Samstag, 17. September 2011

Comicreview: Batman and Robin #1 – Born To Kill

Vater-Sohn-Beziehungen sind von Hause aus KONFLIKTGELADEN. Robin war schon immer Batmans Sohn. Bisher war es immer eher ein Mündel, welches den Sidekick des dunklen Rächers bekleidete. Nun ist Bruce Wayne tatsächlich Vater geworden und die Mutter ist ausgerechnet Talia al Ghul. Was soll das für ein Kind werden. Entsprungen aus der Linie des teuflisch bösen Ras’al Guhl und der Wohltäterfamilie Gothams, den Wayne`s. Ein Kind, welches seelische Zwiespältigkeit in die Wiege gelegt bekommen hat. Ein innerer Konflikt, welcher sich bei Bruce durch die Ermordung seiner Eltern entwickelte, ist seinem Sohn Damian bereits angeboren. KONFLIKTPOTENTIAL HOCH 2.

Batman hat also einen neuen Robin. Wäre ich damals „wahlberechtigt“ gewesen, hätte ich, wie so viele andere, aus tiefsten Herzen für die Ermordung von Robin gestimmt. Ich wäre auch heute noch einer der Ersten, der eine solche Petition unterschreiben würde, denn seien wir mal ehrlich: er nervt! Robin war schon immer das Anhängsel, welches es unter Kontrolle zu bringen gilt, der zwar artistisch im Zweikampf zur Seite steht, jedoch immer das Bild verschandelt. Besonders seit Frank Miller den Fledermausmann zum dunklen Rächer transferierte passt das bunte Häufchen Elend nicht mehr in die Welt des düsteren Batman. Er ist meiner Meinung nach einfach ein übergebliebenes Relikt aus der Vergangenheit, welches immer wieder aufgewärmt wird.

Trotzdem habe ich mir diesen Comic in meinem Abo beim Groben Unfug packen lassen, denn es ist Batman und ich gebe (sozial wie ich bin) fast jedem eine zweite Chance. Zugegeben, bei Robin ist es mittlerweile die gefühlte Tausendste, aber das führt mich wieder zum ersten Punkt: es ist Batman. Wie ich schon häufiger  erwähnte kann ich mit dem gesamten Heldenzusammengewürfel nicht viel anfangen und habe mich daher stets dem gesamten Batmanumfeld entzogen. Batwoman, Batgirl, Nightwing und Catwoman waren da, aber nicht bei mir. Ich liebe den einsamen Rächer von Herzen, deswegen doch nicht gleich seine gesamte Sippschaft.   

Der Reboot The New 52 von DC „zwang“ mich mal mit den anderen Serien zu beschäftigen. Batman and Robin ist Bestandteil der Neuauflage. Die Hefte vor dem Reboot habe ich mir aus den Angebotskisten im Groben Unfug gegriffen und kann nur sagen, sie wurden nicht grundlos zum Spottpreis verschleudert. Sie haben mich einfach nicht angesprochen und das lag sicherlich an der Tatsache das Batman von Dick Grayson und nicht von Bruce Wayne verkörpert wurde, da dieser gerade als verstorben galt. Da bin ich also wieder an einem Punkt angelangt, wo ich nur eines feststellen kann: DC was tust du mir nur an.

Das DC-Universum wurde im Flashpoint umgekrempelt, die Batman and Robin Reihe neu gestartet und da haben wir ihn wieder zurück, den Multimilliardär Bruce Wayne im Fledermauskostüm und an seiner Seite sein leiblicher Sohn Damian als Robin. Bruce ist gereifter und verantwortungsbewusster denn je. Damian ist gefühlsgeladen und zur Killermaschine ausgebildet. Dieses dynamische Duo muss sich nun aufeinander einstellen und sich daran gewöhnen ihre privaten Konflikte im Kampf für die Gerechtigkeit zurückzustellen. Es ist interessant welchen Schritt damit die Redaktion von DC gewagt hat. Damian ist ein wildes explosives Etwas und Bruce muss nun ein paar Gänge zurückschalten, doch kann der Leser/Fan diese Entwicklung verstehen bzw. besser gesagt: will er es? Nach dieser Einleitung beginne ich nun mal zu lesen, was mir Peter J. Tomasi, Patrick Gleason und Mick Gray denn nun in ihrer ersten Ausgabe von Batman und Robin zum Frühstück auftischen.

