Dienstag, 11. Oktober 2011

Comicreview: Batman: Joker’s Asylum I und II

Mittlerweile hat Panini den zweiten Band zur Miniserie Joker’s Asylum im Rahmen ihrer DC Premium Reihe herausgebracht. Beide Bände sind als Softcover oder als limitiertes Hardcover (222 Stück) erhältlich. Ich habe mal reingeblättert.
Das Konzept ist so simpel wie genial. Der Joker sitzt in seiner Zelle im Arkham Asylum und erzählt Geschichten zu den verschiedensten Bösewichten von Gotham. Jede der Geschichten ist von einem anderen Autoren und Zeichner gestaltet, was zum Einen für Abwechslung sorgt und zum Anderen für eine kreative Vielfalt im Stil und Gestaltung der Kurzgeschichten. Batman tritt in dieser Reihe in den Hintergrund und nimmt eine reine Statistenrolle ein, der nur die Festnahme des Bösewichtes als Aufgabe hat.

In der ersten Geschichte des ersten Bandes erzählt der Joker seine eigene Kurzgeschichte mit dem Titel „Geld oder Joker!“ (The Joker’s Mild) geschrieben von Arvid Nelson und gezeichnet von Alex Sanchez. Ich muss es mal so ausdrücken: In einem für DC ziemlich krassen Zeichenstil bekommt das Gothamener Fernsehpublikum den Spiegel vom Joker vorgehalten. Es ist eine unterhaltsame Story, die der Figur des Spassmachers schmeichelt. Sie ist nicht ohne Grund als erstes Heft veröffentlicht worden, denn sie animiert zum Weiterlesen.

In der zweiten Geschichte begleitet der Leser den Pinguin, der wie ich bereits erwähnte (hier) eine meiner Lieblingsfiguren ist. Die Geschichte ist betitelt mit „Wer Zuletzt Lacht…!“ (He Who Loughs Last…!) und stammt aus der Feder von Jason Aaron. Gezeichnet wurde dieses Kapitel von Jason Pearson, der sein Können meines Erachtens vortrefflich zeigen konnte. Ich werde auf jeden Fall mal recherchieren, was er noch so alles auf Papier gebracht hat. Wieder erleben wir eine gedemütigten jungen Oswald Cobblepott und wie sich diese Schmach des Auslachens und Ablehnung durch das weibliche Geschlecht auf seine Persönlichkeitsentwicklung auswirkt. Wieder kann man den kleinen untersetzten Vogelmann verstehen und seine Rachegelüste nachvollziehen. Seine Methoden seien erst einmal dahingestellt, jedoch mit welcher Verachtung er konfrontiert wird verdeutlicht Auf eine drastische Weise seine Motivation zum Handeln.

Die dritte Geschichte des ersten Bandes handelt von Poison Ivy und wurde mit „Defloriert!“ (Deflowered!) betitelt. JT Krul beschreibt in einem nicht gerade gelungenen Stil die Motivation zum Umweltschutz von Pamela Isley. Das Artwork von Guillem March ist ebenfalls sehr durchwachsen und lässt keinen roten Faden erkennen, was den Lesefluss etwas stört. Hier hätte mehr rausgeholt werden können.

Im nächsten Kapitel kommen wir zur Scarecrow. Joe Harris beschreibt in seiner Geschichte „Die Nacht des Schreckens“ (Dark Knight of Scarecrow) die verschiedenen Facetten von Angst. Als Hilfsmittel dient hierfür eine Gruppe von Highschoolkids, welche sich ein „hässliches Entlein“ als Partybelustigung“ eingeladen haben, jedoch hat die einen Therapeuten namens Jonathan Crane, der sich auf den Umgang mit Angst spezialisiert hat. Wir können miterleben, wie schnell sich der Spieß umdrehen kann und das selbst in der Vogelscheuche noch ein Fünkchen Gutmensch lauert. Eine sehr gute Geschichte aus einem interessanten Blickwinkel erzählt. Die Figuren Batman und Scarecrow treten für die Grundthematik in den Hintergrund und lassen somit Spielraum für die Gesamtthematik Angst. Der grobflächige ohne Outlines gestaltete Zeichenstil von Juan Doe unterstützt die albtraumhafte Szenerie und ist für die nachhaltige Wirkung der Geschichte verantwortlich. Ein sehr gutes Zusammenspiel zwischen Autor und Zeichner, welches man sich häufiger wünscht.     

Die letzte Geschichte des ersten Bandes heißt „Doppelt killt besser“ (Two-Face, Too!) und wurde von David Hine verfasst. Wie der englische Titel bereits verspricht, haben wir es hier mit Harvey Dent alias Two-Face zu tun. In dieser „weniger witzigen Fabel“ wird nicht nur dem Leser der Spiegel vor die Nase gehalten. Der Direktor vom Arkham Asylum hat sich das „Paar-Seelsorge-Programm“ ausgedacht. Harvey bekommt einen Gesprächspartner zugeteilt, dem ein ähnliches Schicksal wiederfahren ist. Der junge Mann ist Motivationstrainer, hat ebenfalls einen schweren Unfall erlitten und auch sein Gesicht ist zur Hälfte entstellt. Sein Leben hat er Batman zu verdanken, welcher ihn aus dem brennendenden Haus befreite. Im Gespräch zwischen den Beiden stellt sich schnell heraus, dass sie sehr unterschiedliche Weltanschauungen haben. Harvey ist überzeugt davon, dass dieser junge verblendete Mann einer Lehre bedarf. Kurzum, Two-Face bricht aus der Irrenanstalt aus und entführt die Frau des Paar-Seelsorge-Partners um ihn vor eine grausame Wahl zu stellen. Er kann das Leben seiner Frau retten indem er seine Retter Batman tötet. Die Zeichnungen von Andy Clarke sind nicht sehr berauschend, was aber den Lesegenuss der erzählten Geschichte nicht die gute Qualität nimmt.

