Ich bin da eher preußisch erzogen und glaube, dass jeder nach seiner Façon leben sollte.   

Letztendlich ist dieser Comic eine dauerhafte Anklage an Gott, warum er so viel Leid auf Erden geschehen lässt. Eine Antwort auf diese Frage werden wir wohl nie erhalten. Vielleicht ist die Antwort 43.

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