Der Titel der Story weckt schon mal Hoffnungen: Born To Kill! Wird Robin ermordet und verliert Bruce nun auch noch seinen Sohn. Das wäre doch mal eine Charakterentwicklung, jedoch sind Träume oftmals Schäume und die Serie wäre falsch benannt. Ohne die Story gelesen zu haben, kann man den Titel schon auf Damian anwenden, denn er ist zum Killer seit Kindesbeinen an ausgebildet worden und das beißt sich natürlich mit seinem Job als Kämpfer für das Gute. KONFLIKTPOTENTIAL HOCH 3.

Das Cover finde ich sehr gut gelungen. Gothams detailreiche Skyline im unteren Bildrand mit dem Duo Batman and Robin, welches förmlich aus dem Cover einem entgegen springt, hat mich schon mal angesprochen. Der Umhang von Robin in Form von gefiederten Vogelflügeln und das gesamte Design des Robinkostüms gefällt mir, denn es wirkt nicht mehr so kitschig und ist etwas düsterer. Ein Schritt nach vorn und daher schon mal ein Sympathiepunkt von meiner Seite.   

Zur Story: Bruce stellt fest, dass er sich an einem Wendepunkt in seinem Leben befindet und möchte seinem Sohn eine wichtige Lektion für seine Zukunft sowie Lebenseinstellung mitgeben. Bruce hat jahrzehntelang den Todestag seiner Eltern begangen, doch nun hat er sich entschlossen das Leben von der positiven Seite zu betrachten. Der neue „Rememberday“ des Batman ist der Hochzeitstag der ermordeten Waynes. Damian reagiert jedoch wie gewohnt kaltherzig sowie kaltschnäuzig auf diese Erkenntnis mit dem Satz „dead is dead“. Ich glaube mir wäre da die Hand ausgerutscht, jedoch ist dies ein pubertierendes Kind im Robinkostüm, was auch ohne diese rotzfreche Aussage die Prügelstrafe rechtfertigt.

Bruce reagiert besonnen und weiß Damian zu nehmen wie er ist. Er ist sich bewusst, dass der Knabe noch einiges lernen muss. Der dunkle Ritter zeigt sich von der weichen Seite und gibt seine Unnahbarkeit ein Stück auf. Es wirkt nahezu so, als würde seine unterkühlte Seite von nun an dieser Reihe von Robin ausgefüllt werden. Der Batman ist nunmehr ein Mentor und Vater und Robin ist der kaltblütige Kämpfer ohne Gewissen. Bildhaft gesprochen würde man fast sagen, dass Bruce Waynes gespaltene Persönlichkeit nun tatsächlich in zwei Personen vor dem Leser stehen. Batman ist das ethisch-soziale Gewissen und Robin die treibende dunkle Seite, welche vor harter körperlicher Gewalt nicht zurückschreckt.    

Die Geschichte beinhaltet selbstverständlich auch eine Nebenhandlung. Im Kampf gegen eine Einbrecherbande zeigt sich erneut, dass Damian noch so einiges an Erfahrung sammeln muss, um die Rolle des Robin ausfüllen zu können. Er ist ungehorsam, zu stürmisch und bringt sich somit unnötig in Gefahr. Es bestätigt sich für mich wieder einmal, dass Robin im Kampf eher ein Störfaktor denn Hilfe ist und vor Mord nicht zurückschreckt. Ich verstehe nun aber besser was die Autoren sich mit der Figur des Robin eigentlich vorstellen. Der Zwiespalt und die Nähe der vier Figuren, welche eigentlich eine einzige Person darstellen birgt viel Potenzial und daher bleibt mir nur ein Fazit. Richtig entschieden diesen Comic in mein Abo zu nehmen. Richtig entschieden, die Vorurteile bei Seite zu schieben. Richtig entschieden, meiner Intuition zu folgen und Batman noch nicht abzuschreiben nach den vergangenen Debakeljahren.

Die Zeichnungen sind insgesamt gelungen und ein Mix aus dunklen Schatten mit warmen Tönen. Stellenweise sind die Farbspiele ein Tick zu viel bzw. nicht im Gesamtkonzept einer Seite gestaltet. Da können die Macher sich noch so einiges von anderen Serien des Neustarts abschauen. Ein neuer großer Gegner wird ebenfalls eingeführt, der mich bisher nicht besonders anspricht und etwas an den Predator erinnert. Hier heißt es abwarten, was daraus gemacht wird.

Wie bereits schon so oft im Rahmen des Reboots erwähnt, ist auch hier das Kapuzenmädel zu finden. Bin gespannt, was es nun damit auf sich hat.

Fazit: Abo im GrobenUnfug bleibt erhalten. 



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