Samstag, 1. Oktober 2011

Comicreview: All Star Western #1

Es ist nun die letzte Woche der Erstausgaben vom DC Relaunch The New 52 angebrochen und es ist endlich die Ausgabe erschienen, welche ich am sehnsüchtigsten erwartet habe, denn das Cover schwirrte ja bereits seit einiger Zeit durchs Netz und für mich als großer Batman Anhänger sowie unregelmäßigen Jonah Hex Leser wurden zwei Welten vereint. Wir schreiben das Jahr 1880 und der Kopfgeldjäger Jonah Hex reitet in Gotham City ein. Yeah.
Er ist entstellt, verwittert, verroht und nicht auf den Kopf gefallen, obwohl er stark danach aussieht. Jonah wird angeheuert um den Schlächter von Gotham zu finden. Ein gewisser Dr. Arkham soll den Einzelgänger bei den Ermittlungen helfen, da die Polizei in einer Sackgasse zu stecken scheint. Es wird das mittlerweile fünfte „leichte Mädchen“ tot aufgefunden und immer steht ein Wort in blutigen Lettern und unterschiedlichen Sprachen an der Wand geschrieben: Angst.  

Das klassische Thema eines Hurenmörders like Jack The Ripper: intelligent, wohlhabend, geschützt. Wer jetzt unkt dies wäre doch schon hundertmal geschrieben bzw. verfilmt worden kann ich nur zustimmen, jedoch nicht in diesem perfekten Mix aus Western, Sherlock Holmes und Batman. Für mich war der Kopfgeldjäger eh schon immer der Batman in Cowboy-Kluft und jetzt reitet er auch noch in Gotham ein. Danke DC…ihr könnt Gedanken lesen. Die deliziöse Verknüpfung zum Batmanuniversum mittels Gotham als Dreh- und Angelpunkt der Story, Dr. Amadeus Arkham als Psychologen und zukünftigen Gründer der Anstalt Arkham ist das Sahnehäubchen auf meinem heutigen Dessert. Auf die Spitze treibt es die Kirsche auf dem Sahnehäubchen im Vorfahr des Pinguins in der Position des Bürgermeisters von Gotham. Der Leckerbissen wäre natürlich nicht komplett ohne ein Familienmitglied der Waynes. Alan Wayne ist also die geraspelte Schokolade auf dem Eisbecher, auch wenn er nur bisher eine Randnotiz ist.

Gotham sieht aus wie das viktorianische London und tatsächlich findet man sich in einer Story wieder, welche aus Arthur Conan Doyles Feder stammen könnte. Die Stadt ist der Schmelztiegel aus Einwanderern. An vielen Stellen kann man erkennen, welches Vorbild Gotham City schon immer war: der Big Apple. Eines stellt man bereits auf den ersten Seiten fest: Gotham war schon immer ein heißes Pflaster. Schon bei der Ankunft muss sich Jonah den notwendigen Respekt mittels Revolver verschaffen.

Auf dem ersten Blick fällt Eines sofort auf. All Star Western ist realistischer als das übliche DC Superheldengesindel und das auch noch in einem eher für Vertigo üblichen Stil. Grobe Zeichnungen, aber kein GroberUnfug, obwohl ich es dort erstanden habe. Wo sonst? Details sind nur vorhanden, wo es notwendig ist und alles wirkt wie bei einer alten, verblichenen Fotografie. Ein großes Lob an den Zeichner Moritat, der mir bereits die letzte The Spirit Reihe versüßt hatte.

Zusätzlich muss ich die geniale Erzählstruktur loben. Die Geschichte und deren Figuren werden durch die Mitschriften des Dr. Watson, ähh sorry Dr. Arkham vorgestellt. Dabei stellt sich dem Leser die Frage, wer ist für den Psychologen interessanter ist: der Mörder oder der mordende Jäger eines Mörders. Arkham analysiert Jonah und gibt uns, dem mitgerissenen Leser, ein interessanten Einblick in die Seele des berüchtigten Söldners und hierrüber wird die Figur des Kopfgeldjägers eingeführt. Man erfährt nur bruchstückweise den Hintergrund von Jonah, da dieser eher wortkarg ist. Sein Auftreten, sein entstelltes Äußeres und seine Südstaatenuniform lassen ein paar Rückschlüsse zu, jedoch kann der Psychologe nur an der Oberfläche kratzen und mutmaßen. Die beiden Hauptcharaktere erhalten ihre Tiefe durch ihre Unterschiede. Südstaatenakzent gegen Oxfordenglisch. Roh gegen Gesittet. Misstrauisch gegen Mitfühlend. Dieses ungewöhnliche Team ermittelt nun in einer mysteriösen Mordserie und stößt Türen auf, welche lieber für immer verschlossen hätten bleiben sollen.

Vorteil der bisherigen Jonah Hex Reihe war es, dass unabhängige abgeschlossene Stories je Heft publiziert wurden und man immer wieder reinschnuppern konnte, jedoch die Serie nicht kontinuierlich verfolgen musste. Dies war gut für die Geldbörse. Dieses System wurde nun mittels eines spannenden Cliffhangers durchbrochen. Dies ist wiederum gut für die Geschichte, denn es animiert hundertprozentig zum Weiterverfolgen. Wir erleben den sprunghaften Übergang vom Wilden West zum urbanisierten Amerika. Es bleibt den Autoren also noch viel Stoff.

Sergio Leone lässt grüßen, denn die Bilder laufen wie einem Film und lassen dabei genug Spielraum für die eigene Fantasie. Es fehlt nur noch der Morricone Soundtrack in Form einer säuselnden Mundharmonika beim Aufschlagen des Comics. Für grandios befunden und daher eindeutig Abowürdig. Wie schon des Öfteren vom Groben Unfug BlogSixtett ausgesprochen: hier mein erster LESEBEFEHL im Rahmen des DC Reboot The New 52!!!

Das Kapuzenmädel darf natürlich auch hier nicht fehlen.



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