Freitag, 21. Oktober 2011

Filmreview: Batman Year One (2011)

Frank Millers Meisterwerk Batman Year One ist endlich verfilmt worden. Die vier Comics aus den 80er Jahren sind mittlerweile Kult und rare Sammlerstücke geworden. Ich muss ja zugegeben, dass ich die Hefte nach der friedlichen Eroberung noch nicht aus der Hülle genommen habe und nur geöffnet habe, eine Pappe hinter zu legen. Die deutsche(n) Ausgabe(n) habe ich jedoch verschlungen, genossen und verehre sie. So wünsche ich mir den dunklen Ritter und es gibt wenige Geschichten aus dem riesen Arsenal, welche diese Qualität erreichen. Ich habe die vier Cover der Ausgaben diesem Post mal beigelegt, denn sie verdeutlichen schon mit welcher Art von Zeichnungen man es bei dem Comic zu tun bekommt. Der Stil ist genial und trägt erheblich zum Erfolg und auch zum Verständnis der Geschichte bei. Die erste Ausgabe (Batman 404) habe ich durch einen Zufall sogar doppelt und kommt, sobald ich den richtigen Rahmen gefunden habe, an die Wand gehangen (ja wie bei Sheldon im Schlafzimmer, aber ich muss ja meinem Namen „Nerd 2.0“ auch gerecht werden!!!).
Ich persönlich hatte ja bis zu den ersten Berichten zu dem DC Relaunch/Reboot The New 52 die Hoffnung, dass wir eine ähnliche Story wie bei Year One erwarten können, da ja von einem Neustart die Rede war. Wie wir nun feststellen mussten gab es ja für das Batman Universum nur eine Neunummerierung und stehen momentan noch vor der Situation nach Flashpoint was jetzt aus der alten Zeitlinie noch als gegeben gilt. Leider war DC nicht mutig genug einen kompletten Neustart wie bei Action Comics (was sich aber erst noch beweisen muss, da nach 6 Ausgaben in der Zeit nach vorne gesprungen werden soll) auch bei Batman zu vollziehen, denn gerade die Startphase ist doch ein höchst interessantes Thema. Der Verbrechensbekämpfer in der Lernphase, der sich selbst erst einmal definieren muss, der seine Grenzen kennenlernen muss, sich einen Namen als Superheld in der Unterwelt machen und auch seine Gegner auch erst noch kennenlernen muss. Eine Ausnahme im aktuellen DC Universum bildet momentan Justice League, da hier Batman als fiktive Figur, als ein Gerücht, dargestellt wird und die anderen Superhelden über seine Existenz überrascht sind (sehr schöne Szenen in den beiden Ausgaben…habe einen Link zu den Rezensionen unten angehängt).

Das Frank Miller eine gute Geschichte erzählen kann ist hinsichtlich bekannt (siehe u.a. Sin City) und dementsprechend war es höchste Zeit, dass Warner Bros. diesen Comic in das Medium Film transferiert. Dieses Comic hat Batman neu definiert und ihn zu dem gemacht was er heute ist. Miller hat Batman von der bunten Bang-Buff-Bang-Figur in den dunklen Rächer verwandelt. Seine Charaktergestaltung erinnert stark an den Film noir. Die Grenzen zwischen Gut und Böse zerfließen und trotzdem sind die Intensionen der Figuren so scharf gezeichnet, dass eine Identifizierung mit den Protagonisten möglich ist sowie ihre Handlungen nachvollziehbar bleiben. Miller hat eine bitterböse Sicht auf die Welt und bringt diese in seine Geschichten mit ein. Seine Figuren sind zynisch und haben mit der Gesellschaft gebrochen. Sie sind Außenseiter, finster und extrem brutal, denn sie haben meist nichts zu verlieren und genauso hat er Bruce Wayne gestaltet. Ich bin sogar überzeugt davon, dass Batman ohne Miller heute nicht so bekannt und beliebt wäre, denn Tim Burtons Batmanverfilmungen aus den 90er Jahren basieren auf genau diesen Stil der Comics. Dunkel, düster, verschwiegen und keine Spur des 70er Jahre Trash. Batman ist mit diesen vier Ausgaben erwachsen geworden und die Comics waren von nun an auch für ein erwachsenes Publikum.

Meine Erwartungen sind hoch und der Drang ihn vor der Deutschlandveröffentlichung irgendwo gestreamt etc. zu schauen war sehr groß. Besonders das umgehen von irgendwelchen Rezensionen war sehr schwierig, da ich grundsätzlich alles rund um Batman lese und somit tagtäglich mehrmals damit konfrontiert wurde. Es war in der letzten Woche so, als ob man das Ergebnis des Fußballweltmeisterschaftsendspielergebnis nicht erfahren wollte. Also nahezu unmöglich nichts mitzubekommen oder ich lasse Twitter bzw. das Internet einfach aus. Geht nicht! Ob es gelungen ist werde ich mir jetzt mal ansehen.  Also bis in 60 Minuten….

