Sonntag, 11. Januar 2015

In Gedanken



Tagelang habe ich mir Gedanken gemacht. Unzählige Gespräche habe ich geführt und bis heute war ich mir nicht sicher, wie ich mich dazu öffentlich  positioniere. Die grausamen Morde in Paris überschatten den Alltag und die ersten Konsequenzen werden spürbar. 



Beim üblichen Brötchenkauf im Späti nebenan kamen der Verkäufer und ich zwangsläufig über die Ereignisse in Frankreich ins Gespräch und automatisch begab sich mein muslimisches Gegenüber in eine Position, in welcher er sich hätte rechtfertigen müssen einer Gruppe anzugehören, die dieser Tat schuldig sei.

Es gibt nicht nur die Opfer in Frankreich. Nein. Wir alle sind Opfer und müssen nun über die Konsequenzen nachdenken. Der Generalverdacht ist vor unserer Haustür angekommen und wir alle müssen an uns arbeiten. Ich nehme erschrocken meine Schrippen und den Tagesspiegel mit, in welchem ich zehn Karikaturen und eine fast als Randnotiz wahrzunehmende Meldung über Ralph König finde.  Der Comickünstler hatte eine kürzlich über Facebook gepostete Karikatur wieder gelöscht und das schlimme ist, ich kann seiner Argumentation folgen (hier ist der Artikel deutlich ausführlicher online). Plötzlich wirken die Karikaturen der zehn Berliner und die Anmerkungen der Redaktion zu den Künstlern wie Zielscheiben. Was passiert hier? Was ist mit mir und dem Rest der Welt geschehen?

Ich habe ein ganzes Zimmer mit vollen Regalen. Alles  Comics. Jede Geschichte, jede Zeichnung ist einzigartig. Autoren und Zeichner jeglicher Herkunft sind darunter zu finden. Kulturkreise treffen auf politische Regime, religiöse Ansichten, soziale Schichten und sind gleichzeitig ein historisches Zeitdokument. Ich möchte diese Vielfalt nicht missen. Nur so kann ich lernen, kennenlernen, Verständnis entwickeln, mich weiterentwickeln, dazu beitragen das die Welt ein kleines Stück besser wird.

Ich Gedenke nicht den Mordopfern allein, sondern bin in Gedanken an alle da draußen, die in Zweifel an der kulturellen Vielfalt geraten. Überprüft euren Kompass. Versetzt euch in die Lage eines jeden Protagonisten, wie ihr es auch beim Comic lesen tut. Betrachte seine Origin, seine Beweggründe. Lies auch im leeren Raum zwischen den Panels. Heute wie früher sind wir alle die Protagonisten, die die Geschichte unserer Zeit erzählen und auf welcher Seite dieses Buches wird man dich finden?

Ich bin nicht Charlie, genauso wenig wie „Yes we can“ und „Seid bereit, immer bereit“ meine Lebenseinstellung wiederspiegeln. Bis zu den ersten Berichten in den Medien kannte ich Charlie Hebdo nicht und zugegebener Maßen kenne ich auch das Gegenüber nicht gut genug, doch wenn man die Geschichte rational runterbricht, dann können 2000 Jahre Religionskriege nicht im Sinne von einem Gott, von einem Messias, einem Propheten oder in unser aller Sinne sein. Ohne Religion im Umfeld aufgewachsen, kann ich bis heute dieses Lebenskonzept nicht verstehen, doch die preußischen Werte von „Jeder nach seiner Fasson“ prägen bis heute mein moralisches Werteverständnis. Ich spreche mich keineswegs frei in bestimmten Situationen auch hier in meinem Glauben an die Grenzen gekommen zu sein, aus Sicht anderer diese auch schon übertreten zu haben, doch das heißt nur, das ich an mir arbeiten muss. Ich werde immer wieder in meinem Glauben geprüft und dafür reichen ein paar Schritte vor die Haustür am Sonntagmorgen um Brötchen zu holen.       

Donnerstag, 9. Januar 2014

Royale Schmalzcomics mit Stijl

Das Jahr 2013 ist rum und ich habe so einige Jahresrückblicke geschrieben und noch viel mehr gelesen. Der Nerd 2.0 muss also was Besonderes, was Epochales, was Royales bieten, er muss alles über übertreffen und ihr denkt euch gerade: „Was schreibt er denn für ein Schmarn? Man ey, schreib nicht um den heißen Brei!“ Doch…doch…genau das tue ich!

