Dienstag, 23. August 2011

Comicreview: Als die Zombies die Welt auffrassen #1


Ich weiss, schon wieder Zombies. Trotzdem muss dieser Post sein, denn es geht um Zombies. Der Cross-Cult Comic aus dem Jahr 2008 im Gore-O-Scope Format und Terrorcolor hat mich gestern beeindruckt und mehrfach zum Lachen gebracht. An einigen Stellen stellte sich mir die Frage ob ich jetzt Lachen darf oder echauffiert sein muss und gerade diese Mischung macht diese Bildergeschichte zu grandioser Kunst.
Wir schreiben das Jahr 2064 in LA und die Toten sind wieder auferstanden. Der Leser hat nur eine Aufgabe: alle Grundsatzregeln über Zombies vergessen und sich auf die Welt von Guy Davis und Jerry Frissen einlassen. Der Zombie ist dümmlich, jedoch cleverer als üblich. Teilweise können sie sogar sprechen, was gerade bei einer Szene mit drei Zombiepunkern zu einem kleinen Highlight führt, welches stark mit dem auf diesem Blog heiß diskutierten Hirnfrassklischee im Zusammenhang steht.  Aggressivität bzw. die typische Bissigkeit scheint bis auf wenige Ausnahmen keine  Zombieeigenschaft dieses Universums zu sein. Aus diesem Grund wird von Washington beschlossen, dass verstorbene Familienmitglieder im Haushalt verbleiben und durch die noch lebenden Angehörigen ver- und gepflegt werden müssen, was erheblich den familiären Frieden stören kann. Wem die Geschichte irgendwie bekannt vorkommt, dem sei gesagt, Fido kam nach diesem Comic raus und dieser Comic bietet noch ein wenig mehr. Zombies versuchen sich in die Gesellschaft zu integrieren und kämpfen ihrerseits für Gleichberechtigung. Es entwickelt sich sogar eine Bewegung an deren Spitze ausgerechnet George W. Busch seine Mätzchen veranstaltet, was aber eher etwas affig ist.

An dieser Stelle setzt die Geschichte um Karl Neard an. Er ist Zombiejäger. Sein illegaler gutbezahlter Job ist es, „vital Eingeschränkte“ zu entsorgen sowie für bestimmte einfache Tätigkeiten zu besorgen. Es entwickelt sich in der Gesellschaft eine neuartige Kunstszene sowie auch Fetische der speziellen, nicht ganz jugendfreien Art. Karl ist somit ein vielbeschäftigter aber extrem unattraktiver Mann, der seine Akne unter einem Tuch versteckt. Sein Indiana Jones/Crocodile Dundee/Großwildjäger - Look trägt nur den Rest zum karikaturenhaften Gesamtbild bei. Häufig muss man sich als Leser fragen ob die Hauptfigur überhaupt liebenswürdig ist und ob man sich mit dem nekrophilen Typen überhaupt identifizieren kann. Unterstützung erhält der noch im Hause der Mutter lebende Karl von seiner Schwester Maggie und seinem belgischem testosteronstrotzenden Kumpel Freddy Merckx. Mit dem Trio erlebt man eine Gesellschaft, welche mit den Problemen der Integration von Zombies kämpft und bekommt die daraus resultierenden Auswüchse von sehr humorvoll bis extrem grotesk dargestellt. Dabei sind eine besondere Art der Nekrophilie, religiöser Fanatismus und Rassismus nur die drei auffälligsten Beispiele.

Wer mit Ironie und schlechten Geschmack umgehen kann, dem wird dieser Band aus dem Hause Cross Cult gefallen. Die erste Ausgabe ist bereits 2008 erschienen, was eine Veröffentlichung einer Fortsetzung ausschließen lässt, jedoch ist die Geschichte in sich abgeschlossen und daher ohne Einwände kaufenswert. Der Comic ist für Veröffentlichungen von Cross Cult ungewöhnlich überformatig, für Unwissende: im Normalformat.

Der Comic hat etwas ganz besonderes, einen europäischen, eher franko-belgischen Touch. Das dieser Comic von zwei Amerikanern stammt und diese auch noch Witze über Asterix machen verwundert, aber macht dieses besonders geschmacklose Zombieuniversum realistisch, denn seien wir mal ehrlich, amerikanische Hochglanzoptik oder japanischer Manga hätten die Geschichte in die Endzeit geschossen.  Mein Schlusswort: lieber spät als nie gelesen!

Anscheinend gab es sogar einen Piloten für eine Serie. Hier ein YouTube-Fund, welcher die Einleitung des Comics mit beweglichen Bildern liebevoll inszeniert.


Verwandte Posts:

1 Kommentar:

  1. Bin schon gespannt die Tage kommt Post von Cross Cult und da ist dann auch dieser Band dabei. Habe bisher nur das erste US-Heft gelesen und das hat mir schon ziemlich gut gefallen.

    AntwortenLöschen