… da bin ich wieder und was kann/soll/muss ich euch sagen? Ich bin geflasht, begeistert, hinundweg, aber dieser geniale Film ist einfach zu kurz, denn da wäre für so vieles mehr noch Platz gewesen. Schade. Ich will mehr!!!

Zur Story (und Vorsicht jetzt spoiler ich, obwohl man das bei dieser Kult-Story wohl kaum noch kann):

Grundsätzlich handelt es sich um eine Geschichte über zwei Menschen, die den Kampf gegen das korrupte Gotham aufnehmen. Bruce Wayne, bekanntlich Waise und Milliardär, kehrt nach einem langjährigen Auslandsaufenthalt nach Gotham City zurück und ist verzweifelt was aus seiner Heimatstadt geworden ist. Bei einem verdeckten Spaziergang durch die Stadt stellt er fest was für ein Moloch von biblischem Ausmaß seine Heimatstadt geworden ist. Zuhälter verprügeln ihre Huren, Polizisten schießen ohne Warnung. Er entschließt sich den Verbrechen den Kampf anzusagen und es allein gegen alle aufzunehmen. Es kommt wie es kommen muss. Er hat den Krieg begonnen und die gegnerischen Parteien schießen zurück, jedoch hat er sich nicht nur die Mafia unter der Führung von Carmine Falcone zum Feind gemacht, sondern auch eine gewisse Dame im Katzenkostüm und die Polizei unter der Führung von Lt. James Gordon, der sogar nichts von Selbstjustiz hält. Er versucht der Fledermaus geschickt Fallen zu stellen, jedoch durschaut er Gordons Tricks.

Auf der anderen Seite sehen wir diesen gerechtigkeitsliebenden werdenden Vater Lt. James Gordon, ein ehrlicher Polizist, der gerade in Gotham angekommen ist, in den eigenen Reihen bis zur höchsten Ebene nur auf Korruption trifft und somit, wie Batman, eher ein Einzelkämpfer im Sumpf von Gotham ist. Von seinen Kollegen verachtet kämpft er gegen Windmühlen. Miller schafft es auch bei der Figur des ehrenwerten Gordon ein Kratzer im Image zu hinterlassen. Gordon hat eine Affäre mit seiner Kollegin Sarah, obwohl er verheiratet und seine Frau hochschwanger ist. Es ist schön anzusehen, wie Bruce in die selbst gewählte Rolle hineinwächst. Anfangs noch erschöpft vom Kampf gegen Halbwüchsige, wird er später zu einer nahezu übermenschlichen Kampfmaschine, der seine Kletterkünste so perfektioniert hat, dass Parkour wie Hallenhalma wirkt. Seine Spielzeuge entwickeln sich mit der Zeit. Kinderkrankheiten, wie ein zu empfindlicher Arsenalgürtel werden ausgemerzt. Innerhalb kürzester Zeit wird aus Batman der Held von Gotham, den die Stadt dringend nötig hat und für seine Rechtschaffenheit ins Herz schließt.

Ein kleines Cameo hat auch Harvey Dent (später Two Face), der bei Gordon in Verdacht steht der dunkle Ritter zu sein. Einzig Gordons Kollegin äußert den Verdacht, Bruce Wayne könnte Batman sein und Gordon recherchiert, jedoch liefert Alfred seinem Herrn ein glaubwürdiges Alibi. Bei der persönlichen Befragung stellt sich Bruce wie ein schnöseliges Schwein dar und baut somit sein Image als Playboy auf. Mit der Geburt seines Sohnes wird Gordon angreifbar und Falcone weiß das zu nutzen. Er hat seine Rechnung jedoch ohne Bruce und seinem detektivischen Spürsinn gemacht. Bruce kann Gordons Sohn aus den Fängen der Mafia retten und eine Freundschaft ist geboren. Erzählt wird die Geschichte wie ein Tagebuch oder auch Zeitdokument. Es wird für jede Szene ein Datum eingeblendet, sodass wir die Entwicklung der beiden Hauptfiguren im ersten Jahr minutiös verfolgen können.

Fazit: Für mich der bisher beste animierte Batmanfilm.

Als Specials sind auf der DVD der DC Showcase von Catwoman (mehr dazu hier) und Sneek Peaks zu Justice League: Doom, Green Lantern: Emerald Knights und All-Star Superman, die ich allesamt eher mau fand.Vor einiger Zeit hatte ich gelesen, dass die Planung aufgenommen wurden für eine Verfilmung von Frank Millers zweiten genialen Batmanwerk „The Dark Knight Returns“. Dieses Comic erzählt von einem gealterten Bruce Wayne, der es nochmal wissen will. Bleibt zu hoffen, dass wir nicht allzu lange warten müssen.



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Kommentare:

  1. Warum ist Barbara Gordon hier die Frau von James und nicht die Tochter?? Wer ist dann Batgirl?? Das war doch in der Vorlage nicht so...

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  2. nee nee ... das passt schon...Mutter/erste Gattin von Gordon heisst wie die Tochter

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