Der zweite Band steht in Qualität dem Ersten in nichts nach. Den Auftakt macht der Mad Hatter in einer von Landry Quinn Walker geschriebenen und von Keith Giffen (Schöpfer von Lobo) und Bill Sienkiewicz gestalteten Geschichte namens „Teestunde“ (Tea Time). Hier merkt man eindeutig den Stil von Giffen. Er ist dreckig, grob und fantasievoll. Trotz des groben Strichs lässt er genügend Platz für Details. Die Geschichte selbst ist altbacken und hinsichtlich bekannt. Leider nichts Neues zur Figur hinzugefügt, daher ziemlich konträr zum wundervollen Artwork. Schade das hier nur eine Folge der Animated Series in Comicformat vorgelegt wurde.

Die zweite Geschichte dreht sich um Harley Quinn und wurde von James Patrick geschrieben. „Der wichtigste Tag des Jahres“ (The Most Important Day of the Year) wurde von Joe Quinones gezeichnet und hat mich allein wegen einem Merkmal enttäuscht. Herr Quinones malt hässliche Nasen. Eigentlich ist Harley immer recht niedlich und Stupsnasen können auch niedlich sein, aber nicht die dargebotenen Riechkolben. Zusätzlich arbeitet er mit sehr kräftigen Outlines, was auch eher störend wirkt. Jedenfalls haben diese Ungetüme im Gesichtsbereich sowie das gesamte Artwork mich so von der Geschichte abgelenkt, dass ich wahrscheinlich kein gutes Haar dran lassen würde, wenn ich jetzt an dieser Stelle darauf eingehen würde. Kurzinhalt: Harley bricht am Valentinstag aus, um diesen wichtigen Tag mit ihrem Liebling zu verbringen.

Die dritte Geschichte dreht sich um Killer Croc und wurde unter dem Titel „Die Schöne und das Biest“ (Beauty and the Beast) von Mike Raicht verfasst und von Davis Yardin und Cliff Richards gestaltet. An dieser Stelle muss ich gleich zugeben, dass ich die Figur des Killer Croc nicht mag. In dieser Ausgabe der Miniserie ist er auch noch besonders animalisch gezeichnet, was die Figur an sich schon unglaubwürdig macht. Belassen wir es dabei.

In der vierten Geschichte haben wir das Vergnügen mit dem Riddler alias einem verliebten Edward Nigma, der seit der Verkörperung durch einem miserablen Jim Carrey etwas in Verruf geratenen Rätselmann. „Das Kartenhaus“ (The House the Cards Built) wurde von Peter Calloway geschrieben und Andres Guinaldo hochwertig gezeichnet. Es ist eine Geschichte um Liebe und was sie interessant macht. Es ist das Rätsel und das Geheimnisvolle. Es ist das, womit sich jeder Mann alltäglich plagt: die Frau die er liebt zu verstehen. Kommt es zum Moment der vollkommenen Erkenntnis, kann der Reiz, die Anziehungskraft so schnell verschwinden, wie er gekommen ist.

Die letzte Geschichte des zweiten Bandes ist wiederum ein krönender Abschluss in sieben Akten und ein kleines Highlight. Die Geschichte handelt von dem ehemaligen Schauspieler Basil Karlo, besser bekannt als Clayface, der zu seiner alten Wirkungsstätte, dem Kino, zurückkehrt, jedoch auf ein eigenartiges Publikum trifft. Dieses Kapitel ist von Kevin Shinick unter dem Titel „Mitternachtsmatsch“ (Mudnight Madness) verfasst worden. Gezeichnet wurde diese wundervolle Abschlussgeschichte von Kelly Jones, dem wir die genialen Ausgaben Batman Dracula: Red Rain,  Batman: Bloodstorm, Batman: Crimson Mist und Dark Joker - The Wild zu verdanken haben. Allein dies ist Grund genug diese Geschichte zu lesen.

 Zusammengefasst sind die beiden Joker`s Asylum Ausgaben eine tiefer Blick in die verloren Seelen Gothams. Wir können nun die Motivation und Hintergründe der Täter ergründen, teilweise sehr gut umgesetzt, jedoch an manchen Stellen zu charikaturenhaft bzw. gezwungen rübergebracht. Die Täter haben auch Gefühle und werden dadurch einen Schritt realistischer. Sie zeigen Liebe, begründeten Hass und wie sie mit ihrem Gefühlsleben umgehen. Ein kleiner Einblick in die Psyche der Täter. Das Format ist eine nette Idee und fortsetzungswürdig. Die letzte Ausgabe stammt aus August 2010 und schließt somit eine Weiterführung noch nicht aus. DC ist im Moment noch sehr mit dem Neustart The New52 beschäftigt, daher heißt es im Moment wohl noch Geduld haben.

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