Es ist Winter, auch wenn die Temperaturen momentan etwas anderes verheißen und somit die optimale Jahreszeit für Hausmannskost. Ich weiß, Weihnachten ist gerade ein paar Tage her und ihr kämpft euch eure hinzugewonnen Kilos am Heimtrainer oder im Fitnessstudio wieder ab, aber hey, nicht mein Problem. Wieder denkt ihr euch: „Komm auf den Punkt man! Ich klick gleich auf den nächsten Artikel in meinem Feedreader.“ Ich halte euch davon nicht ab, aber dann verpasst ihr was ganz Besonderes, was Epochales, was Royales.

Wo war ich? Ach ja, es ist Winter und ich wollte was zu Hausmannskost schreiben. Schon mal Schmalz getestet? Nein? Warum nicht?

Tja, zu spät! Stijroyal le Heimatmagazin ist schon darauf gekommen und hat seine 17. Ausgabe nicht nur dem Schmalz gewidmet, sondern sich dem weißen Fett vollkommen hingegeben, sich darin gesuhlt sozusagen. Wer hätte aber gedacht, dass der Meister der Käsebrote, unsere Lieblingsinternetkatze @quitzi gerade diese Ausgabe mitorganisiert hat. Liegt es vielleicht daran, dass er die ganzen Käsebrotebestreicher mit ins Boot geholt hat? Also komme ich mal auf den Punkt: Warum schreibt denn der Nerd 2.0 über ein Heimatmagazin? Na weil da Käsebrote … ähhh … Tschuldigung … weil da Comics drin sind und Schmalztests und wir lieben doch alle Schmalz und Bratwürste und wir lieben doch alle Bratwürste!

Ich muss ja immer meinen Hut vor kreativen Köpfen und gerade vor Verlegern ziehen, besonders von selbst aufgelegten Magazinen. Da steckt viel Kraft und Geld und noch viel mehr organisatorischer Krimskrams drin, der einem schnell über den Kopf wachsen kann. An der Stelle also ein Lobhuldigung an alle, die etwas auf die Beine stellen! 

-Hier ist Platz für ihre Lobhuldigung*-
(*alle Einsendungen werden pauschal berechnet)

So das hätten wir abgehackt. Weiter im Text. Der Bratwursttest. In der Arena stehen Walters Futterkrippe aus Wiesbaden gegen Wurststand vor dem Café Rosenstein in Pankow! Das Team von Stijroyal überlässt das Votum dem Leser und zur Bewertung können nur die optisch prägnanten Merkmale wie Aussehen, Anblick, Eindruck, Erscheinungsbild, Äußeres und Look herangezogen werden. Schwierig. Wäre ich Schwabe, würde ich nach dem Preis gehen und da jewinnt die Berliner Wurscht mit EUR 2,50 das Rennen deutlich mit einem Abstand von EUR 0,20, also umgerechnet 0,39 DM, also 1,56 Ostmark und das ist schon eine Hausnummer für eine Bratwurst und das wären in der DDR drei Bier gewesen! Schweife ich schon wieder ab? Naja, wäre ich Berliner, dann würde die Wurscht aus Pankow gewinnen. Ich bin Berliner also jewinnt die Wurscht aus Pankow!

So da ging es ja bereits richtig um die Wurscht und dabei sind wir noch am Anfang dieses übergroßen, royalen Magazins. Das geht ja so richtig stijl voran. Weiter im Text.

Seite Acht bitte beachten.
Seite Neun auch.

Auf Seite 10 und 11 ist ein Comic mit Cliffhanger. Fies. Danke Kiki Thaerigen. Jetzt muss ich Stijroyal le Heimatmagazin Nr. 18 auch kaufen. Wo bekommt ihr das denn eigentlich. Das ist der Clou:
Entweder auf der seite von Stijlroyal (hier klicken) oder in einem einzigen Geschäft weltweit… ungelogen...wirklich…weltweit gibt es das nur in Berlin, im Groben Unfug! Seit ihr schon auf den Geschmack gekommen? Nee? Okay, dann gibt es noch mehr Schmalz an die Backe.

Auf Seite 12 findet ihr einen Comic, auf Seite 13 wird der fortgesetzt, auf Seite 14 wird die Trilogie komplettiert und auf Seite 15 folgt dann der überraschend erfolgreiche 4. Teil, aber eigentlich ist das alles eine Geschichte, so mit Zusammenhang und so. Geht ja nicht jeder Reihe so, aber vielleicht liegt das an Oliver Naatz (hier klicken zur Googlesuche für alle mit schlechten Namensgedächtnis, denn der Namesollte, nein, muss allen ein Begriff sein, wenn nicht wie gesagt einfach hierklicken, habe den Googlesuchelink hier mit hinterlegt, trau dich ruhig, mussdir nicht peinlich sein, kannst ruhig mehr über Oliver Naatz erfahren, ist einganz netter).

Du hast also geklickt und bist zurückgekehrt oder du hast dich nicht getraut und bist geblieben oder du kennst Oliver Naatz und willst wissen wie es nun weitergeht … oder … ach lassen wir das und ich blättere mal um.

Seite 16 und Seite 17
Ihr seht richtig, diese Doppelsuperdupersplashpage bekommt einen extra Absatz und sogar eine Extrazwischenüberschrift … ist es nicht schön wie man in der deutschen Sprache einfache alle Wörter zu einem superlangen Superlativsubstantivierungzusammensetzungskonstrukt zusammenkonstruieren kann. Herrlich. Diese Doppelsuperdupersplashpage ist so super duper, da sie sexy-sexistisch, eklig-lecker und morbide-engelhaft ist. Jetzt seid ihr ganz bestimmt neugierig und ihr bekommt kein Bild von mir, denn ich bin manchmal einfach nur gern böse und will euch nun eurer Fantasie überlassen. Gebt euch dem hin und lasst euch am Ende vom Zeichner Heiko Nerenz überraschen.  

Auf den folgenden Seiten ist dann ein Comic aus dem Graphic Novel Genre, so nennt man doch Comics mit Krickelkrackelzeichnungen oder trete ich da jetzt in ein Fettnäpfchen, sozusagen ein Schmalztopf. Krickelkrackelzeichnung hin oder her, das Kind dahinter hat sich wirklich viel Mühe gegeben und sich ein Lollie verdient.

Update durch zahlreiche Leserbeschwerden noch vor der Veröffentlichung: Der Zeichner ist Nilz Bokelberg, seines Zeichens kein Zeichner, zeichnete sich aber verantwortlich für meine Musik-TV-Sender-Sucht in den 90er Jahren, die erst durch massive Klingeltonwerbesendungen zwischen den Reality-TV-Serien das zeitliche segnete und ist heute Blogger, Autor und ich glaube er schreibt auch. Hier schreibt und illustriert Herr Bokelberg in illustre Weise über seinen Superhelden Arm-Bein-Man, den sein 15 jähriges Vergangenheits-Ich beim Schulbankdrücken erfunden hat. Es ist wohl so eine arbeits-Beschaffungs-Maßnahme für sich selbst in der Penne gewesen. Er war wenigstens so clever gewesen und hatte dafür Papier benutzt. Meine Frühwerke wurden immer von den Putzkräften vernichtet. Alles Kunstbanausen.

So das war es erst einmal zum stijlroyalen Inhalt, denn mehr als die Hälfte sollte man nie vorwegnehmen. Auf den folgenden Seiten folgen Comics mit Folgen und ein folgenschwerer Schmalztest, aber das alles bekommt heute kein Fett weg. 


Habe ich eigentlich schon erwähnt wie großartig das Magazin ist. Großartig in Bezug auf die Größe, denn es misst 30 cm x 42 cm (oder andersherum) und aufgeschlagen 42 cm x 60 cm (oder andersherum). Es ist so groß, dass ich und das Comic mir die Couch alleine teilen mussten/durften/konnten. Dies war befristet bis zur Verbannung in mein Comicarchiv, was jetzt nicht wirklich das schlimmste Exil ist, denn da sind ja meine Comics archiviert und ein Kicker habe ich da auch und nur darauf hatte das Magazin genug Platz, denn so groß schlägt es aus der Art, so groß, dass ich kein Platz zum Archivieren finde, aber zu großartig um es nicht zu archivieren. Ein Dilemma, welches noch einer Lösung bedarf, aber das ist das Problem meines Zukunfts-Ich ist.

Links


  1. Ein Schlusswort an denjenigen, der bis hier gelesen: Danke!
  2. Ein Schlusswort an denjenigen, der bis hier schnell runtergescrollt hat: Erstens könnte auch dir gelten!